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Die große Glaubensfrage: Kickers oder Tsubasa?

Wir alle kennen das folgende Szenario wahrscheinlich noch sehr gut aus unserer Kindheit:

Schule aus, schnell nach Hause, Ranzen in die Ecke donnern, Fernseher an.

Doch welche Zeichentrickserien haben wir Fussballverrückten eigentlich damals geguckt? Da gab es im Prinzip zwei Serien, die uns geprägt haben.

Im Mittelpunkt steht Gregor, der mit seiner Familie in eine neue Stadt zieht und dort bei einer Schulmannschaft über den Fussball Anschluss findet. Die Kickers werden vor allem wegen ihres Underdog-Images im Laufe der Serie als besonders sympathisch empfunden und versuchen sportliche Unzulänglichkeiten über ein großes Herz auszugleichen. Wenngleich Gregor der einzige wirklich begabte Kicker ist.

Auf YouTube kann man viele Episoden noch heute sehen!

 

Die Story ist zu Anfang exakt die gleiche. Der Hauptprotagonist Tsubasa zieht ebenfalls mit seiner Familie in eine neue Stadt und findet über das Kicken Anschluss in seiner Schule. Im Gegensatz zu den Kickers, sind die Mannschaften in denen Tsubasa spielt meist sehr gut. So spielt er sich auch über diverse Lokalauswahlen in die besten Nachwuchsteams des Landes.

Auf Clipfish kann man sogar die ersten 52 Episoden sehen (Geil!)

HIER

Also, in welchem Team seid ihr? #TeamKickers oder #TeamTsubasa?

Früher war alles besser: Fussballwerbespots

Dass der Fussball eine scheinbar niemals versiegende Quelle für generierte Werbeeinnahmen ist, das brauchen wir niemandem verdeutlichen. Längst haben zahlreiche Stars der Branche die Welt der Werbespots erobert. Angefangen bei Suppenkasper Franz Beckenbauer, der für Knorr Kraft auf den Teller brachte oder Gerd Müller, der bereits in den 70er Jahren Werbung für Müllermilch machte. Ja, da hat die jüngere Generation der Fussballfans richtig gehört: Lange bevor der Thomas dafür vor der Linse stand oder man auf die Suche nach dem Muh ging, machte der Gerd schon für des Deutschen liebste Molke Werbung.

Bis die ersten Gehversuche der oft steif wirkenden Topspieler vor der Kamera sich langsam zu echten Fortschritten entwickelten, vergingen einige Jahrzehnte. Als sich dann die großen internationalen Konzerne Ende der 90er, Anfang der 2000er diesem Thema annahmen, wurden die Spots endlich filmreif. Insbesondere Nike, Adidas und Pepsi taten sich positiv hervor und schafften es teilweise mit einer ungezwungenen Lockerheit und Coolness die Ballzauberer formschön in Szene zu setzen.

  • Nike, 1998, Airport

Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Nike-Spot von 1998, in dem die damalige brasilianische Nationalelf sich aus Langeweile mit dem Ball am Fuß durch den Flughafen von Rio de Janeiro zaubert.

Untermalt von den Klängen des perfekt passenden Soundtracks Mas Que Nada braucht die Riege um Ronaldo, Romario, Lucio, Cafu, Carlos, Denilson, Leonardo nicht mehr, als eine Pille, um aus den langweiligen Terminalhallen einen Bolzplatz an der Copacabana zu machen. Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Spot zu dieser Zeit in vielen Schulen, Bahnhöfen und Einkaufscentern zu Sachbeschädigungen geführt hat. Aber mit 10 ist man halt der Coolste auf dem Schulhof, wenn man den Übersteiger samt Ball mit der Hacke über den Kopf ziehen hinkriegt.

  • Pepsi, 2003, Wild West

Pepsi hatte im Jahr 2003 eine wunderbare Idee: Lassen wir doch einfach Freistoßgott Beckham gegen Welttorhüter Casillas antreten. Und welches Setting wäre für einen Scharfschützen, wie Becks passender, als der Wilde Westen? Die Story sieht vor, dass San Iker dem guten David im örtlichen Saloon die Pepsiflasche vor der Nase wegschnappt. Logisch, dass er das nicht auf sich sitzen lassen kann. Prompt fordert er Casillas zu einem erbitterten Duell heraus. Natürlich mit Ball und Handschuhen, statt Revolvern. Damit das High-Noon-Duell endgültig episch wird, haben beide jeweils ihre United-Squad und Real-Squad als Unterstützung am Start. Verliebtes Detail am Rande: Die Spieler haben die Rückennummern und Namen in Originalschriftart auf ihren Wild-West-Ledermantel gedruckt. Jedenfalls tritt David mit der geballten Ultra-Coolness einer weltweiten Stilikone auf die staubige Straße und überlistet Casillas, wie es sich für einen Freistoßspezialisten gehört.

