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Good old Bundesliga #03 – Die Kunst des Verlierens

Zweite Bälle im Fussball sind wichtig. Das lernt man schon früh in der fussballerischen Ausbildung und wird einem unabhängig von der Höhe der Spielklasse konstant ins stille Unterbewusstsein gehämmert. Auch wenn man in den ganz unteren Ligen, ein paar Zentimeter von der kompletten sportlichen Bedeutungslosigkeit entfernt, nicht sicher sein kann, ob der Trainer wirklich das Erobern von abgewehrten Bällen meint, wenn er “ZWEITER BALL!!!” schreit, oder gerade nur mal wieder der Spielball über den Fangzaun auf die nahe gelegene Kuhweide geflogen ist.

Doch auch am anderen Ende der Fussballnahrungskette in Deutschland können zweite Bälle entscheidend sein. Der Rekordmeister musste im Spiel gegen sein eigenes Fussballkryptonit aus Sinsheim (2 Niederlagen und ein Remis in den letzten 3 Spielen) lernen, dass ein zweiter Ball auf dem Spielfeld nicht zwangsläufig dazu führt, dass alles stehen und liegen gelassen werden muss. Mats Hummels machte danach erstmal das, was man heutzutage halt macht, wenn man etwas nicht weiß: Im Internet um Hilfe fragen. Und bekam auf Twitter auch fundierte Antworten. Gut, dass er sich für Twitter entschied. In den Kommentarspalten bei Facebook hätten die Antworten wohl zwischen “DFB und Freimaurer stecken doch unter einer Decke”, “Merkel muss weg” und “Zu was ist der Videoschiedsrichter eigentlich zu gebrauchen?” geschwankt.

Am Ende stand aber die erste Saisonniederlage des FC Bayern und standesgemäß wurde danach alles zwischen Himmel und Hölle in Frage gestellt. Ist Ancelotti noch der richtige Trainer? Hätte man auf dem Transfermarkt nicht mehr Geld in die Hand nehmen müssen? Hätte Bayern nicht längst ein unabhängiges Land sein sollen? Und wer zur Hölle holt unseren armen Müller Thomas da endlich raus? Schließlich ist Thomas Müller ein Allgemeingut, auf das der hart arbeitende deutsche Fussballfan ein verdammtes Recht hat. Basta!

Verloren hat am Wochenende auch Eurosport. Und zwar zum zweiten Mal in Folge. Erneut war die Übertragung des Freitagsspiels über den hauseigenen Player eine wackeligere Angelegenheit, als die Grundsätze des Financial Fairplay. Zum Teil verbrachten die Zuschauer mehr Zeit damit aus den Pixelabfolgen Gemälde zu deuten, als mit dem Spiel selbst. Ein Lösungsansatz für den gebeutelten Sender könnte der Kauf der Insolvenzmasse von StudiVZ sein. Die angestaubten Server warten nur darauf reaktiviert zu werden. Für den HSV war der stete Bildausfall aber halb so wild, denn der verlor klar gegen Aluminiumfreunde aus Leipzig. Die nächste Niederlage für den Club, der Enttäuschungen gewohnt ist, folgte dann, als der vom Hof gejagte Pierre-Michel Lasogga beim Debüt für Leeds United direkt zwei Mal traf und eine Vorlage gab. Kaum hängen die Luschen nicht mehr in Hamburg fest, bringen sie wieder Leistung. Dieses Phänomen ist jedoch bereits dabei erforscht zu werden und läuft unter dem Arbeitstitel „Post-Schalke-Expansion“. Beispiele gab es an diesem Spieltag einige, denn mit Sané, Choupo-Moting und Huntelaar trafen direkt drei Ex-Knappen doppelt für ihre neuen Vereine.

Eine Niederlage gab es für den BVB zwar nicht, doch das 0:0 mit überwiegender Überzahl fühlte sich zweifelsohne wie eine an. Nachdem der Freiburger Ravet Schmelzer mit einem üblen Tritt ins Krankenhaus eingewiesen hatte, durfte er frühzeitig den Duschkopf von unten betrachten. Vorausgegangen war der Segen der Technik, die die Brutalität der Aktion entlarvte und aus der gelben eine rote Karte machte. Dass die korrigierte Entscheidung unstrittig ist, konnte man eigentlich kaum bezweifeln. Doch der Breisgauer Weltverbesserer Christian Streich war kaum zu beruhigen und klatschte immer wieder höhnisch Richtung BVB-Bank und Schiedsrichtergespann. Es bestand die berechtigte Befürchtung, dass er auf der Pressekonferenz nach dem Spiel das Foul in einem halbstündigen Monolog ins Verhältnis zur weltpolitischen Lage setzen würde. Tat er dann aber nicht. Gut so.

