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No risk, no (Tay)fun

Borussia Dortmund musste nach der Absage von Toplösung Lucien Favre auf der Trainerposition etwas improvisieren. Und so zauberte mal letztendlich Peter Bosz von Ajax Amsterdam aus dem Hut, der zwar kürzlich eine junge Ajax-Truppe bis in das EL-Finale führte, aber darüberhinaus keine nennenswerte Reputation als Trainer hat. Vielversprechende Ansätze sind da, aber eben keine Sicherheit, dass er prompt in das Gefüge eines europäischen Topclubs, wie dem BVB, passt. Ein Restrisiko bleibt.

Doch wenn man in Dortmund schon von Restrisiko bei der Verpflichtung von Bosz spricht, was soll Bayer Leverkusen dann sagen, die offenbar ernsthaft in Erwägung ziehen Bestenfalls-Mittelmaß-Coach Tayfun Korkut weiterzuverpflichten?

Wahrscheinlich lief es etwa so ab:

Der Sport1 Fantalk vom 9. Mai 2017 – Retalked

 

Es war sicherlich ein kurioser und zeitweise schräger Sport1 Fantalk am 9. Mai 2017. Das Spiel Juventus Turin gegen AS Monaco war fast schon nebensächlich aufgrund des deutlichen 0:2-Auswärtssieges von Turin in Monaco. Daher standen einige andere Themen auf der Tagesordnung. Zum Beweis, dass es „schräg“ war reicht dieses Video, oder?

Eben.

Ich greife heute noch einmal die wichtigsten Themen auf und gebe meinen Senf dazu!

Der BVB in der Krise?

Die Aussagen von Joachim „Aki“ Watzke in einem Zeitungsinterview befeuern aktuell die Gerüchte über ein Zerwürfnis zwischen ihm und seinem Trainer Thomas Tuchel. Zwei Spieltage vor Schluss und mit einem Pokalfinale vor der Brust ein denkbar ungeschickter Zeitpunkt, um Unruhe in die Mannschaft zu bringen. Was können die Gründe sein? Als seriöser Fußballblog beteiligen wir uns selbstverständlich sehr gerne an jeglicher Art der Spekulation. Es ist durchaus denkbar, dass Tuchel im Laufe des Jahres oder kurzfristig ein Angebot von einem anderen Verein erhalten hat (FC Barcelona, Bayern München, FC Arsenal?) und damit nun an die Geschäftsführung herangetreten ist, mit der Bitte um Vertragsauflösung. Dass das Verhältnis der beiden schon Risse hat, wurde immer wieder gemunkelt. Wenn er die Vereinsführung vor vollendete Tatsachen gestellt hat, könnte das einen emotionalen Ausbruch von Aki erklären.

Außerdem stehen auch die Trainings- und Umgangsmethoden von Tuchel und seinem Team in der Kritik. Dort sollen junge Spieler nicht respektvoll behandelt werden oder zwischenzeitlich demütigende Übungen durchführen. Ein Zerwürfnis zwischen Mannschaft und Trainer ist naturgemäß ein Grund, über einen Trainerwechsel nachzudenken.

Die dritte Variante: Watzkes Aussage wird medial überinterpretiert und auch Tuchels ablehnende und sparsame Reaktion zu diesem Thema bedeuten keinen Bruch in der rissigen Beziehung, sondern einfach, dass er nicht darüber reden möchte, weil er sich auf die letzten Spiele konzentriert.

Es bleibt spannend und wird sicherlich noch weiter diskutiert und vor allem spekuliert. Hier noch ein Ausschnitt zur Diskussion:

Der S04 in der Krise!

Was war da los am Wochenende? Alle Teams, die um die Europa-League-Plätze mitspielen, lassen Federn. Schalke hat am Sonntag die Möglichkeit mit einem Sieg gegen Freiburg einen Riesenschritt Richtung Europa zu machen. Was passiert? Mit einem blutleeren, desolaten Auftritt verliert S04 0:2 bei einem gut aufgestellten SC Freiburg. An dieser Stelle sei gesagt, dass ich einer weiteren trockenen Analyse überdrüssig bin, und es mal ganz ruhrpottlerisch auf den Punkt bringe: Wenne in dem Spiel nich ausse Puschen kommst, dann brauchste auch nich nach Europa fahren. Datt hasse dann einfach nich verdient!

