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Bolz & Grätsch E009 – Viva la Relegación!

Arriba, andale & hasta la vista: Die Saison 16/17 verabschiedet sich endgültig in ihren wohlverdienten Ruhestand. Der Schlussakt der Saison stellte mal wieder die Pokalfinals und die Relegationen dar. Die beiden heißblütigen Pseudo-Südländer blicken vor allem auf die Auf- und Abstiegsrunden und haben mal ein kleines Pro-und-Contra zu dem Thema diskutiert. In feinstem Spanisch-Kauderwelsch, klar.

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3 Thesen für das schwache Abschneiden deutscher Topclubs

Grundlegend stimmt etwas mit den mutmaßlichen Top-6-Clubs in Deutschland nicht. Schalke 04, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sollten nominell alle um Europa und eigentlich sogar um die Champions League mitspielen. Was ist da los?

Ich stelle folgende Thesen auf:

  1. Die Sportdirektoren müssen weg von der individuellen Klasse. Nicht komplett, aber das Hauptaugenmerk sollte auf dem Zusammenstellen einer homogenen Mannschaft liegen. Das bedeutet präzise Auswahl von Spielern und einem passenden Trainer. Schalke, Leverkusen und Wolfsburg haben großartige Fußballspieler, die nicht miteinander harmonieren. Eigentlich Aufgabe des Trainers, aber da kommen wir zur zweiten These.
  2. Es gibt ein Problem in der Mentalität von Profi-Fußballern. Sie bekommen zu früh oder zu sehr das Gefühl vermittelt, den Verein mitgestalten zu können. Zu sehr das Gefühl, der Verein ist abhängig von ihnen. Schlechte Leistungen und Ergebnisse werden auf den Schultern des Trainers geladen, den die Mannschaft gegebenenfalls nicht einmal ernst nimmt. Ein international gestandener Fußballspieler tut sich vielleicht schwer mit einem mittelmäßig erfolgreichen Trainer aus der zweiten Fußballbundesliga.
  3. Die Vereine sind Schuld daran, dass es nur noch ganz wenige große Trainer gibt. Warum? Weil sie verheizt werden. In dieser Saison gab es bereits 11 Trainerwechsel, letzte Saison mit Wechseln am Saisonende 13 Trainerwechsel. Bei einer derartigen Fluktuation kann kein Trainer reifen. Unerfahrene, junge Trainer funktionieren bei Mannschaften mit vielen Perspektivspielern, aber nicht bei Mannschaften, deren Etat und sportliche Führung die Top 5 anstreben. Es sei denn, eine dieser Mannschaften wählt einen personellen Kahlschlag, sortiert alle etablierten, „satten“ Spieler aus und holt hungrige ehrgeizige Spieler.

Der Wahnsinn von der Weser

Sonntagsspiele haben gemeinhin mit dem Vorurteil zu kämpfen, dass sie langweilig seien. Das mag vielleicht ein subjektiver Eindruck meinerseits sein, kann auch statistisch von mir nicht belegt werden, aber das Highlight eines jeden Spieltags ist und bleibt die Samstagskonferenz. Bundesliga, Samstagnachmittag, halb Vier. Das fühlt und hört sich richtig an. „Arsch auf Eimer“, wie man im Ruhrpott auch sagt. Doch der Pott hatte sein Spektakel bereits am Samstag.

Heute traf der Fussballnorden sich zum entfernten Halbcousin des wahren Nordderbys: Bremen gegen Wolfsburg. Auch wenn das Spiel tabellarisch und formkurvenmäßig bereits im Vorfeld mit Spannung hätte erwartet werden können, versprüht dieses Derby im weitesten Sinne weitaus weniger Funken der Fussballwonne. Unberechenbares Werder trifft auf europapokalmüde Wölfe. Man denke sich ein gleichgültiges Schulterzucken.

Doch was sich dann an diesem späten Sonntagnachmittag an der Weser abspielte, hätte selbst der kühnste Optimist nicht für möglich gehalten. Eins dieser Spiele der Marke „Dafür gucke ich Fussball“. Für dieses Spiel nimmt man Dutzende einschläfernde Sonntagsspiele in Kauf. Nur um ein einziges Mal richtig aus den Socken gefeuert zu werden.