Die Kunst des Verlierens ist eine schwer zu erlernende Tugend. Nur die Wenigsten behalten auch im Moment der Niederlage einen kühlen Kopf, ordnen das Geschehene richtig ein und können dem siegreichen Gegner aufrichtig gratulieren. Spannender ist es aber natürlich, wenn diese Kunst nicht beherrscht wird. Wir brauchen wieder mehr Ausraster, Verweigerungen und Gefühlsausbrüche. Politische Talkshows machen es vor: Einfach mal das Studio verlassen, wenn man sich ungerecht behandelt fühlt. Deshalb kann man sich nur wünschen, dass Jörg Schmadtke demnächst im Kempinski-Hotel einfach mal die Drehtür nach draußen nimmt, wenn er beim Doppelpass gefragt wird, ob die Saison nach drei Spieltagen für den FC gelaufen ist. Mittelfinger und Rücklichter zeigen, statt runterschlucken und glatt bügeln. Authentisch sein und sich verweigern. Es wäre eine Wohltat im konstant gleichgeschalteten Fussballgeschäft, das vor der Kamera keine Überraschungen sehen will. Wir brauchen Unterhalter!

In diesem Sinne,

sportliche Woche!

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Bolz & Grätsch E008 – DGBGSAG

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DIAGO investigativ: Hummels und der Kaffee

Neben dem ganz lustigen Kram, den wir hier bei DIAGO regelmäßig posten, sind wir natürlich auch knallhart und investigativ recherchierende Onlinedetektive mit blitzartigen Scrollfingern und einem Adlerauge für „Auffälliges“ in der Social-Media-Welt. So ist uns in den letzten Tagen natürlich nicht entgangen, dass Mats Hummels mal wieder mit einem Kaffee hantiert hat. Die Vorgeschichte war diese, auf Video festgehaltene und von Thomas Müller verlachte, Kaffeekatastrophe:

Der erneute Kontakt mit dem Bohnengesöff wurde auf Instagram festgehalten. Wir gewieften Netzermittler haben natürlich direkt einen Screenshot gemacht und Mats bei Twitter zur Rede gestellt:

Wieder hält er einen brandgefährlichen Becher in der Hand und wir konnten seine Finger durch den Bildschirm zittern hören. Wir haben das Teil sich schon wieder über seine Hose ergießen sehen. Doch Mats konnte uns beruhigen:

Hm, also kein Kaffee drin. Warum hält man dann einen leeren Becher in der Hand? Tee scheint keine Alternative zu sein. Oder ist das mal wieder ein Fussballermodetrend, den wir demnächst bei Fussballer, die den Swag aufdrehen bewundern können? Fake-Kaffeebecher-Bilder als Accessoire zum Posen, nach dem Motto: „Seht her, ich bin cool und trinke Kaffee aus To-Go-Bechern“? Ist das mittlerweile ein „Ding“? Der Vorteil wäre, dass man mit leeren Bechern nicht Gefahr läuft sich zu bekleckern. Auch wieder clever.

Der Hilferuf des Körpers

Mats Hummels und Julian Draxler sind sicherlich die aktuellsten Beispiele dafür, dass etwas im Profifußball nicht stimmt. Hier beziehe ich mich erstmal nur auf Julian Draxler aufgrund der Tatsache, dass er sich ohne Einwirkung des Gegners verletzt hat.

Seit der Weltmeisterschaft im Sommer hören wir von allen Vereinen Klagen, dass die Belastung für die einzelnen Profis zu hoch ist. Als Gegenargument wird von den Nostalgikern proklamiert, dass es immer viele Spiele gab und dass man es früher auch geschafft habe.

Ich beschäftige mich daher in diesem Blog mit der Frage:
Woher kommen die großen Verletzungssorgen der Bundesligisten?

