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No risk, no (Tay)fun

Borussia Dortmund musste nach der Absage von Toplösung Lucien Favre auf der Trainerposition etwas improvisieren. Und so zauberte mal letztendlich Peter Bosz von Ajax Amsterdam aus dem Hut, der zwar kürzlich eine junge Ajax-Truppe bis in das EL-Finale führte, aber darüberhinaus keine nennenswerte Reputation als Trainer hat. Vielversprechende Ansätze sind da, aber eben keine Sicherheit, dass er prompt in das Gefüge eines europäischen Topclubs, wie dem BVB, passt. Ein Restrisiko bleibt.

Doch wenn man in Dortmund schon von Restrisiko bei der Verpflichtung von Bosz spricht, was soll Bayer Leverkusen dann sagen, die offenbar ernsthaft in Erwägung ziehen Bestenfalls-Mittelmaß-Coach Tayfun Korkut weiterzuverpflichten?

Wahrscheinlich lief es etwa so ab:

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3 Thesen für das schwache Abschneiden deutscher Topclubs

Grundlegend stimmt etwas mit den mutmaßlichen Top-6-Clubs in Deutschland nicht. Schalke 04, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg sollten nominell alle um Europa und eigentlich sogar um die Champions League mitspielen. Was ist da los?

Ich stelle folgende Thesen auf:

  1. Die Sportdirektoren müssen weg von der individuellen Klasse. Nicht komplett, aber das Hauptaugenmerk sollte auf dem Zusammenstellen einer homogenen Mannschaft liegen. Das bedeutet präzise Auswahl von Spielern und einem passenden Trainer. Schalke, Leverkusen und Wolfsburg haben großartige Fußballspieler, die nicht miteinander harmonieren. Eigentlich Aufgabe des Trainers, aber da kommen wir zur zweiten These.
  2. Es gibt ein Problem in der Mentalität von Profi-Fußballern. Sie bekommen zu früh oder zu sehr das Gefühl vermittelt, den Verein mitgestalten zu können. Zu sehr das Gefühl, der Verein ist abhängig von ihnen. Schlechte Leistungen und Ergebnisse werden auf den Schultern des Trainers geladen, den die Mannschaft gegebenenfalls nicht einmal ernst nimmt. Ein international gestandener Fußballspieler tut sich vielleicht schwer mit einem mittelmäßig erfolgreichen Trainer aus der zweiten Fußballbundesliga.
  3. Die Vereine sind Schuld daran, dass es nur noch ganz wenige große Trainer gibt. Warum? Weil sie verheizt werden. In dieser Saison gab es bereits 11 Trainerwechsel, letzte Saison mit Wechseln am Saisonende 13 Trainerwechsel. Bei einer derartigen Fluktuation kann kein Trainer reifen. Unerfahrene, junge Trainer funktionieren bei Mannschaften mit vielen Perspektivspielern, aber nicht bei Mannschaften, deren Etat und sportliche Führung die Top 5 anstreben. Es sei denn, eine dieser Mannschaften wählt einen personellen Kahlschlag, sortiert alle etablierten, „satten“ Spieler aus und holt hungrige ehrgeizige Spieler.

Der Fall Calhanoglu – Ein Bauernopfer des Systems

Für viele ist die Situation eindeutig: Der Begriff „Söldner“ bahnt sich wie von selbst aus den Tiefen des Fanherzens an die Oberfläche.

Der (grobe) Hintergrund: Er bekennt sich zum HSV, lässt sich dann krankschreiben, um darauf zu Bayer Leverkusen zu wechseln. Im, von Romantik und Herz dominierten Bereich der Traditionsclubs, ein „Faux-pas“, ein „No-Go“, oder wie man im Ruhrgebiet sagt: „Datt machste einfach nich!“.

Als Fußballspieler darf man so etwas nicht. Aber jeder von uns kennt mindestens eine Person (wenn auch vom Hörensagen), die das schon mal gemacht hat. Und dabei heißt es dann: „Hätte ich wahrscheinlich auch so gemacht!“.

