Schlagwort-Archive: em

Bolz & Grätsch E010 – Die 90er: What is Bolz? Baby don’t Grätsch me!

Mit neonfarbenen Knicktlichtern am Arm und fetten Plateau-Buffalos an den Füßen, geht es für die beiden DJ-Bobo-Fanboys auf eine Zeitreise in das schrillste und bunteste Jahrzehnt des Fussballs: Die 90er! Es wird über die gute alte Zeit gequatscht, in der Max & Micha als Kinder ihre Liebe zum Gekicke entdeckten und bis heute nie verloren. Die vielen eigenen Anekdoten umarmen den geneigten Hörer mit dem wohligen Gefühl der Nostalgie und erwärmen sein Herz, wie eine dicke Helly-Hansen-Daunenjacke. Rave on!

Für mehr von unserem Podcastprojekt, schaut doch mal auf ww.bolzgraetsch.de vorbei!

Olmütz – Das jüngste Gericht

Mit nicht weniger als dem Ziel das Turnier zu gewinnen ist die U21-Truppe von Horst Hrubesch in Tschechien angetreten. Mit leeren Händen und reichlich offenen Fragen kommen sie nun wieder nach Hause. „Wie konnte das passieren?“ ist die Brennendste. In jedem Fall aber haben die Spieler nicht das abgeliefert, was sie selber erwartet haben und dafür müssen Erklärungen her.

Der Kader brachte eigentlich alles mit, was man als Titelfavorit in einem U-Turnier braucht. Nämlich Spieler mit reichlich Profierfahrung. Und davon standen Hrubesch mehr als genug zur Verfügung. 15 Spieler aus dem Kader waren in der abgelaufenen Saison Stammspieler in Erstligaclubs, 6 davon sogar mit Europapokalerfahrung. Hinzu kommt mit Ginter sogar ein waschechter Weltmeister. Nach Transfermarkt.de kommt der Kader auf einen addierten fiktiven Marktwert von 164,50 Millionen Euro. Nur mal zum Vergleich: Damit liegt der Kader nur knapp unter dem Wert von Bayer Leverkusen (172,60 Mio.) und gleichzeitig auf Rang 6 des Marktwertrankings der Bundesliga. Man kann also fast schon von einem Kader auf durchschnittlichem Champions-League-Niveau sprechen.

Die Erwartungen waren unter diesen Vorzeichen also zurecht hoch und der Titel war ein folgerichtiges Ziel. Doch hohe Marktwerte und viel Erfahrung reichen allein nicht für einen Titel. Die Mannschaft startete mit einem durchschnittlichen 1:1 gegen Serbien ins Turnier. Hier offenbarte man vor allem große Abstimmungsprobleme in der Defensive und hätte nach dem 1:0 der Serben auch noch höher hinten liegen können. Emre Can konnte dann mit einer Einzelleistung zumindest das Remis retten. Das zweite Gruppenspiel gegen Dänemark war das einzig überzeugende bei dieser EM. Hier stimmte der Mix aus individueller Klasse und Mannschaftsgefüge und so wurden die Dänen klipp und klar mit 3:0 abgefertigt. Dieses Spiel zeigte, was möglich ist, wenn die geballte individuelle Klasse eben auch an einem Strang zieht. Bereits im darauffolgenden, abschließenden Gruppenspiel gegen den Gastgeber Tschechien war es aber wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Fahrig und unkonzentriert wirkte man gegen die mutig aufspielenden Tschechen. Dass es noch zu einem 1:1 reichte, war am Ende eher dem Glück zuzuschreiben, als dem Können. Das Halbfinal-Desaster gegen Portugal war dann quasi die Folge einer holprigen Gruppenphase. Die zugegebenermaßen starke Truppe der Portugiesen offenbarte alle Schwächen in größtmöglicher Brutalität und fertigte das DFB-Team schamlos mit 0:5 ab.

Das Hauptproblem lag vor allem darin, dass keine klare Struktur in der Mannschaft erkennbar war. Kapitän Kevin Volland zeigte sich vor allem in Interviews durchaus eloquent und der Rolle gewachsen. Auf dem Platz jedoch schaffte er es nicht seine Kameraden einheitlich mitzuziehen. Sein eigener Einsatz stimmte zumindest. Emre Can war bereits in anderen U-Teams des DFB Kapitän und kennt die Führungsrolle. Doch er konzentrierte sich hauptsächlich auf sein eigenes Ego, hielt sich nach eigener Aussage „für den Größten“. Zumindest gestand er sich dies nach dem Turnier ein und wolle „nun erstmal wieder auf den Boden kommen“. Indiz für diese unsägliche Arroganz ist diese Szene:

Can beleidigt hier offenbar auf Türkisch wild um sich. Von außen brüllt jemand von der Bank: „Halt’s Maul, Emre“. Ist in der Berichterstattung untergegangen, zeigt aber gut, dass Can vom Kopf her noch nicht so weit ist Führungsrollen zu übernehmen. Undiszipliniert ist es obendrein.
Der Schalker Max Meyer erwischte das ganze Turnier über nicht einen guten Tag und bleib meilenweit hinter seinen riesigen Möglichkeiten. Moritz Leitner merkte man die Verunsicherung nach der verkorksten Saison und zwischenzeitlicher Degradierung in die Reserve an. War er in vielen Quali-Spielen noch ein wichtiger und geschätzter Faktor von Hrubesch, gelang ihm in Tschechien überhaupt nichts. Folgerichtig verlor er im Laufe des Turniers seinen Platz an Joshua Kimmich, der sich sehr bemüht zeigte. Der auserkorene Abwehrchef und Weltmeister Matthias Ginter brachte zumindest weitestgehend solide Leistungen. In den entscheidenden Problem fehlte ihm aber auch die Abstimmung mit seinen Nebenleuten. Eine sichere Bank sieht anders aus. Die ärmste Sau dürfte wohl Champions-League-Sieger Marc-André ter Stegen gewesen sein. Er hielt die Haltbaren und wurde beim Großteil der Gegentore einfach im Stich gelassen.

