Archiv der Kategorie: Kreisliga

Stammspieler kassiert Platzverweis

Klingt erstmal unspektakulär. Passiert bei internationalen Topspielern, wie Vidal oder Ramos schließlich auch ständig. Doch hierbei handelt es sich mal wieder um eine Geschichte, wie sie nur die gute alte Kreisliga schreiben kann.

Es ist etwa zwei Jahre her, als sich auf dem fein gemähten Grün des TuS Rodenbach, einem kleinen, naturbewussten Verein aus Neuwied, ein etwas hüftsteifer Neuzugang wiederfand. Genau genommen befand sich nach einer nie aufgeklärten Nacht-und-Nebel-Aktion ein Baum auf dem Spielfeld der Rodenbacher wieder. Fein säuberlich eingegraben, sogar mit allen Wurzeln. Der Platzwart war geradezu angetan. Blöd nur, dass er sich auch um die Ausgrabung des neuen „Stammspielers“ kümmern musste. Ob der von der Lokalpresse „Baum des Anstoßes“ getaufte Holzfuß an einem sichereren Ort weiterleben durfte, ist indes unklar.

Manch einer vermutete ja, dass die lokale Baumschule mit dem Sponsoring hier etwas zu weit gegangen sei.

Quelle: Rhein-Zeitung

Das erste DIAGO-Buch: How To Survive Kreisliga

„Was lange währt, kommt endlich raus“ besagt ja schon ein altes Autorensprichwort. Vor einiger Zeit haben wir euch ja angekündigt, dass wir parallel zu unseren Blogaktivitäten an einem Buchprojekt arbeiten. Dieses Projekt haben wir mit unserem Verlag Schwarzkopf&Schwarzkopf nun endlich abgeschlossen und freuen uns, dass wir unserer treuen DIAGO-Anhängerschaft das Ergebnis präsentieren können.

Eine unserer erfolgreichsten Blog-Serien war zweifelsohne „An jedem verdammten Sonntag“ (lange bevor Ran ihre NFL-Übertragungen so genannt haben), in der wir in vielen ironischen, aber stets so erlebten, Stories und Typisierungen die Kreisliga versucht haben näher zu bringen. Daher haben wir uns diesem Thema noch intensiver gewidmet und einen ganzen Ratgeber darüber geschrieben, der ein absolutes Muss für alle Amateurkicker und solche, die welche werden wollen, ist. Dabei sind unsere gesammelten Anekdoten eingeflossen und haben ein buntes Potpurri an Kreisligageschichten ergeben. Allesamt haben wir entweder so erlebt oder sie wurden uns glaubhaft vermittelt. Kreisligaehrenwort! Und das zählt mehr, als jeder Schwur.

Daher würden wir euch empfehlen, dass ihr euch dieses Werk aus der Feder zweier Autoren am Anfang ihrer Schreibkarrieren zulegt. Ihr werdet darin vielleicht nicht den Sinn des Lebens finden, dafür aber herzhaft lachen. Und das ist doch auch was.

HIER kommt ihr zu einer Vorschau des Buches samt Inhaltsangabe.

… und wenn ihr es direkt erwerben wollt, dann klickt einfach folgendes Bild an und ihr seid auf einer bekannten Shoppingseite:

unbenannt

Gefährdet die Bundesliga den Amateurfussball, Herr Watzke?

Der große Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten.

„Der wahre Fussball wird doch in der Kreisliga gespielt!“
„Die großen Manager in der Bundesliga haben doch keine Ahnung von der Basis!“
„Guckt euch mal ein Derby in der Kreisliga an, das sind wahre Emotionen!“
„Da opfern Leute ihre Freizeit und ihr Geld, während in der Bundesliga ohne Herz und nur für dicke Schecks gespielt wird!“

Doch was war passiert?

BVB-Macher Hans-Joachim Watzke hatte für die Montagsausgabe des Kicker ein Interview gegeben. Thema waren unter anderem die Anstoßzeiten der Bundesliga, im Speziellen der Sonntag als Spieltag.
Der genaue Wortlaut war so:

Watzke wurde also konkret darauf angesprochen, ob eine mögliche neue Anstoßzeit um 13:30 sonntags nicht den Tod des Amateurfussballs bedeuten würde, da niemand um drei Uhr selbst auf dem Platz stehen kann, wenn er um halb zwei ein Bundesligaspiel guckt. Watzke, seines Zeichens Vorstandsvorsitzender eines Landesligisten (Rot-Weiß Erlinghausen), ist der Meinung, dass nicht der Bundesligaspieltag am Sonntag der Grund für verschwindend geringen Zuschauerzahlen sind, sondern ganz andere Probleme im Vordergrund stehen. Der Amateurfussball sei „nicht sexy genug“. Ihm würde „der Event-Charakter fehlen“, der für eine höhere Resonanz heutzutage zwingend notwendig sei. Die gesellschaftliche Veränderung des Freizeitverhaltens ist laut Watzke der Übeltäter.