Oder kurz gesagt: Datt is scheiße!

Das Marketing versucht alles, um dem Club das Kumpel/Malocher-Image aufzustülpen und die Mannschaft spielt vom Niveau her Unter Tage. Welch Ironie.

Nicht nur Fans, sondern mittlerweile auch Experten sind ratlos. Liegt es an Markus Weinzierl und Christian Heidel? Ist der FC Schalke 04 zu groß für die beiden, wie es Sport1-Experte Peter Neururer vermutet?

Eine Theorie, was mit Vereinen wie Bayer Leverkusen, VfL Wolfsburg und FC Schalke 04 los ist, haben wir hier.

Messi oder Ronaldo – Wer ist besser?

Das ist keine Frage für das Familienduell, denn wenn wir 100 Leute fragen, werden 50 Messi sagen und 50 Ronaldo (oder, wie gestern im Sport1 Fantalk, einer wählt Huntelaar).

Diese Abstimmung ist auch am Ende schon die Antwort auf die Frage. Keiner und beide. Womit verdient man es, als Bester betitelt zu werden? Ist es Talent, Spielwitz und Kreativität dann gewinnt Messi. Ist es akribische Arbeit am eigenen Körper, Athletik und Ehrgeiz dann ist es Ronaldo.

Was ich damit sagen will: Es sind zwei grundlegend verschiedene Spielertypen.

Messi hat wesentlich mehr Talent mitbekommen und ist eher ein intuitiver Spieler, der im Zentrum mit seiner Kreativität ein Spiel durch Dribblings, Pässe und Tore entscheiden kann. Er ist in seiner Rolle im Team und seinen Qualitäten breiter aufgestellt.

Ronaldo ist ein Vorzeige-Athlet, der hart an sich und seinem Spiel arbeitet. Er hat sich den Status und seine Qualität durch intensives Training und viel Disziplin erarbeitet. Natürlich ist ein großes Grundtalent vorhanden. Aber die Spiele entscheidet er am Ende mit Schnelligkeit Dynamik und Kraft – Qualitäten, die er sich angeeignet hat.

Wer verdient es mehr? Der mit dem größeren Potential oder der, der mehr dafür tun muss?

Ich behaupte: Hätte Ronaldo um sich herum nicht diese Marke des vermeintlich arroganten, selbstverliebten Schönlings aufgebaut, wäre er in diesem Ranking beim Zuschauer vorne.

So bleibt es der ewige Zweikampf zweier Fußballgiganten. Mit Dybala und Mbappé kratzen in dieser CL-Saison auch schon zwei Nachfolger an die Tür. Am Ende wirst du nur Weltstar, wenn du Saison für Saison dieses Niveau hältst. Wir dürfen gespannt bleiben.

Bolz & Grätsch E006 – Time To Say Goodbolz & Congrätschulations

Nach der kräftezehrenden Live-Tour durch das raue Ruhrgebiet sind die beiden Podcast-Plappermäuler zwar wieder in heimischen Gefilden angekommen, lassen die Abende aber nochmal Revue passieren. Ansonsten steht diese Episode unter der bleiernen Schwere des Ausscheidens aller deutschen Teams aus dem Europapokal. Leider war es für alle Time To Say Goodbolz. Erfreulich hingegen verlief der Besuch der beiden Verbalwunder beim deutschen FIFA-Finale, das einen überraschenden Gewinner hatte. Congrätschulations! Der Epilog wird dann geprägt von dem absurdesten Trainingsabsagegrund, der jemals in der Kreisliga über die Lippen gebracht wurde. Ernsthaft.

Für mehr von unserem Podcastprojekt, schaut doch mal auf: ww.bolzgraetsch.de vorbei!