  • Allgemeine These 1: Anzahl der Spiele

Da die Anzahl der Spiele im Vergleich zu früher kaum gestiegen ist, ist dieses Argument zu vernachlässigen.

  • Allgemeine These 2: Ernährung und Lebensweise

Ernährung und Lebensweise eines Fußballprofis sollten tatsächlich auf das Training abgestimmt sein. Jeder Profi sollte sensibilisiert sein darauf, dass die Nahrung nichts anderes ist, als der Treibstoff für den Körper. Ich kann von einem Formel 1 Boliden nicht erwarten, dass er die volle Leistung bringt, wenn ich ihn mit Super E10 tanke.

Im Endeffekt spielt das eher eine zusätzliche, aber untergeordnete Rolle.

Meine Antwort auf die Frage ist im ersten Moment simpel, der Hintergrund aber komplex:

Der Fußballprofi ist einfach ein Mensch.

Der menschliche Körper hat Grenzen in seiner Leistungsfähigkeit. Ein Mario Basler war früher Topspieler mit Laufleistungen im 3-5-Kilometer-Bereich und einer Auswechslung nach 75 Minuten. Heutige Bundesligaprofis laufen grundsätzlich ihre 8-12 Kilometer pro Spiel. Zudem ist das Spiel an sich schneller und variabler geworden. Die kurzen Antritte und häufigen Tempo- und Richtungswechsel stellen für den Körper physiologisch eine enorme Belastung dar. Bänder, Muskeln, Sehnen und Gelenke erfahren eine viel größere Belastung im Bereich der Schnellkraft, Kraftausdauer und Koordination, d.h. der Körper muss mehrfach im Spiel kurzzeitig präzise viel Kraft auf einmal freisetzen (Schnellkraft), gleichzeitig aber auch über lange Zeiträume hohe Laufleistung abrufen (Kraftausdauer). Mit Koordination ist dabei nicht die Fähigkeit gemeint, nicht über beide Beine zu stolpern, sondern dass die Muskeln trainiert sind, angepasst an die Bewegung zu funktionieren. Es erfordert Disziplin und professionelle Betreuung, einen Körper überhaupt auf so ein Level zu bewegen. Da sehe ich im Profifußball nicht das Problem. Eher die mangelnde Möglichkeit der Regeneration.

Der Körper ist keine Maschine, die man 24/7 laufen lassen kann und wenn man regelmäßig Treibstoff nachfüllt und das Öl austauscht, läuft es. Wenn Regenerationsphasen nicht ermöglicht werden, körperlicher und psychischer Art, dann wird der Körper zermürbt.

Ein 21-jähriger Bundesligaspieler, der nach elf Sekunden einen Muskelbündelriss mit Teilsehnenabriss erleidet, das ist kein „Pech“ und er hat auch keine „falsche Bewegung“ gemacht. Das ist die Konsequenz aus zuviel Belastung bzw. zu wenig Regeneration. Ob der Fehler jetzt bei Julian Draxlers Ehrgeiz, der medizinischen Abteilung von Schalke 04 oder der des DFB liegt, lässt sich als Außenstehender kaum sagen.

Physiologischer Fakt ist: Solch schwere Verletzungen, wie Muskelbündelrisse, Kreuzbandrisse, Innenband- und Meniskusrisse können bei gesunden trainierten Menschen nicht durch falsches Auftreten passieren.

Und die Tendenz geht eher in die Richtung „Höher, weiter, schneller“. Mit 16/17 Jahren ist der Körper nicht einmal ausgewachsen. Solche Belastungen führen zwangsläufig zum Aufbrauchen der Ressourcen, wenn man nicht verantwortungsvoll damit umgeht.

Wer glaubt, dass Profis drei Spiele in der Woche aushalten müssen, weil sie genug Geld dafür bekommen, der vergisst, dass Geld leider nicht zur Stabilität und Erholung des Körpers dienen kann.

Der Körper schreit nach Hilfe, eine Antwort wird nicht vom Kontostand kommen.

Ich wünsche Julian Draxler und allen Fußballprofis, die momentan verletzt sind gute Besserung und schnelle Genesung. Nehmt euch die Zeit. Die Vereine sind in der Pflicht und in der Verantwortung, dies zu gewährleisten und zu unterstützen.