Harte Aussagen, die erwartungsgemäß einen Sturm der Entrüstung aus dem Lager aller Amateurkicker provoziert haben. Wenn man selber als Spieler in den niedrigsten Ligen des Landes unterwegs ist und sonntags selber auf dem Platz steht, dann macht man das selbstverständlich nur, weil man mit vollem Herzen das Spiel liebt. Zuschauerzahlen oder gar Monetäres sind maximal Nebenaspekte. Wenn überhaupt. Die Emotionen stehen also im Vordergrund. Daher fühlen sich viele Kreisligaspieler auch in der Ehre verletzt, wenn sie lesen müssen, dass jemand aus dem so weit entfernten Hochglanz-Business Bundesliga über die Amateurligen urteilen will. Der plakative Ausdruck „nicht sexy genug“ ist dann quasi der Tropfen, der das emotionale Fass zum Überlaufen bringt. Denn für eingefleischte, leidenschaftliche Aktive gibt es eben nichts, was so „sexy“ ist, wie sich sonntags 90 Minuten lang Schürfwunden zuzuziehen und um jeden Zentimeter Boden zu kämpfen als gäbe es kein Morgen mehr. Eine absolut ehrenwerte Einstellung, jedoch lässt sich diese nicht auf die gesamte Gesellschaft umlegen oder gar strukturelle Probleme beheben.

Die Zuschauerzahlen in den vielen Amateurklassen des Fussballs sind durchweg verschwindend gering. Das ist ein Fakt, den man jeden Sonntags auf ein Neues beobachten kann. Neben den paar hartgesottenen Vereinsurgesteinen, die seit Jahrzehnten an der Bande stehen und den Angehörigen der Spieler sieht man in den untersten Ligen normalerweise wenig bis gar keine weiteren Gesichter am Spielfeldrand.
Offizielle Statistiken dazu gibt es selbstverständlich nicht. Diese Tendenzen beruhen auf Erfahrungen und Beobachtungen von Aktiven.

Wo liegen also die wahren Gründe für wenig Zuschauerinteresse am Amateurkick?
Die Sonntagsspiele der Bundesliga hier als Grund aufzuführen ist zu einfach. Der ein oder andere ist natürlich sonntags mal im Stadion, um seinen Verein in der Bundesliga zu sehen oder sieht das Spiel bei Sky. Allerdings spielt ein Bundesligaverein über die Saison gesehen nur eine überschaubare Anzahl an Sonntagsspielen. Ansonsten hat der Amateurfussball an sich keine Veränderung durchgemacht. Die Stadionwurst schmeckt noch immer gleich und das fussballerische Niveau ist noch immer mies. Daran kann es also nicht liegen.
Die von Watzke genannten Gründe kommen der Sache schon wesentlich näher. Das Freizeitverhalten der Menschen hat sich verändert. Es scheint so zu sein, dass „eventorientierte“ Aktivitäten wesentlich attraktiver sind, als eher bodenständige Alternativen, wie dem holprigen Kick um die Ecke. Man liegt sonntags lieber auf der Couch und vertreibt sich die Zeit mit Hochglanz-Entertainment auf TV, Tablet, Smartphone oder PC, anstatt einem Kumpel beim Kicken zuzusehen. Andernfalls betätigt man sich lieber selber sportlich, anstatt anderen auf niedrigem Niveau dabei zuzusehen.
Die Amateurfussball-Szene ist sehr speziell und in sich verschworen, daher kommen Worte, wie die von Watzke oftmals in den falschen Hals und werden irrational wahrgenommen.

Auch wenn Watzkes Meinung etwas unsensibel dem Amateurfussball gegenüber ausgedrückt ist, im Kern liegt er richtig. Wenn die Bundesliga demnächst sonntags um halb zwei spielt, wird das, wenn überhaupt, nur verschwindend geringe Auswirkungen auf die Kreisligen haben. Der ein oder andere Aktive wird mal ein oder zwei Sonntage stadionbedingt, wenn sein Club spielt, pro Saison verpassen, okay. Aber das ist ein Maß an Einschränkung, was nicht auffallen wird. Etwas mehr Einschränkung könnte es in den Ligen über den Kreisligen geben. Dort sind die Zuschauerzahlen dann doch im Verhältnis etwas höher. Hier kalkuliert man als Verein schließlich auch mit ein paar Euro Eintritt, einer Wurst und zwei Bier im Verkauf. Hier könnten kleinere Einbußen spürbar sein. In welchem Maß letztendlich dann auch immer.