Bolz & Grätsch E005 – Live#2 Das Rückspiel mit Jörg Seveneick

Nach einer grundsoliden Leistung im Hinspiel musste sich das launige Laber-Duo im Rückspiel erneut beweisen. Mit einer knappen Führung im Rücken wurde die Ruhrpottrivalität zwischen dem blauen und gelben Teil des Reviers ausgiebig ausdiskutiert. Dabei kam auch die gute alte Kreisliga nicht zu kurz, die in ihrer Einfachheit doch so manche Gemeinsamkeit mit der Beletage des Vereinsfussballs hat. Die Schalker Eurofighter hatten auch nochmal ihren Auftritt und Jörg Seveneick zitierte aus seinem bald erscheinenden Buch. Weltpremiere in unserem Podcast!

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Angry Aki und das Fiasko

Es sei Watzke zugestanden, dass man als Vertreter einer Aktiengesellschaft auf der Jahreshauptversammlung der Aktionäre sich nun nicht unbedingt kleiner macht, als man ist. Schließlich will man Argumente liefern, weiter in den BVB zu investieren und bestenfalls den aktuellen Kurs noch nach oben zu hieven. Zurückhaltung und Tiefstapelei hat also dementsprechend wohl auch niemand erwartet. Doch was Watzke bei seiner Rede dort zum Besten gab, war nicht weniger, als ein verbaler Rundumschlag gegen alles und jeden, das jemals mit dem BVB in Verbindung stand oder steht. Aus der verbalen Gulaschkanone gab es vor allem für den Rivalen aus Gelsenkirchen Sprüche mit der ganz großen Kelle.

Provokation am Anschlag hatte er direkt mit folgendem Satz parat:

 „Wir sind jetzt der zweitgrößte Verein Deutschlands, wir haben die Blauen abgehängt und die werden uns auch nie wieder erreichen“

Okay, dass Dortmund derzeit der zweitgrößte deutsche Club ist, wird niemand bezweifeln. Aber Schalke für immer und alle Zeiten abgehängt? Darf bezweifelt werden. Nicht nur im blauen Teil des Ruhrgebiets. Die Antwort kam wenig später in Gestalt von Heidel: „Aki Watzke weiß eben, wie er auf einer BVB-Mitgliederversammlung zu Beifallsstürmen kommt: mit dem Thema Schalke 04. Da freue ich mich doch für Ihn“. Ziemlich locker reagiert, alle Achtung. Und wo er schon dabei war, hatte Watzke noch eine kurze Einschätzung zum Schalker Vorstoß im eSports-Bereich:

„Ich finde das komplett scheiße.“

Alles klar, Angry Aki scheint also kein Zocker zu sein. Und auch kein Verständnis für solche zu haben. Ohnehin ist er wohl an einem Stammtisch mit Skatrunde authentischer, als mit Controller in einer Hochglanzlounge.

Aber nicht nur Schalke bekommt sein Fett weg. Auch für andere Traditionsclubs hat Watzke ein paar warme Worte inpetto:

„Ich habe 2006 gesagt: Wir müssen wieder auf Augenhöhe mit Werder Bremen, dem VfB Stuttgart, dem Hamburger SV und Schalke 04 kommen. Klingt im Nachhinein wie Satire, war aber so“

Das ist mal eine klare Art zu sagen, dass diese Vereine heute nur noch ein schlechter Scherz sind. Demut ist in einem Saal voll mit BVB-Aktionären aber auch einfach keine echte Alternative.

Auch zwei „Experten“ waren vor Watzke nicht sicher. Die Kritik von Lehmann und Matthäus daran, dass Hummels nach dem Spiel gegen den FC Bayern noch in der BVB-Kabine vorbeischaute, kommentierte er so:

„Da könnte ich kotzen“

Hier muss man ihm sicherlich mal uneingeschränkt Recht geben. Matthäus und Lehmann fallen nicht zum ersten Mal damit auf, nur um des Kritisierens willens etwas zu kritisieren. Ihre Daseinsberechtigung bei Übertragungen ist mehr als fraglich.

Zum Schluss machte er auch nochmal aus der Abneigung gegen Tabellenführer RB Leipzig keinen Hehl:

„Wir haben wieder deutlich mehr Spannung – auch wenn wir diesen Tabellenführer nicht unbedingt brauchen“

Unlängst betonte Watzke bereits, dass Leipzig der erste Verein sei, bei dem es ohne Fundament ausschließlich darum geht eine Dose zu performen. Watzkes Performance jedenfalls dürfte ähnlich umstritten sein.

