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Bolz & Grätsch E009 – Viva la Relegación!

Arriba, andale & hasta la vista: Die Saison 16/17 verabschiedet sich endgültig in ihren wohlverdienten Ruhestand. Der Schlussakt der Saison stellte mal wieder die Pokalfinals und die Relegationen dar. Die beiden heißblütigen Pseudo-Südländer blicken vor allem auf die Auf- und Abstiegsrunden und haben mal ein kleines Pro-und-Contra zu dem Thema diskutiert. In feinstem Spanisch-Kauderwelsch, klar.

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Stammspieler kassiert Platzverweis

Klingt erstmal unspektakulär. Passiert bei internationalen Topspielern, wie Vidal oder Ramos schließlich auch ständig. Doch hierbei handelt es sich mal wieder um eine Geschichte, wie sie nur die gute alte Kreisliga schreiben kann.

Es ist etwa zwei Jahre her, als sich auf dem fein gemähten Grün des TuS Rodenbach, einem kleinen, naturbewussten Verein aus Neuwied, ein etwas hüftsteifer Neuzugang wiederfand. Genau genommen befand sich nach einer nie aufgeklärten Nacht-und-Nebel-Aktion ein Baum auf dem Spielfeld der Rodenbacher wieder. Fein säuberlich eingegraben, sogar mit allen Wurzeln. Der Platzwart war geradezu angetan. Blöd nur, dass er sich auch um die Ausgrabung des neuen „Stammspielers“ kümmern musste. Ob der von der Lokalpresse „Baum des Anstoßes“ getaufte Holzfuß an einem sichereren Ort weiterleben durfte, ist indes unklar.

Manch einer vermutete ja, dass die lokale Baumschule mit dem Sponsoring hier etwas zu weit gegangen sei.

Quelle: Rhein-Zeitung

Von der Kreisliga lernen, heißt siegen lernen

Die Bundesliga hat heute verkündet, dass der offizielle Spielball ab der Saison 2018/2019 nicht mehr von Adidas gestellt wird, sondern von Derbystar. Derbystar? Ja, richtig gehört. DER Kreisligaball schlechthin. Die Bälle der Marke Derbystar rollen zu Zehntausenden jeden Sonntag über die holprigen Ascheplätze und etwas weniger holprigen Kunstrasenplätze des Landes. Streng genommen rollen sie eher selten kontrolliert. Meist hoppeln sie, werden von unbeholfenen Füßen aus dem Sechzehner katapultiert oder finden sich nach einem Torabschluss in einem angrenzenden Teich wieder.

Das wird in der Bundesliga sicher etwas anders aussehen, dennoch kommt auf die hochbezahlten Filigranfüße eine echte Umstellung zu. Denn ein echter Derbystar ist kein Hightech-Leichtgewicht-Ball, der schon bei einem leichten Windhauch über das Tor fliegt. Nein! Der Derbystarball ist ein bodenständiges Arbeitermodell. Um mit diesem Ball einen satten Torschuss hinlegen zu können, muss man einiges investieren. Vor allem Kraft. Reichlich Kraft. Es soll schon Kreisligakicker gegeben haben, die sich beim Torschussversuch mit einem regennassen Derbystar den Mittelfuß gebrochen haben. Glatter Bruch, sechs Wochen Gips, der Ball hat nur gelacht. Marco Reus sollte sich gegebenenfalls die Sache mit einem Auslandswechsel nochmal überlegen, denn mit seinen zerbrechlichen Füßchen könnte das schwierig werden.

Auch das Defensivverhalten wird sich drastisch ändern. Bei der Wucht eines geschossenen Derbystarballs wird sich jeder Spieler zwei Mal überlegen, ob er sich in die Schussbahn wirft und versucht diesen zu blocken. Schließlich riskiert man ungern schwere Prellungen, wie nach einem Boxkampf. Der Verschleiß an Tornetzen, sowie Torgestängen an sich wird drastisch steigen. Das gewöhnliche Bundesligaaluminium ist einem solchen Ball schlichtweg nicht gewachsen. Wohingegen wir endlich mal erleben könnten, wie ein Spieler das Tornetz zerschießt. Ganz nach dem Vorbild der Zeichentrickserie Captain Tsubasa.

Auf der anderen Seite wird der Fussball in der Bundesliga aber auch wieder viel ehrlicher werden. Zweikämpfe, Schmerzfreiheit und Willenskraft gewinnen wieder an Bedeutung, während filigranes „Klein-„Klein“ eher zur kaum machbaren Kür wird. Mit dem Wechsel des Spielballherstellers kehrt die Liga zurück zu ihren Wurzeln. An die Basis aller Fussballkunst Deutschlands: Der Kreisliga. Schön.