Die erste Hälfte begann mit einem Schießbudenfestival nach dem Motto „Wer will nochmal? Wer hat noch nicht?“. Innerhalb von 19 Minuten klingelte es bereits fünf Mal, drei Mal im Kasten vom VfL und zwei Mal in dem vom SVW. So sah sich Werder nach diesem ersten Schlagabtausch der brutalsten Art obenauf. Wer vorher noch keinen Ohrwurm von „500 Miles“ hatte, der wird die Nummer nach diesen 19 Minuten die nächsten Wochen als Tinnitus im Ohr haben. Fragt mal Marshall Eriksen wie sich das anfühlt.

Doch wer dachte, dass sich die Sache nach dieser ersten Hälfte für Skripniks Spektakel-Werder ausgeht, wurde nach Wiederanpfiff innerhalb von fünf Minuten von der Realität unangespitzt in den Boden der Tatsachen gerammt. Irgendwo in einem Hamburger Tonstudio saß wohl Rapper Das Bo und hatte in der Halbzeit eine Idee. Bas, Bas, wir brauchen Bas. Kein Problem für den Mann, der seit Wochen on fire ist. In England singen sie gerne „He scores when he wants“ für besonders erfolgreiche Torjäger. Selten passte es so, wie für die holländische Torbestie. 3:3 und 3:4 selbst gemacht, 3:5 aufgelegt. Who you gonna call? Dostbuster!

Und damit war der Wahnsinn von der Weser komplett. Auch wenn die Weser danach nicht noch ein Wunder parat hatte. Werder schafft keine Comeback mehr und so zerbrach man an der eigenen Unerfahrenheit, sowie Unkonzentriertheit, die das als Spitzenteam etablierte Wolfsburg eiskalt ausnutzte. Nichtsdestotrotz geht der Dank an beide Teams für dieses Spektakel. Thomas Schaaf hatte mit Sicherheit seine helle Freude daran und sitzt noch jetzt mit einer Träne im Auge in Frankfurt und murmelt „Das ist mein Werder“ in den Schnurrbart. Und ich werde demnächst jedes Sonntagsspiel vorurteilslos auf mich zukommen lassen. Wahrscheinlich.

Quälix & der nette Herr Magath

Gelassen sitzt er oben auf dem Podium, blickt zufrieden herab auf die Reporterschar, die auf seine Worte wartet. Rührt dabei seelenruhig in seinem Tee. Als wäre er bei Großmutter zur Kuchentafel geladen und nicht als Verantwortlicher im Medienspektakel Fussball.
Wenn er dort sitzt, mit seiner modischen Brille auf der Nase, dem runden Gesicht und den Kulleraugen, dem sanften Lächeln, wirkt er, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Bei seinen Antworten, auch auf unangenehme Fragen, bleibt er stets beherrscht. Auch wenn er hin und wieder mal ein wenig Zorn durchblicken lässt, falls man ihn mal wieder etwas in seinen Augen „Dummes“ fragt, schluckt er diesen im selben Moment wieder runter. Pokerface aufsetzen, „der ist es nicht wert“. Dann ist er der nette Herr Magath, der auf seinem Facebook-Profil immer die richtigen lobenden und beschwichtigenden Worte findet.
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Eben so, wie man sich einen Trainer nach außen wünscht: staatsmännisch. Alte Schule eben.

Doch der nette Herr Magath zeigt sich scheinbar ausschließlich nach außen hin. Intern, im Umgang mit seinen Spielern, scheint die Sache ganz anders auszusehen. Dann wird er nämlich schnell zu „Quälix“.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Magath im Training auf Disziplin setzt und den Spielern körperlich viel abverlangt. Das ist als Fussballtrainer zunächst mal nicht verwerflich. Diese Leidenschaft für konditionsbasiertes Training brachte ihm schließlich seinen Spitznamen ein. In Wolfsburg ließ der bekennende Medizinball-Fetischist sogar eigens einen Hügel aufschütten, der für Laufeinheiten mit Steigung genutzt wurde. Seinem Image entsprechend wurde er passenderweise „Hügel der Leiden“ getauft.