Fazit: Dass Watzke den Aktionären nicht erzählt, dass die Lage schlecht sei, ist klar. Dass er aber zu einem derartigen Rundumschlag ausholt, geht weit über die Zwecke einer solchen Versammlung hinaus. Nachdem der BVB nun sportlich wieder vollends in die Spur gefunden hat, hätte man besser weiter Ruhe performt, um die Form nicht zu gefährden. In der Form jedenfalls geriet Akis Rant gegen alles und jeden zu einem ziemlichen medialen Fiasko. Wer polarisieren will, sollte sich jedenfalls nicht außer Sichtweite des anderen Pols bewegen.

#DIASHOW11 – The Bundesliga rises

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Leipzig führt die Tabelle an.  Was sich wie eine Schlagzeile der DDR-Liga aus den 80er-Jahren anhört, ist tatsächlich nun Realität in der Bundesliga des vereinigten Deutschlands. Mit ein wenig monetärer Hilfe aus Österreich ist der wilde Osten wieder zurück im Herzen des Fussballoberhauses in Deutschland. Gleichzeitig ist Leipzig aber auch einer der Gründe dafür, dass der Bundesliga wieder neuer Atem eingehaucht wurde. Nach vier langen Saisons der uneingeschränkten Herrschaft des FC Bayern, während derer die Schale virtuell schon im Januar im Schnee übergeben wurde, haben wir nun erstmals wieder ein offenes Rennen um Platz 1.

Die schwarz-gelben Ritter bringen die Spannung zurück

Doch der ausschlaggebende Grund dafür, dass wir nun nach elf Spieltagen einen offenen Titelkampf haben, ist nicht nur der Leipziger Höhenflug. Borussia Dortmund sorgte am Samstagabend dafür, dass der allmächtige FC Bayern endgültig sein menschliches Gesicht zeigte. Die deutsche Medienlandschaft hatte sich ja bereits im Vorfeld entschieden dieses Aufeinandertreffen fortan als „Klassiker“ zu bezeichnen. Klassischer, als jede Sonate von Johann Sebastian Bach hatte dieses Spiel die perfekte Bühne bekommen, um das ganz große Orchester auffahren zu können: Samstagabend, Flutlicht, Wolff Fuß, Westfalenstadion. Wer da nicht mal ganz kurz eine Hühnerpelle verspürt, sollte demnächst eventuell eher beim großen Kniffelabend mit einer lauwarmen Kamillenteeschorle im örtlichen Altersheim zusehen.

Zunächst standen vor allem die beiden Coaches und ihr Matchplan im Vordergrund.

Thomas Tuchel wählte dabei für sein Team den weitaus mutigeren Plan und nahm dem FCB, vor allem in den ersten 20 bis 25 Minuten, mit teils brutalem Pressing bzw. Gegenpressing die Luft zum Atmen. Durchaus folgerichtig ging sein BVB auch in der 11. Minute durch Aubameyang in Führung, der von der starken Vorarbeit von Götze profitierte. Überhaupt wollte Götze offenbar nachdrücklich den Beweis antreten, dass sein Münchener Gesicht nicht das wahre ist. Obligatorisch griff bei Neuer nach dem Treffer der Reklamierarm-Reflex und rief auf der Stelle die gesamte Twitter-Belegschaft auf den Plan. Stellvertretend dafür:

Nach der äußerst dominanten Druckphase von Schwarz-Gelb, kam der amtierende Meister besser in die Partie. Der Druck nahm bis zur Halbzeit immer mehr zu, doch ohne ein echtes Plus an hochkarätigen Torchancen zu kreieren. Vor allem Bartra musste ab Mitte der ersten Hälfte höllisch aufpassen. Denn nach einer frühen gelben Karte beließ es Schiedsrichter Stieler dann nach einem taktischen Foul an Lewandowski bei der allerletzten Ermahnung.