Bolz & Grätsch E005 – Live#2 Das Rückspiel mit Jörg Seveneick

Nach einer grundsoliden Leistung im Hinspiel musste sich das launige Laber-Duo im Rückspiel erneut beweisen. Mit einer knappen Führung im Rücken wurde die Ruhrpottrivalität zwischen dem blauen und gelben Teil des Reviers ausgiebig ausdiskutiert. Dabei kam auch die gute alte Kreisliga nicht zu kurz, die in ihrer Einfachheit doch so manche Gemeinsamkeit mit der Beletage des Vereinsfussballs hat. Die Schalker Eurofighter hatten auch nochmal ihren Auftritt und Jörg Seveneick zitierte aus seinem bald erscheinenden Buch. Weltpremiere in unserem Podcast!

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Bolz & Grätsch E004 – Live#1 Das Hinspiel mit Martin Max

Das Yin und Yang der deutschen Fussballpodcastszene hat es endlich aus dem muffigen Aufnahmeraum herausgeschafft und darf sein Unwesen auf der Bühne treiben. Den freien Platz zwischen den beiden Kreisligaveteranen hat Vollzeittorjäger und WM2002-Fahrer der Herzen Martin Max eingenommen. Es entstand ein buntes Potpourri aus Ascheplatzstories, Eurofighteranekdoten und dem Hobby von Yves Eigenrauch.

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Das erste DIAGO-Buch: How To Survive Kreisliga

„Was lange währt, kommt endlich raus“ besagt ja schon ein altes Autorensprichwort. Vor einiger Zeit haben wir euch ja angekündigt, dass wir parallel zu unseren Blogaktivitäten an einem Buchprojekt arbeiten. Dieses Projekt haben wir mit unserem Verlag Schwarzkopf&Schwarzkopf nun endlich abgeschlossen und freuen uns, dass wir unserer treuen DIAGO-Anhängerschaft das Ergebnis präsentieren können.

Eine unserer erfolgreichsten Blog-Serien war zweifelsohne „An jedem verdammten Sonntag“ (lange bevor Ran ihre NFL-Übertragungen so genannt haben), in der wir in vielen ironischen, aber stets so erlebten, Stories und Typisierungen die Kreisliga versucht haben näher zu bringen. Daher haben wir uns diesem Thema noch intensiver gewidmet und einen ganzen Ratgeber darüber geschrieben, der ein absolutes Muss für alle Amateurkicker und solche, die welche werden wollen, ist. Dabei sind unsere gesammelten Anekdoten eingeflossen und haben ein buntes Potpurri an Kreisligageschichten ergeben. Allesamt haben wir entweder so erlebt oder sie wurden uns glaubhaft vermittelt. Kreisligaehrenwort! Und das zählt mehr, als jeder Schwur.

Daher würden wir euch empfehlen, dass ihr euch dieses Werk aus der Feder zweier Autoren am Anfang ihrer Schreibkarrieren zulegt. Ihr werdet darin vielleicht nicht den Sinn des Lebens finden, dafür aber herzhaft lachen. Und das ist doch auch was.

HIER kommt ihr zu einer Vorschau des Buches samt Inhaltsangabe.

… und wenn ihr es direkt erwerben wollt, dann klickt einfach folgendes Bild an und ihr seid auf einer bekannten Shoppingseite:

unbenannt

Gefährdet die Bundesliga den Amateurfussball, Herr Watzke?

Der große Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten.

„Der wahre Fussball wird doch in der Kreisliga gespielt!“
„Die großen Manager in der Bundesliga haben doch keine Ahnung von der Basis!“
„Guckt euch mal ein Derby in der Kreisliga an, das sind wahre Emotionen!“
„Da opfern Leute ihre Freizeit und ihr Geld, während in der Bundesliga ohne Herz und nur für dicke Schecks gespielt wird!“

Doch was war passiert?

BVB-Macher Hans-Joachim Watzke hatte für die Montagsausgabe des Kicker ein Interview gegeben. Thema waren unter anderem die Anstoßzeiten der Bundesliga, im Speziellen der Sonntag als Spieltag.
Der genaue Wortlaut war so:

Watzke wurde also konkret darauf angesprochen, ob eine mögliche neue Anstoßzeit um 13:30 sonntags nicht den Tod des Amateurfussballs bedeuten würde, da niemand um drei Uhr selbst auf dem Platz stehen kann, wenn er um halb zwei ein Bundesligaspiel guckt. Watzke, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender eines Landesligisten (Rot-Weiß Erlinghausen), ist der Meinung, dass nicht der Bundesligaspieltag am Sonntag der Grund für verschwindend geringen Zuschauerzahlen sind, sondern ganz andere Probleme im Vordergrund stehen. Der Amateurfussball sei „nicht sexy genug“. Ihm würde „der Event-Charakter fehlen“, der für eine höhere Resonanz heutzutage zwingend notwendig sei. Die gesellschaftliche Veränderung des Freizeitverhaltens ist laut Watzke der Übeltäter.