Doch Magath schoss bereits einige Male in seinen Methoden über das Ziel hinaus. Beim VfL Wolfsburg ließ er seine Mannschaft erst durch den Wald hetzen, um bei deren Ankunft dann die Trinkflaschen ausgeleert zu haben. Nicht so nett.
Auch abseits des Trainingsplatzes sind seine Methoden fraglich. So soll er Spieler nach schlechten Leistungen in sein Büro gerufen haben, um diese dann minutenlang grimmig anzustarren. Stare down á la Felix.
Ein wechselwilliger Spieler war ganz schnell Persona non grata. So verbot er beim FC Fulham allen Spielern den Kontakt mit Torwart Stekelenburg, dessen Wechsel nach Monaco bereits fest stand. Quasi als Mahnmal für etwaige weitere Spieler, die weg wollen.
Wenngleich die aktuelle Geschichte um die „Käse-Behandlung“ schon sehr skurril daherkommt und vermutlich nur böse Nachrede des geschassten Ex-Captains Hangeland und gefundenes Fressen für die sensationsgeile englische Yellow Press ist, zeigt sie trotzdem welch extrem negativen Ruf Magath bei vielen seiner Spieler hat.
Lewis Holtby wollte gar zurück zu seinem Stammverein Tottenham flüchten, als kurz nach seiner Leihe zu den Cottagers Magath dort Trainer wurde. Er kannte ihn und seine Methoden ja bereits aus seiner Zeit bei Schalke.

Magaths Methodik basiert also hauptsächlich auf dem Angst-Prinzip. Nach dem Motto: „Ihr bringt Leistung, weil ihr Angst davor habt, was passiert, wenn ihr es nicht tut.“
Dass dieser Ansatz allein von pädagogischen Gesichtspunkten her nicht haltbar ist, sei dahingestellt. Denn der Erfolg gab ihm in seiner Karriere bisher fast immer recht. Drei Meistertitel und zwei Pokalsiege sprechen für sich.

Dieses Angst-Prinzip setzt er aber vor allem in Phasen ein, in denen es sportlich nicht läuft. Häufig bekamen dann vermehrt jüngere Spieler Chancen, auf die Magath ob der geringeren Lebenserfahrung und dem schlechteren Nervenkostüm mehr Druck ausüben konnte.
Überhaupt sind jüngere Spieler natürlich empfänglicher für seine Machtspiele. Erfahrenere, die womöglich Contra bieten, werden kurzerhand zurechtgestutzt und schlimmstenfalls suspendiert. Wer nicht kuscht, fliegt raus. Das musste beispielsweise Diego erleben, der nach Bekanntgabe der Aufstellung (und seiner gleichzeitigen Nicht-Berücksichtigung) das Teamhotel verließ und danach keinen Fuß mehr unter Magath auf die Erde bekam. Man könnte auf die Idee kommen, dass da unter anderem auch ein Expempel statuiert wurde.

Alles in allem sind Magaths Methoden einfach überholt und im modernen Fussball nicht mehr gefragt. Das kann man gut finden oder nicht, Magath selber hingegen wird in der Form im Trainergeschäft auch kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Weder der nette Herr Magath, noch Quälix.

No Bendtner – No Party

Torres, Morata, Lukaku, Destro. Was sind in diesem Sommer nicht für große Namen beim VfL Wolfsburg gehandelt worden. Natürlich lässt sich der Wahrheitsgrad bei jeder einzelnen Personalie nicht mehr hieb- und stichfest nachhalten, aber festhalten kann man definitiv, dass die Verantwortlichen nach der ganz großen Lösung im Sturm gesucht haben. Dem ‚Big Bang‘, der die Liga nachhaltig zusammenzucken lassen sollte.