Wischen wir mal die Romantik, den Puderzucker, die Einhörner und Regenbogen beiseite: Der Fußball ist ein Geschäft geworden. Vereine sind Arbeitgeber. Calhanoglu hat seinem Arbeitgeber gekündigt, einen neuen Arbeitgeber gefunden. In den letzten Wochen seines Jobs ging es ihm psychisch schlecht aufgrund der Situation an seinem Arbeitsplatz. Also nimmt er eine Kranschreibung bis zum Ende seines Vertrages. Unter Berücksichtigung, dass da noch ein sehr junger Mensch hinter steckt, wäre das zumindest in der „normalen“ Arbeitswelt nachvollziehbar. Fußballspieler aber heißen, wenn sie sich gegen den eigenen Verein entscheiden und für einen (meistens auch finanziell) besseren Job entscheiden, „Söldner“. Sie sind nur geldgierig und identifizieren sich nicht mit dem Arbeitgeber.  Wenn man mal einen solchen Fall in der Bekanntschaft hat, dann beglückwünscht man Freunden und Kollegen zur gleichen Entscheidung. Wer sich in seinem Job unwohl fühlt und ein besseres Angebot bekommt, der wechselt. Das teilt man seinem aktuellen Arbeitgeber auch erst mit, wenn ich einen neuen Job sicher habe, oder?

Klar, im Endeffekt ist die Reaktion auf seine ungeschickte Außendarstellung nachvollziehbar. Der Fan sieht seinen Verein und damit sich selbst hintergangen. Unprofessionalität gepaart mit unsicheren und ungeschickten Äußerungen führen zwangsläufig zu Schmähungen in diesem Geschäft.

Ist Hakan Calhanoglu dafür verantwortlich?

Bevor jetzt Proteststürme losgehen: Dieses Verhalten ist offiziell im Profifußball unangebracht. Unprofessionell. Doch ich möchte in dieser Situation hinterfragen, ob man die Verantwortung nicht woanders sehen muss: Bei den Verantwortlichen der Vereine und bei sogenannten „Beratern“. Wie man beim ZDF gesehen hat, ist Calhanoglu keine Person, die durch seine verbalen Fähigkeiten glänzt. Das muss bekannt sein. Es liegt also in der Hand des Vereins, diesen Jungen darauf vorzubereiten oder davor zu bewahren.

Abschließend bleibt festzuhalten: Junge Spieler, die limitiert sind in ihren verbalen Möglichkeiten sollten von den Verantwortlichen geschützt werden. Auch die Medien sind in der Verantwortung, Feingefühl zu besitzen und vielleicht zusammen mit den Vereinen zu arbeiten, um solche medialen Desaster zu vermeiden.

Mehr Typen, wie Kramer! – Ein Appell

Wenn man ihn rein vom Äußerlichen her betrachtet, geht man davon aus einen unbedarften jungen Mann vor sich zu haben, der „irgendwas mit Medien“ studiert und ansonsten keine nennenswerten Verpflichtungen im Leben hat. Dass er Fussballprofi ist, würde man erstmal nicht vermuten. Zu unscheinbar kommt er daher. Wenn er sich dann aber in der Rolle des Fussballprofis im Interview den Fragen der Journalisten stellt, wird ziemlich schnell klar, warum Christoph Kramer nicht in das Profil eines typischen Profi passt. Der typische Profi zeichnet sich mittlerweile dadurch aus, dass er ziemlich unmündig und von Beratern gesteuert Konflikten aus dem Weg geht und zu erwartete Antworten gibt. Querdenker sind generell nicht gern gesehen in einem Geschäft, in dem Vereine und Verbände in Abhängigkeit von Sponsoren und Geldgebern alles unter ihrer Kontrolle halten wollen, damit am Ende ein stimmiges Produkt dabei herauskommt.

Kramer ist genau solch ein Querdenker. Das beweist er in letzter Zeit immer häufiger. Dass das erst seit seiner aufsehenerregenden Story im WM-Finale der Fall ist, hat nicht, wie von vielen vermutet, damit zu tun, dass er mit dem Weltmeister-Prädikat abgehoben ist. Es ist eher so, dass sein Wort seit diesem Titelgewinn einfach mehr Gewicht hat, man hört ihm eher zu. Wer würde den Worten eines Bochumer Zweitliga-Rookies, der er ein Jahr vor der WM in Brasilien noch war, schon groß Beachtung schenken? Bei denen eines Weltmeisters sieht das schon ganz anders aus. Das ist vielmehr ein logischer Prozess, als ein Abheben seitens Kramers.

Genau so schätzte er es auch in seinem Auftritt im ZDF Sportstudio ein und stellte fest: „Jetzt kann ich endlich den Mund aufmachen.“
Dieses Privileg nutzt er aber nicht aus, wie es vielleicht andere tun würden. Er nutzt seine Erfahrungen und Standing um auf dem Platz den Ton anzugeben. Dass er zusätzlich neben dem Platz noch mit markigen Aussagen, wie der des „modernen Menschenhandels“ oder der Ankündigung ein Buch über seine Erlebnisse bei der WM ohne Ghostwriter schreiben zu wollen auffällt, hat mit seinem Naturell als unkonventioneller Querdenker zu tun.
Aussagen, wie diese, polarisieren. Aber das nimmt er billigend in Kauf und es spricht für seinen Überblick, den er bereits im Fussballgeschäft.