Harte Aussagen, die erwartungsgemäß einen Sturm der Entrüstung aus dem Lager aller Amateurkicker provoziert haben. Wenn man selber als Spieler in den niedrigsten Ligen des Landes unterwegs ist und sonntags selber auf dem Platz steht, dann macht man das selbstverständlich nur, weil man mit vollem Herzen das Spiel liebt. Zuschauerzahlen oder gar Monetäres sind maximal Nebenaspekte. Wenn überhaupt. Die Emotionen stehen also im Vordergrund. Daher fühlen sich viele Kreisligaspieler auch in der Ehre verletzt, wenn sie lesen müssen, dass jemand aus dem so weit entfernten Hochglanz-Business Bundesliga über die Amateurligen urteilen will. Der plakative Ausdruck „nicht sexy genug“ ist dann quasi der Tropfen, der das emotionale Fass zum Überlaufen bringt. Denn für eingefleischte, leidenschaftliche Aktive gibt es eben nichts, was so „sexy“ ist, wie sich sonntags 90 Minuten lang Schürfwunden zuzuziehen und um jeden Zentimeter Boden zu kämpfen als gäbe es kein Morgen mehr. Eine absolut ehrenwerte Einstellung, jedoch lässt sich diese nicht auf die gesamte Gesellschaft umlegen oder gar strukturelle Probleme beheben.

Die Zuschauerzahlen in den vielen Amateurklassen des Fussballs sind durchweg verschwindend gering. Das ist ein Fakt, den man jeden Sonntags auf ein Neues beobachten kann. Neben den paar hartgesottenen Vereinsurgesteinen, die seit Jahrzehnten an der Bande stehen und den Angehörigen der Spieler sieht man in den untersten Ligen normalerweise wenig bis gar keine weiteren Gesichter am Spielfeldrand.
Offizielle Statistiken dazu gibt es selbstverständlich nicht. Diese Tendenzen beruhen auf Erfahrungen und Beobachtungen von Aktiven.

Wo liegen also die wahren Gründe für wenig Zuschauerinteresse am Amateurkick?
Die Sonntagsspiele der Bundesliga hier als Grund aufzuführen ist zu einfach. Der ein oder andere ist natürlich sonntags mal im Stadion, um seinen Verein in der Bundesliga zu sehen oder sieht das Spiel bei Sky. Allerdings spielt ein Bundesligaverein über die Saison gesehen nur eine überschaubare Anzahl an Sonntagsspielen. Ansonsten hat der Amateurfussball an sich keine Veränderung durchgemacht. Die Stadionwurst schmeckt noch immer gleich und das fussballerische Niveau ist noch immer mies. Daran kann es also nicht liegen.
Die von Watzke genannten Gründe kommen der Sache schon wesentlich näher. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert. Es scheint so zu sein, dass „eventorientierte“ Aktivitäten wesentlich attraktiver sind, als eher bodenständige Alternativen, wie dem holprigen Kick um die Ecke. Man liegt sonntags lieber auf der Couch und vertreibt sich die Zeit mit Hochglanz-Entertainment auf TV, Tablet, Smartphone oder PC, anstatt einem Kumpel beim Kicken zuzusehen. Andernfalls betätigt man sich lieber selber sportlich, anstatt anderen auf niedrigem Niveau dabei zuzusehen.
Die Amateurfussball-Szene ist sehr speziell und in sich verschworen, daher kommen Worte, wie die von Watzke oftmals in den falschen Hals und werden irrational wahrgenommen.

Auch wenn Watzkes Meinung etwas unsensibel dem Amateurfussball gegenüber ausgedrückt ist, im Kern liegt er richtig. Wenn die Bundesliga demnächst sonntags um halb zwei spielt, wird das, wenn überhaupt, nur verschwindend geringe Auswirkungen auf die Kreisligen haben. Der ein oder andere Aktive wird mal ein oder zwei Sonntage stadionbedingt, wenn sein Club spielt, pro Saison verpassen, okay. Aber das ist ein Maß an Einschränkung, was nicht auffallen wird. Etwas mehr Einschränkung könnte es in den Ligen über den Kreisligen geben. Dort sind die Zuschauerzahlen dann doch im Verhältnis etwas höher. Hier kalkuliert man als Verein schließlich auch mit ein paar Euro Eintritt, einer Wurst und zwei Bier im Verkauf. Hier könnten kleinere Einbußen spürbar sein. In welchem Maß letztendlich dann auch immer.

Nichtsdestotrotz sollten auch Führungspersönlichkeiten aus dem Hochglanzgeschäft Bundesliga die Sorgen und Ängst aus dem Amateurbereich ernst nehmen und diese mit dem nötigen Respekt behandeln. Dies ist Watzke aufgrund der Wortwahl nicht ganz gelungen.