Geworden ist es jedoch ein ganz anderer, als zunächt vermutet: Nicklas Bendtner, das Enfant Terrible des FC Arsenal.
Quasi als wollte man am Strand der Malediven Urlaub machen und sitzt letztendlich am Strand von El Arenal zwischen gröhlenden Engländern. Unbefriedigend.
Sein Name will nicht so recht in die Reihe der klangvollen Spekulationen zuvor passen. Das hat, sofern man seinen bisherigen Trainern glauben mag, vor allem mit ihm selbst zu tun. Denn Bendtner ist wahrlich nicht dafür bekannt ein strebsamer Musterprofi zu sein. Ganz im Gegenteil, er steht vielleicht wie kein Zweiter für die heutige Generation von Fussballprofis, die mit Vergnügungsmöglichkeiten abseits des Platzes überschüttet werden.

Doch betrachtet man sein fussballerisches Potenzial, so klingt sein Name doch nicht mehr ganz so fehl am Platz zwischen großen Stars, wie Torres, Lukaku und Co.
Ausgebildet in der Jugend des FC Kopenhagen wechselte er bereits im Alter von 16 Jahren in die Akademie des FC Arsenal und schaffte es von dort über eine Leihstation in Birmingham in die erste Mannschaft der Gunners. Dort wusste er dann auch zu überzeugen und sein zweifellos enormes Potenzial blitzte immer häufiger hervor. 2010 hatte er dann seine wohl größte Sternstunde im Trikot von Arsenal, als er im Champions-League-Spiel gegen den FC Porto einen Hattrick erzielte. Er schaffte es jedoch während seiner ganzen Zeit bei Arsenal nie sich nachhaltig als Stammspieler zu etablieren.

Seine privaten Eskapaden standen ihm dabei mindestens so häufig im Weg, wie seine doch recht laxe Einstellung zum Profisport. Er war nie jemand, der mit Extra-Schichten nach dem Training für den Erfolg geschuftet hat. Vielmehr ließ er sich immer wieder vom süßen Lotterleben außerhalb des Platzes verführen. Neben seiner Leidenschaft für durchzechte Nächte in den Bars und Clubs dieser Welt, hegt er auch ein ausgeprägtes Faible für den Nudismus. So zog er bereits vor einem Nachtclub bei Anwesenheit diverser Paparazzi blank, rieb sein bestes Stück am Fahrzeug eines Taxifahrers mit dem er aneinandergeraten war, untersuchte nach einem Unfall mit seinem Aston Martin seinen nackten Körper nach Verletzungen oder postet bei Instagram zuletzt ein Bild, auf dem er seelig lächelt und nur das Nötigste mit einem BH bedeckt hat.

Hinzu kommen viele kleine und große Skandale auf und neben dem Rasen, die in den letzten Jahren von ihm ein arrogantes, rücksichtsloses und unprofessionelles Bild gezeichnet haben. So hat er, nachdem er in einem Interview auf die Frage zu welchen Vereinen er wechseln möchte mit „Real Madrid oder Barcelona“ antwortete, den Spitznamen „Lord Bendtner“ weg. Wohlgemerkt kam diese Aussage in einer Situation, in der seine Leistung gerade mal für wesentlich kleinere Vereine gereicht hätte. Kann man mal machen.

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Vor allem deswegen wurde er später in seiner Zeit bei Arsenal zwei Mal verliehen, zunächst an den AFC Sunderland, dann an Juventus Turin. Auch um ihn mal aus seiner Komfortzone rauszulocken. Doch auch diese Leihstationen brachten ihn nicht weiter. Er stand sich immer wieder selbst im Weg.

Nun versucht er sich also im beschaulichen Wolfsburg. Diese Verbindung wird allerdings nur passen, wenn Bendtner den Ernst der Lage erkennt. Denn diese Station wird entscheidend für seine weitere Karriere sein. Setzt er sich hier nun ebenfalls nicht durch, ist der Zug zum Topspieler entgültig abgefahren. Denn dann gilt er als doppelt gescheitert und wird kaum mehr bei Topclubs unterkommen.
Nimmt er die Herausforderung jedoch an und ruft bei den Wölfen endlich seine Möglichkeiten ab, kann er mit mittlerweile 26 Jahren durchaus noch einmal durchstarten.

Vorausgesetzt es heißt in Zukuft:
No Party for Bendtner.

 

Beitragsbild: Quelle