Auf dem Platz hat ihm das alles enorm gut getan. Er ist trotz seiner erst 23 Jahre bereits echter Denker und Lenker im Mittelfeld der Gladbacher Borussia und besticht durch seine sehr unkonventionelle Art der Interpretation eines Sechsers. Eben passend zu seinem Charakter. Oft meint man, dass er selber nicht wisse, was er da tut. Aber auch wenn seine Bewegungen nicht so geschmeidig aussehen, wie die von diversen Mittelfeldkollegen, ist er mit seinem taktischen Verständnis und enormer Laufbereitschaft extrem wertvoll für sein Team. Man könnte ihn da am ehesten mit Thomas Müller vergleichen, wenngleich er eine andere Position spielt.
Das schätzt nicht nur Löw an ihm, sondern auch sein Verein und so machte Max Eberl unlängst klar den von Leverkusen nur ausgeliehenen Kramer für eine Summe an der Schmerzgrenze kaufen zu wollen. Eine ungewohnt offensive Führung eines Wechselpokers, die zeigt wie sehr man ihn halten will. Falls Leverkusen sich dabei quer stellen und auf eine Rückkehr pochen sollte, bleibt zu hoffen, dass Kramer es nicht einem Hakan Calhanoglu gleich tut und den Wechsel erzwingt. Die Menschenhandel-Aussagen lassen zwar eine Gegenwehr Kramers bei einem etwaigen Wechselstreit vermuten. Hier hätte er aber die Chance sich erneut als clevere Persönlichkeit hervorzutun und eben nicht den Weg eines Calhanoglu zu gehen, der seinen Wechsel auf schmutzige Art und Weise unvernünftig erzwungen hat.

Letztlich sollten wir froh sein, dass es Spieler wie Kramer gibt. Unter den vielen weichgespülten Kollegen ist er eine willkommene Abwechslung und vielleicht auch Ansporn für andere aus dem Schatten ihrer Berater zu treten.

 

Beitragsbild: Quelle

Ich will nicht nach Berlin?! – Die CL-Prognose

Die große Glitzerbühne der Champions League öffnet mal wieder ihren Vorhang. Das Flaggschiff des europäischen Fussballs wird uns wie immer auf eine mit neuen Schlachten und Geschichten gespickten Reise mitnehmen, die diesmal in Berlin ihr Ende finden wird. In Berlin können sie mal wieder Spitzenfussball zur Abwechslung vertragen, möchte man spöttisch anmerken. „Dit is wohl nicht verkehrt!“ dürfte selbst Frank Zander darauf erwidern. Nur nach Hause gehen wir schließlich nicht.
Doch wer darf am Ende die blaue Tartanbahn des Olympiastadions betreten? Wer will nach Berlin? Ein gewagter Ausblick:

Die üblichen Verdächtigen

Titelverteidiger Real Madrid geht mit nicht weniger, als dem Anspruch als erster Club in der Geschichte des Wettbewerbs den Titel zu verteidigen ins Rennen. Dafür hat man sich zwar mit Stars, wie James und Kroos spektakulär verstärkt, allerdings auch wichtige Stützen der vergangenen Decima-Saison gehen lassen. Nämlich di Maria und Xabi Alonso. Dass diese Personalrotation eventuell ein entscheidender Fehler gewesen sein kann, zeigt der äußerst holprige Saisonstart in La Liga.

Landesrivale Barcelona befindet sich noch mehr im Umbruch. Entscheidende Teile des fast unschlagbaren Barcas der großen Jahre mussten, teils leistungs- und teils altersbedingt, gehen. Xavi, Puyol, Valdes, Sanchez oder Fabregas sind alle Geschichte. Mit neuen Topstars will man wieder zu alter Stärke zurückfinden. Suarez, Rakitic, ter Stegen oder Vermaelen sollen zusammen mit einigen La-Masia-Emporkömmlingen das von Transfersperren gebeutelte Barca wieder in die Spur bringen. Wenngleich sich noch vieles finden muss.

Manchester City hat sich einmal mehr viel vorgenommen. Man möchte endlich zeigen, dass man die nationale Dominanz auch auf europäischer Bühne ausüben kann. Zwar ist der Erfolgskader weitestgehend zusammengeblieben und wurde an einigen Stellen sinnvoll ergänzt, doch dass City auch Champions League kann, müssen sie erst noch beweisen.