Die zweite Hälfte begann unverändert. Die Bayern machten das Spiel, Dortmund konnte weitestgehend nur noch reagieren. Die Chancen wurden zwingender und der BVB musste sich mehrfach von Bürki, der Latte oder der Abseitsfahne retten lassen. Mitten rein in diese Phase fiel ein katastrophaler Fehlpass von Routinier Alonso. Freistehend spielte er einige Meter vor der Mittellinie blind einen Rückpass zwischen die Innenverteidiger. Blöd nur, dass da lediglich Aubameyang stand, der die Turbinen anwarf und auf und davon war. Alonsos einziges Glück in dieser Szene war, dass Neuer mit seiner Präsenz das Tor verrammelte und Aubameyang nicht mehr, als einen Gewaltroller zustande brachte. Die Fragen nach Alonsos Eignung für die Zwecke der Münchner werden nicht leiser:

Wir sagen: Altersbedingt fehlen ganz einfach die entscheidenden Sekundenbruchteile in der Handlungsschnelligkeit, weswegen er in den Spielen gegen die großen Gegner immer wieder Schwächen zeigt.

Nach diesem Schreckmoment in der bayrischen Defensive, wurde der BVB im eigenen letzten Drittel wieder stabiler und hielt bis zum Schlußpfiff den Laden zusammen. Lediglich in der Nachspielzeit musste Bürki noch einen Lewandowski-Kopfball um den Pfosten gucken. Etwas angefressen gab Lahm nach dem Spiel im Interview zu Protokoll: „Das ist schön für die Liga, das haben sich doch alle gewünscht“. Schön ist in erster Linie mal, dass auf der Schale diesmal nicht gefühlt Schnee liegt.

Im Westen blüht der Osten auf – Urknall im Rheinderby

Die gute alte Standardphrase, wenn irgendwo im Westen Deutschlands etwas passiert, greift an diesem Spieltag ganz sicher nicht: Im Westen gab es reichlich Neues. Zunächst schwang sich RB Leipzig am Freitagabend in Leverkusen dazu auf, die Tabellenspitze zu erklimmen. Doch der Weg dorthin war alles andere, als leicht. Zwei Mal lagen die Leipziger zurück, kamen aber jedes Mal zurück und fuhren am Ende sogar den 3:2-Sieg ein. Manch einer sprach vor der Partie noch spöttisch von einer „Dauerwerbesendung“, wenn Bayer Leverkusen und RB Leipzig aufeinander treffen. Doch wenn der Busfahrer der Leipziger die Farbbomben nicht von der Windschutzscheibe gewischt hätte, wären sie sogar mit sechs Punkten nach Hause gefahren.

Bei RB hat man die Aktion eher mit Humor genommen. Man ist nun der historisch beste Aufsteiger und thront vom Gipfel der Liga. Ob das am Ende reicht, um das Lauterer Märchen von 1998 zu wiederholen, ist noch nicht abschätzbar. Vergleichbar sind beide Aufsteiger ohnehin nicht. Ein passenderer Vergleich ist vielmehr das Hoffenheim der Saison 2008/2009. Die TSG überwinterte sogar auf dem ersten Platz, brach aber letztlich im Verlaufe der Rückrunde deutlich ein und wurde am Ende dennoch beachtenswerter Siebter. Ob und wann der Einbruch in Leipzig folgt, wissen wir vielleicht erst nach dem 16. Spieltag, wenn der Aufsteiger nach München muss.

Noch etwas weiter westlich, in Mönchengladbach, stieg das Rheinderby zwischen der Gladbacher Borussia und dem FC aus Köln. Die Vorzeichen waren klar: Gladbach braucht Punkte um den Negativtrend zu stoppen und den Anschluss an das obere Drittel der Tabelle zu finden, während Köln genau in diesem Drittel bleiben möchte. Gladbach startete, wie versprochen und ging durch Stindl in Führung. Doch der FC kam durch ein Tor des Vollzeitgoalgetters Modeste zurück und glich aus. Als sich alles schon mit einer schiedlich friedlichen Punkteteilung abgefunden hatte, wollte sich Risse in der 91. Minute nochmal kurz zu Wort melden. Er hatte eine absurde Pointe für dieses Spiel parat, sagte sich wohl innerlich „Kumm dän hau isch d’r umme Ohr’n“ und jagte einen direkten Freistoß aus gut 22 Metern unhaltbar in den Giebel. In good old Cologne war plötzlich wieder Fastelovend und der Höhenflug geht weiter. Horn-Ersatz Kessler hatte wohl die bedeutsamsten Worte nach diesem Spiel: „Du versaust hier 50.000 Menschen irgendwie die Party und dafür spielst du Fussball“.