Nichtsdestotrotz sollten auch Führungspersönlichkeiten aus dem Hochglanzgeschäft Bundesliga die Sorgen und Ängst aus dem Amateurbereich ernst nehmen und diese mit dem nötigen Respekt behandeln. Dies ist Watzke aufgrund der Wortwahl nicht ganz gelungen.

#13 – Der große Mannschaftsfahrtsguide

In dieser Serie stehen die abertausenden Amateurkicker im Mittelpunkt. Wir erklären die Faszination Kreisliga und warum es sich immer wieder lohnt die Knochen für den Verein hinzuhalten. An jedem verdammten Sonntag.
Da die Sommerpause gerade allenorts ausgelebt wird, bringen wir euch heute mal einen Guide zum Thema Mannschaftsfahrt und analysieren für euch die gängigsten Ziele. Damit ihr zukünftig den passendsten Ort auswählen könnt!

 

Der Klassiker – Mallorca
(alternativ: Lloret de Mar, Cala Ratjada)

Wetter:
Wettertechnisch braucht man sich beim großen Klassiker unter den Mannschaftsfahrtszielen wenig Gedanken zu machen. Zum Ende der Saison in den Monaten Mai/Juni brät die Sonne über der Balearen-Insel im Mittelmeer normalerweise jeden geschundenen Kreisligakadaver problemlos auf „well done“. Das ist auf der einen Seite durchaus angenehm, doch es kann sich auch negativ auswirken. Ein euphorischer Riesenschluck aus der Bierbong kurz nach Ankunft am Strand wird bei 38 Grad in der prallen Sonne nicht unbedingt einfacher zu verarbeiten für Kreislauf und Leber.
Da man außerdem im leicht angeheiterten Kopf normalerweise wenig Zeit für Unwichtiges, wie Sonnencreme hat, bedankt sich die Haut nach dem ersten Tag mit einem feuerroten Salut an die gleichfarbigen Freunde mit den Scherenhänden im Meer.

Budget:
Das Budget wird hier nicht allzu knapp angesetzt. Man könnte schon fast „üppig“ sagen. Denn mit Flug, Transfer und Hotel, sowie Taschengeld für Getränke und Essen kommt eine Summe zusammen, die sich nicht alle mal eben aus den Rippen schneiden können.
Pro-Tipp: Schon zu Beginn der Saison ein Sparkonto einrichten, dann kann auch jeder finanzschwache A-Jugendliche die nötigen Groschen zusammensparen, um mit den großen Jungs am Ende der Spielzeit loszuziehen.

Versorgung:
Größtenteils fremdbestimmt. Je nach Hotel und Art der Buchung nimmt man natürlich in erster Linie das All-Inclusive-Angebot der Hotelbar in Anspruch. „All you can drink“ wird bei einer Truppe mit stahlharten Lebern natürlich als Aufforderung wahrgenommen. Am Strand werden dann im Normalfall erstmal die Jüngsten mit einem Teil der Mannschaftskasse in den nächstgelegenen Supermarkt geschickt, um dort eine warme Palette landestypisches San Miguel oder Estrella zu holen. Man will ja der örtlichen Kultur Genüge tun. Schmeckt natürlich furchtbar, in der positiven Stimmung des Moments jedoch meint man hier gerade ein hervorragend passendes Schlückchen Cerveza zu sich zu nehmen. Prost und Arriba Andale!
Abends in den Discotheken wird dann vermehrt auf Cocktails und Longdrinks umgestiegen, da Bier sich bereits in allen Poren des Körpers befindet und den Alkoholpegel nicht mehr anheben kann.
Gegessen wird nur, was schnell fertig ist. Pizza auf die Faust, Döner to go oder einen vertrauten Cheeseburger im großen gelben M sind die gängigsten Varianten.

Sportliche Aktivitäten:
Grundsätzlich eher eingeschränkt. Die oftmals im Preis mit inbegriffene Nutzung der Fitnessräume oder Tenniscourts des Hotels hat wohl noch nie auch nur eine Kreisligamannschaft von innen gesehen. Daher beschränkt sich die tägliche Bewegung auf wildes Umherkicken eines halb aufgepumpten Volleyballs oder wahlweise ein bis zehn Runden Flunkyball. Letzteres ist zwar keine offiziell anerkannte Sportart, man bewegt sich dabei aber mehr, als beim Rumlümmeln auf einer Liege.