Die Blues vom Chelsea FC hingegen können Champions League mit Bravour. Nie zu den absoluten Topfavoriten gehörend zeigten sie in den letzten Jahren, dass sie die Gesetze dieses Pokals perfekt beherrschen und glichen dabei Ungereimtheiten im Kader und weniger individuelle Klasse mit Kampfgeist und Abgezocktheit aus. Mourinho konnte diesen Sommer sogar in Fabregas, Costa oder Courtois echte individuelle Stärke dazuholen. Jetzt müssen sie nur zeigen, dass sie diese auch nutzen können.

Juventus tritt mal wieder mit dem Selbstvertrauen eines Serien-Scudetto-Siegers an und will nach der Stunde Null, dem Zwangsabstieg vor acht Jahren, endlich auch auf internationaler Ebene an alte Erfolge anknüpfen.
Helfen kann dabei, dass der erfolgreiche Kader kaum verändert wurde. Mit Morata holte man ein Toptalent dazu, ansonsten tat sich wenig. Die alte Dame wirkte in der Königsklasse aber oft gehemmt und muss nun zeigen, dass die vielen nationalen Titel nicht ausschließlich an der schwächer gewordenen italienischen Liga liegen.

Guardiola will nun endlich auch mit den Bayern den Henkelpott holen. Nachdem man in der letzten Saison von Real im Halbfinale vorgeführt wurde, brennt man jetzt darauf wieder an die Dominanz der Triple-Saison anzuknüpfen. Und so investierte man auch: In Lewandowski und Alonso holte man echte Weltklasse dazu. Von diesen erhofft man sich die abgewanderten Mandzukic und Kroos nicht nur zu ersetzen, sondern das Spiel sogar noch zu verbessern. Anhaltendes Verletzungspech machte Verpflichtungen von weiteren Alternativen, wie Benatia und Bernat notwendig. Man wird also abwarten müssen, ob die Veränderungen endlich mehr Flexibilität in Guardiolas Fussball bringen oder ob man erneut in Schönheit stirbt.

Die zweite Reihe

Hinter den genannten ganz Großen in Europa lauert eine brandgefährliche „zweite Reihe“ aus Teams, die mit einer Sahnesaison ebenfalls Kandidaten für Berlin sein können. Atletico Madrid und der BVB haben in den vergangenen beiden Saisons bereits gezeigt, dass eine solche Überraschung möglich ist. Diese beiden sind unbedingt auch diesmal wieder zu nennen. Daneben gibt es mit dem unberechenbaren Arsenal, dem Offensivfeuerwerk aus Liverpool, dem aufgerüsteten PSG oder der wiedererstarkten Roma weitere Kandidaten für solch eine Sahnesaison. Damit das klappt, muss allerdings alles passen. Keine entscheidenden Verletzungen oder Sperren und ein Quäntchen Glück sind solche Faktoren.

Das breite Mittelfeld

Hier tummeln sich Vereine, für die zwar ein Titelgewinn utopisch ist, ein Run bis ins Viertelfinale aber bei optimalem Verlauf möglich erscheint. Leverkusen, Bilbao, Monaco und Schalke kommen zwar aus starken Ligen, die Klasse und Konstanz reicht aber für einen ganz großen Wurf unter die letzten vier nicht aus. Porto, Sporting, Donezk, Zenit, ZSKA, Galatasaray, Benfica, Olympiacos, Basel und Ajax sind in ihren heimischen Ligen zwar regelmäßige Titelgewinner, aber werden über die ganze Saison gesehen dort einfach zu wenig gefordert. Dadurch kann sich kein Rhythmus auf allerhöchstem europäischen Niveau einpendeln und man muss sich in der Königsklasse mit weniger begnügen.

Die Underdogs

Sie gehören genauso zu jeder Champions-League-Saison, wie die Schwergewichte. Ihnen wird bestenfalls ein dritter Platz in der Gruppenphase möglich sein, um in der zweiten Saisonhälfte dann als Absteiger in der Europa League weitermachen zu dürfen.
Nikosia, Baryssau, Maribor, Malmö, Ludogorets und Anderlecht kommen aus europäischen dritt- bis viertklassigen Ligen und kämpfen sechs Gruppenspiele lang ums Überleben.