Die Probleme waren also zahlreich von Offensive bis Defensive. Viele waren mehr mit sich selbst beschäftigt, als mit der Mannschaft. Ob das nun ein Produkt der vielen Loblieder und hohen Erwartungen im Vorfeld ist, scheint möglich. Ein generelles Einstellungsproblem kann man nach einem Turnier sicherlich niemandem unterstellen. So sollte man das Turnier als Verurteilung auf Bewährung betrachten. Denn alle, die später einmal im A-Kader der Nationalelf auftauchen wollen, werden mit dieser Einstellung nicht weit kommen.

Nationalspieler – Ehre oder Belastung?

Die jüngsten Vorfälle um die scheinheiligen Absagen und der angeblich gefälschten Röntgenbilder der beiden türkischen Nationalspieler von Bayer Leverkusen, Calhanoglu und Toprak, nähren mal wieder die Diskussionen um Sinn und Unsinn von Länderspielen. Auch wenn die Absagen der beiden mit der Waffen-Affäre um Teamkollege Töre natürlich einen noch weitreichenderen Hintergrund haben, gibt es auch beim DFB genügend weitere Beispiele. Denn auch deutsche Nationalspieler standen schon mehrmals im Verdacht unwichtigere Länderspiele mit vorgeschobenen kleineren Blessuren abgesagt zu haben. Sei es aus Unlust, Reisestrapazen oder um dem Verein in wichtigen Phasen frisch zur Verfügung zu stehen.

Wenn man allgemein in die Fanbasis hineinfragen würde, ob es eine Ehre oder eine Belastung ist Nationalspieler zu sein, dann wäre die Meinung glasklar: Man sollte dankbar sein den Adler auf der Brust zu tragen, Demut vor dem Ganzen zeigen, stolz sein für das eigene Land auflaufen zu dürfen. Dann werden alte Anekdoten hervorgekramt, die vor Pathos nur so strotzen und meistens mit Gras fressen und bedingungslosem Kampf bis zur kompletten Erschöpfung zu tun haben. Die alten Recken von ’54, ’74 und ’90 haben sich ja schließlich auch auf dem Platz für uns zerrissen. Alles richtig und vom Fanherzen her absolut nachvollziehbar. Doch die emotionale, patriotische Seite ist nur die halbe Wahrheit.

Keiner der aktuellen Nationalspieler ist nicht mit stolz erfüllt, wenn er für den DFB bei einem Länderspiel auflaufen darf, das steht außer Frage. Das Problem, welches die Nationalspieler haben, liegt vielmehr im Bereich des Umfangs der Länderspiele. In den letzten Jahren ist der Kalender der einzelnen Verbände immer umfangreicher geworden. Jede Lücke wird quasi mit mehr und mehr Spielen gestopft. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Der Fussball und insbesondere die Nationalmannschaften vermarkten sich hervorragend und werfen viel Profit ab. Mehr Spiele bedeutet mehr Geld, einfache Rechnung aus Sicht der Funktionäre. Hier liegt dann auch der Unterschied zu vergangenen Generationen von Nationalspielern. Ein Länderspiel hatte früher mehr Wert, da heutzutage eine Inflation an Spielen herrscht.

Dass eine Qualifikation für das jeweils nächste Turnier stattfinden muss, ist unumgänglich. Den Umfang allerdings kann man anders gestalten. Schon länger bestehen Ideen für eine Vor-Qualifikation, bei der die kleineren Nationen zunächst mal unter sich sind. Thomas Müller äußerte sich nach dem Gibraltar-Spiel ähnlich und hinterfragte den Sinn solcher Spiele. Möchte man den Qualifikationsmodus nicht verändern, müsste die Anzahl der Freundschaftsspiele verringert werden. Denn diese sind für Testzwecke selten zu gebrauchen, da die Ernsthaftigkeit eines Pflichtspiels nicht simulierbar ist, egal wie sehr ein Trainer das auch kommuniziert. Lediglich die unmittelbare Vorbereitungsphase zwischen dem Ende der Vereinssaison und dem Beginn eines Turniers ist auch unter Testbedingungen wichtig.

Den Spielern fällt es also schwer die eigentliche Ehre, die ein Länderspiel beinhaltet, wahrzunehmen, wenn sie zusätzlich zu der ohnehin schon großen Belastung durch die Vereinsspiele noch Testspiele ohne Wert oder Qualispiele gegen Gegner mit nicht vergleichbarem Niveau auf Nationalelfebene absolvieren müssen. Anstatt die Spieler für ihre Einstellung zu kritisieren würde man es ihnen demnach wesentlich einfacher machen ihre Nationalmannschaftseinsätze zu schätzen, wenn man den Kalender endlich wieder verschlankt. Kein Nationalspieler hilft seinem Land weiter, wenn er durch die fehlende Regeneration nicht fit ist. Denn Ehre allein hilft dem Körper eines Profisportlers nicht der Belastung standzuhalten.