Ausgehmöglichkeiten:
Zahlreich. Von der berühmten Promenade in El Arenal mit der „goldenen Meile“ vom Ballermann 1 bis 15, über die legendäre Schinkenstraße mit dem Bierkönig, bis hin zu den großen Namen mit Oberbayern, RIU Palace und Megapark. Beim großen „who is who“ der Feierszene auf den Balearen findet man auf Mallorca alles, was das Herz begehrt.

Flirtfaktor:
Hoch. Ganz ganz hoch. Einst sang der berühmte deutsche Dichter und Philosoph Peter Wackel bereits: „Scheiß drauf, Malle ist nur einmal im Jahr“. Nach diesem Motto leben die meisten auch ihre wohlverdienten Tage im siebzehnten Bundesland der Deutschen. Mit einem soliden Alkoholpegel und bei der vertrauten Stimme von Helene aus den Boxen der Großraumdiscothek hat auch der schüchternste Mitläufer die Courage eine holde Maid um einen Tanz zu bitten. Vorausgesetzt, dass alle Körperfunktionen noch planmäßig arbeiten, ist dann auch mit hoher Wahrscheinlichkeit noch etwas mehr drin. Hoffentlich dann aber nicht schutzlos.

Die kleine Lösung – Holland

Wetter:
Da sind wir schon an einem der kritischeren Punkte des Ziels Holland. Unser Nachbarland ist ja für so einige nette Exporte, wie Heineken, Käse oder Sylvie van der Vaart bekannt. Für eines jedoch überhaupt nicht: Gutes Wetter. Hier kann man sich leicht an unserem Klima orientieren. Klar, man kann Glück haben und eins der wenigen sonnigen Wochenenden erwischen. Man kann aber auch Pech haben und aus dem Bungalow in einen vom Regen matschig gewordenen Garten gucken. Hier ist also ganz klar von einem Risikofaktor auszugehen.

Budget:
Das Budget hält sich bei einer Fahrt in die Niederlande im Rahmen. Die Anreise geschieht mit eigenem PKW, vor Ort werden oft mehrere Hütten in einer Bungalowanlage, wie Center Parcs gemietet. Hier kann also das freigewordene Budget bedenkenlos in den Alkoholeinkauf umgeschichtet werden.

Versorgung:
Das ist hier weitestgehend in Eigenregie organisiert. In den bekannten Bungalowparks gilt grundsätzlich die Selbstversorgung. Daher müssen die nötigen Lebensmittel von zu Hause mitgebracht werden. Dass der angemietete Sprinter dann zu 80% mit Bierkästen und Schnapsflaschen gefüllt ist, liegt in der Natur der Sache. Die übrigen 20% entfallen dann auf Grillfleisch und im besten Fall auch der ein oder anderen Rolle Toilettenpapier. Andernfalls ergeben sich spätestens am ersten Morgen Probleme.
Bei der Wahl der Getränke wird auf Bewährtes von Daheim gesetzt. Die Biermarke, die die ganze Saison über getrunken wurde, darf auch auf der Tour nicht fehlen. Beim Hochprozentigen werden dann die gängigen Klassiker, wie Jägermeister, Osbourne oder Rum gewählt, um einen Durchschnittswert der Geschmäcker zu bedienen. Für den Hunger zwischendurch, glüht der Grill den ganzen Tag vor sich hin. Da eine Ernährung bestehend aus Bier und Fleisch zu einseitig ist, hat man meist noch einen guten Eimer Kartoffelsalat dabei. Für das schlechte Gewissen.

Sportliche Aktivitäten:
Die sind hier etwas ausgeprägter. Meistens gibt es einen anliegenden Bolzplatz, auf dem dann eine ebenfalls angereiste Fussballmannschaft zum ultimativen „Wer kann besoffen besser Fussballspielen“-Wettkampf herausgefordert werden. Dass die anfängliche Kumpelhaftigkeit später in Aggressivität umschlägt, ist nicht ausgeschlossen. Desweiteren bieten sich in Ermangelung von Motivation für echten Sport beliebte Trinkspiele mit mehr oder weniger vorhandenen sportlichen Elementen im eigenen Garten hinter dem Bungalow an. Auch hier ist wieder Flunkyball möglich, es bieten sich aber auch an: Beer Pong, Plumpssack oder Bierpendeln.