  • Nike, 2000, The Mission

2000 heuerte Nike eine Horde schillernder Fussballstars an, um eine große Mission zu erledigen. Es sollte der neue Nike-Ball aus einem Museum entführt werden. Verantwortlich für die Mission ist kein geringerer, als Feierbiest Louis van Gaal, der in bester Hannibal-Manier den A-Team-Van vorfährt. Die Mitglieder dieser Sondereinheit stürmen also das Museum und müssen sich mit krassen Skills am Ball gegen schlecht gelaunte Samurai-Roboter (klar) durchsetzen. Einer fällt aus dieser Gruppe etwas raus: Nämlich Olli Bierhoff. Der wirkt neben den naturlässigen Figo, Davids, Thuram  oder Totti, wie McLovin beim Breakdancen. Eher uncool.

  • Pepsi, 2004, Medieval Fight

Mal wieder gebührt David Beckham die Ehre, das Pepsi-Universum mit seinem rechten Fuß zu retten. Diesmal im Mittelalter. Becks hat einige von seinen Fussballkollegen mitgebracht und zeigt den etwas zurückgebliebenen mittelalterlichen Bewohnern mal wie man den Schweinslederball so richtig schön durch die Gegend drescht. Am Ende schießt Roberto Carlos noch einen Naturgewaltfreistoß und beschert damit allen mittelalterlichen Einwohnern eine Fuhre Gratis-Pepsi. Zwar keine Infrastruktur oder sauberes Wasser, aber immerhin Pepsi.

  • Nike, 2002, The Cage

Bei dieser Spot-Reihe aus dem Jahr 2002 besinnte sich Nike mal wieder auf das Wesentliche. Ein Turnier, ein Käfig, zwei Mini-Tore, Drei gegen Drei. Und diese Drei-Mann-Teams sind bestückt mit allem, was Rang und Namen hat im Fussball Anfang der 2000er. In mehreren Teilen des Spots kämpfen die Starensembles mit teils irrwitzigen Tricks um den Einzug ins Finale. Geleitet wird das Ganze von Eric Cantona, der wie ein irrer Zirkusdompteur auf dem Käfig steht. Den letzten Schliff bekommen die Spots mit dem außergewöhnlich guten Soundtrack, einem Remix von Elvis Presleys „A Little Less Conversation“. Wenn man dieses Lied hört, bekommt man heute noch Bock auf ein mit Tricks überladenes, schnelles Kleinfeldmatch mit seinen Kumpels.

  • Nike, 2004, Portugal vs. Brazil

Nochmal Nike, diesmal in einer realistischen Kulisse im Stadion. Es stehen sich die Nationalteams aus Portugal und Brasilien im Spielertunnel gegenüber. So weit, so normal. Doch als der alte Fuchs Luis Figo meint dem die Schuhe schnürenden Ronaldo (der Echte) den Ball durch die Beine zu spielen – und das auch noch mit einem verhöhnenden „Olé“ zu bestätigen – entbrennt ein einziges Zweikampffestival unter den Spielern, das sich durch das ganze Stadion zieht. Auch hier ist mal wieder viel Witz und Ironie dabei. Genau das macht den Charme dieses Spots aus, der mit den herrlich seichten, südlichen Klängen von Papa Loves Mambo (in der Dean-Martin-Version) untermalt wird.

  • Adidas, 2006, Jose+10

Auch der große Nike-Konkurrent Adidas kann starke Werbespots produzieren. So geschehen, vor der WM 2006.  Dort geht es um einen kleinen Jungen (Jose), der im Clinch mit seinem Kumpel liegt. Um das auszutragen, ruft man sich natürlich die weltweit größten Fussballstars zusammen (inklusive derer, die in ihrer jugendlichen Reinkarnation auftauchen, wie Beckenbauer und Platini) und trägt das in einem wilden Bolzplatzmatch aus. Funfact: Selbst in diesem leichtfüßigen Spaßmatch hat Oliver Kahn noch etwas zu meckern. Der Titan eben.

 

Diese ganzen großartigen Beispiele für wirklich gelungene, witzige und angenehm ironische Werbespots in der Fussballwelt sind alle 10-15 Jahre alt. Betrachtet man die Werbeblocks im TV-Programm heute, findet man keinerlei Spots mehr, die an die Qualität und den Spaß, den sie vermittelten, herankommen. Man hat heute zunehmend de Eindruck, als dürfe man große Fussballspieler in der Werbung nur noch möglichst unnahbar und perfekt darstellen, eher wie Models. Ganze Gruppen von Stars, wie in den alten Spots, bekommt man ebenfalls nicht mehr zu sehen. Wenn dann treten sie eher einzeln auf. Man duldet eben keine Konkurrenz.

Eine Entwicklung, die sehr schade ist. Denn die TV-Spots haben uns damals sehr viel Freude bereitet, vor allem die spöttischen Interaktionen der Stars untereinander. Liebe Werbemacher, stellt die Fussballstars doch mal wieder mit etwas mehr Augenzwinkern dar. Wir wollen lieber selbstironische Superhelden sehen, als unnahbar perfekte Models.