In Gladbach hingegen verdichtet sich die Unruhe. Auch wenn Eberl noch konkrete Antworten parat hat:

Der „Sympatico“ in Mainz und die Einschlafhilfe in Augsburg

In Mainz trafen sich an diesem Spieltag die wohl sympathischsten Mannschaften der Liga. Bei wohl keinen anderen Vereinen gibt es weniger Missgönner, als bei diesen. Und so dachten sich beide Teams auch: „Wenn uns schon keiner hasst, bieten wir wenigstens was für das Geld!“. 4:2 hieß es am Ende für die 05er und selbstverständlich hatten sich nach dem Abpfiff alle lieb. So lieb, dass man sich gleich noch für ein Rückspiel im nächsten Jahr verabredete, diesmal dann allerdings in Freiburg. Schön.

„Plötzlich Spitzenteam“ wäre wohl der Titel, wenn man die Spiele der Hertha seit der Rückrunde der letzten Saison verfilmen wollte. Tabellarisch ist man auch weiter im oberen Drittel dabei, auch wenn man beim 0:0 in Augsburg wahrlich keine Topleistung zeigte. Das Twitterteam der Hipster-Hertha war aber selbstverständlich wieder auf Betriebstemperatur:

Alter.

Schalke weiter auf großer Wiedergutmachungstour – Zweite Liga in Darmstadt

Schalke ist weiter dabei den grauenvollen Saisonstarn aus dem Gedächtnis seiner Fans zu löschen. Das gelingt weiterhin, in Wolfsburg gab es erneut einen Dreier. In Wolfsburg hingegen verschärft sich die sportliche Krise. Als hätte man bei VW nicht gerade schon genug Probleme:

Weiterhin denkt Coach Ismael darüber nach wieder als Dennis-Rodman-Lookalike Geld zu verdienen.

Wenn Dortmund gegen Bayern wie das schillernde Las Vegas klingt, dann klingt Darmstadt gegen Ingolstadt eher so nach Hoyerswerda. Auch tabellarisch traf sich der Keller und nicht die Luxussuite im zweiten Stock. Das Spiel hielt, was es versprach und war wahrlich nichts für die Gourmetabteilung. Ehrlicher, gearbeiteter Fussball. Mit dem besseren Ende für Neu-Coach Maik Walpurgis und seinen FCI. Offen bleibt nur, was sie früher mit Herrn Walpurgis bei seiner Haarfarbe gemacht hätten, wenn dieser während der Walpurgisnacht… aber egal.

Im Norden brennt noch Licht

Der Fussballnorden ist schon seit einiger Zeit wirklich schwer gebeutelt. Planloses Management gibt sich dort ja quasi die Klinke in die Hand. Umso schwerer war die Aufgabe also für den HSV gegen das aufstrebende Hoffenheim zu bestehen, das gegen die Bayern einen Punkt holte. Kann man beim HSV eigentlich mittlerweile von Katastrophentourismus oder Leichenbeschauung sprechen, wenn man sich deren Spiele ansieht? Doch die Hamburger hatten eine unerwartete Antwort auf die nie enden wollenden HSV-Witze: 2:2! Beachtliche Leistung für die Relegationskönige, mit der auch global gesehen nicht zu rechnen war:

Auch der andere norddeutsche Patient war kurz davor sich etwas Luft zu verschaffen. Im Spiel gegen die Frankfurter Eintracht konnte man endlich mal das volle Offensivarsenal auffahren, angeführt von San-Marino-Zerstörer Gnabry. Was bis kurz vor Schluss auch nach einem Punktgewinn aussah, wurde in der Nachspielzeit jäh niedergeschlagen.  Doch die Ansätze lassen immerhin hoffen.