Für Spannung ist damit also reichlich gesorgt. Bei den Schwergewichten tut sich kein Verein signifikant hervor. Alle haben mehr oder weniger große Probleme zwischen Umbrüchen und zu hohen Erwartungen. Bei der zweiten Reihe muss hingegen alles passen für das ganz große Ding. Letztendlich gilt aber:

Doch auch wenn andere Städte schöner sind – ich will nur nach Berlin!

Hakan Calhanoglu, The Expendable

Der Fussball heutzutage ist sicher nicht mehr der, der er vor vielleicht 20 Jahren noch war. Der Einfluss des Geldes hat dramatisch zugenommen. Diese Entwicklung kann man auf der einen Seite als Kompliment verstehen, denn nur in Märkte mit hohem Entwicklungspotenzial und dem entsprechendem Wiederverkaufswert wird derartig viel Geld investiert. Und der Fussball ist zweifelsohne so einer. Keine Sportart genießt weltweit mehr Aufmerksamkeit, keine Sportart generiert derartig hohe Werbewerte.

All das klingt nach einer großen Erfolgsstory. In Wirklichkeit aber wandelt der Fussball seit einigen Jahren auf einem schmalen Grat. Denn er spielt mit dem, was ihn erst zu dieser Marketingmaschienerie hat werden lassen: seine wahren Fans.
Sie lassen sich zweifelsohne als Herz und Seele des Fussballs beschreiben und machen ihn letztendlich aus. Und die sind, anders als die eventorientierten Semi-Fans, wenig interessiert an der Show um den Sport herum, die aber für die Veranstalter das meiste Geld generiert.

Eine weitere Auswirkung der Kommerzialisierung sind die immer höheren Summen, die der einzelne Spieler damit verdienen kann. Getrieben durch profitwütige Berater werden die Profis heute mehr und mehr zu schnellen Wechseln gedrängt. Diese Profitgier der drahtziehenden Personen bewirkt natürlich starke Veränderungen in den Köpfen der Spieler. Meistens sind es die jungen Spieler, die charakterlich noch nicht so gefestigt sind, dass sie dem Einfluss der Berater widerstehen können. So kommt es seit geraumer Zeit immer wieder dazu, dass junge, aufstrebende Talente bei der nächstbesten Gelegenheit den Verein verlassen um dorthin zu ziehen, wo das meiste Geld geboten wird. Schmackhaft gemacht durch Berater, die eine satte Provision wittern.
Konsequenz dieser Entwicklung sind fehlende Vereinsidentifikation und zunehmendes Söldnertum.

Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung stellt die Wechselposse um Hakan Calhanoglu dar. Und das ist nicht irgendein Beispiel, es ist die aktuelle Spitze, eine neue Dimension in der Entwicklung des Fussballs. Noch nie zuvor stellte ein Spieler sich in aller Öffentlichkeit derart profitorientiert und skrupellos dar. Er machte keinerlei Hehl daraus, dass ihn Identifikation mit dem HSV oder die Gefühle der Fans nicht interessieren. Er suchte in seiner Argumentation sogar den Weg nach vorne: Warf den HSV-Fans Verständnislosigkeit in Bezug darauf vor, dass ihm sich ja die vielleicht einmalige Gelegenheit bieten würde in Leverkusen Champions League zu spielen und sich bestmöglich für die türkische Nationalelf auf dem Weg zur EM 2016 zu empfehlen.
Scheinheilige Argumente auf der Suche nach moralischer Unterstützung um einen Wechsel nach Leverkusen zu erzwingen. Aber das war noch nicht genug. Als letzten Trumpf zog Calhanoglu die Streik-Karte aus dem Ärmel und verweigerte unter dem Vorwand einer angeblichen psychologischen Angststörung in Bezug auf den aufgebrachten Hamburger Mob das Training. Mit offizieller Krankschreibung, man möchte ja von allen Seiten abgesichert sein.
Schlussendlich gab der HSV dem Laientheater des Jungprofis nach und ließ ihn ziehen.

Wie Sylvester Stallone und seine Mannen im Film „The Expendables“ geht auch Calhanoglu, wie ein Söldner seinen Weg ohne Rücksicht auf Verluste dorthin, wo ihm aktuell das meiste Geld geboten wird. Natürlich verstößt die Grundidee des Söldnertums gegen keine Gesetze. Es sei denn man tötet dabei Menschen. Your choice, Stallone! Wenn man aber nur gegen Geld kickt, ist das gesetzlich unbedenklich.

Dennoch, die moralischen Vorstellungen eines leidenschaftlichen Fussballfans tritt es mit Füßen. Und der ist schließlich immernoch Herz und Seele des Fussballs. Typen, wie Calhanoglu sind in unserem Fussball mehr als entbehrlich!

 

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