Ausgehmöglichkeiten:
Nicht viele. Je nach dem wo es einen in den Niederlanden hin verschlagen hat, befinden sich bestenfalls einige Bars und Kneipen im nächstgelegenen Stadtkern. Dort kann man zwar mal vorbeischauen, doch meistens zieht es einen immer wieder dorthin, wo das Bier kostenlos ist.

Flirtfaktor:
Beinahe nicht vorhanden. Da die Ausgehmöglichkeiten stark begrenzt sind, wird auch der Flirtfaktor klein gehalten. Mit zehn Mann das einzige halbwegs annehmbare weibliche Wesen in einer anliegenden Dorfdisco zu bezirzen ist genauso unbefriedigend, wie oberkörperfrei, mit einem Bier in der einen und einer Schale Discounter-Kartoffelsalat vom Grillen in der anderen Hand die benachbarte U19-Frauenvolleyballmannschaft lallend zu fragen, ob sie nicht auf eine unverbindliche Runde Strippoker rüberkommen wollen.

Die Ü30-Fraktion – Sauerland Stern
(alternativ: Dorf Münsterland)

Wetter:
Die Wetterfrage lässt sich hier getrost vollkommen außen vor lassen. Ob es draußen stürmt, schneit oder die Sonne scheint, spielt keine Rolle, wenn man ohnehin nur zwischen Hotelzimmer und den großen Diskothekensälen pendelt.

Budget:
Die Anreise gestaltet sich auch hier eher kostengünstig. Entweder man organisiert sich auch hier in Privat-PKWs oder man greift auf Reisebusse bzw. die Deutsche Bahn zurück. Vor Ort sind die Getränkepreise allerdings mehr als happig. Kombiniert mit den ebenfalls zu entrichtenden Übernachtungskosten wird die eher günstigere Anreise wieder ausgeglichen.

Versorgung:
Bei Anreise mit dem Bus oder der Bahn darf natürlich während der Fahrt schon mit selbst beschafften Getränken ordentlich vorgeglüht werden. Besonders beliebt: Klopfer und Dosenbier. Ist nämlich am leichtesten fachgerecht unter den Sitzen zu verstauen, wenn man ankommt. Die Grundlage zum Alkoholgenuss wird mit Mettbrötchen gebildet, die unter den Zwiebelbergen nur schwer als solche erkennbar sind. Manch einer übernimmt sich bereits auf der Hinfahrt dermaßen, dass er bis zum Abend erstmal ausnüchtern muss, um weiteren Alkohol aufnehmen zu können. Die schwierigen Hindernisse, mit denen ein Partytourist fertig werden muss.
Im Sauerland Stern selber ist Halbpension. Heißt: Katerfrühstück und Grundlage fürs Feiern dort, Alkoholversorgung und Mittagessen in den umliegenden Brauhäusern. Dort gibt es selbstverständlich einen zünftigen Teller Erbsensuppe mit Mettwurst. Man möchte schließlich der Leber zwischen den sechs Maß Bier keine Zeit zum Ausruhen geben.

Sportliche Aktivitäten:
Außer dem Anheben des Bierglases: Fehlanzeige.

Ausgehmöglichkeiten:
Die sind hier im vorhinein klar definiert. Die Partyhütten laden zu Ballermannatmosphäre unter dem jenseits der 30 befindlichen Publikum ein. Hier wird viel geschunkelt und ein heißer Foxtrott auf die Tanzfläche gelegt.  Was man zu Hause wegen einschränkender Faktoren, wie Ehefrau, Kinder oder Abbezahlung eines Kredits nicht mehr ausleben kann, wird hier volle Lotte rausgelassen. Daher fühlt sich die U30-Fraktion dort auch meist ziemlich fehl am Platz. Fremdscham muss dann mit Alkohol betäubt werden.

Flirtfaktor:
Verdammt hoch. Nicht umsonst ist die Partyszene in und um Willingen berühmt berüchtigt für ihre Offenherzigkeit. Ab einem gewissen Alter nehmen die Eitelkeiten beim Flirten erfahrungsgemäß ab. Das macht die Sache etwas einfacher. Nachdem einer Dame etwas Honig um den Mund geschmiert wurde, kann es schneller aufs Hotelzimmer gehen, als ein angeschickerter Kegelclub auf „Zicke Zacke“ ein donnerndes „Hoi Hoi Hoi“ antworten kann. Legenden zufolge sind in der berühmten Hütte von Siggi schon mehr Ehen zu Bruch gegangen, als sonstwo. Und das beruht schließlich auf keinesfalls empirischen Erhebungen!

Der Trend – Goldstrand

Wetter:
Ähnlich beständig, wie auf Mallorca. Die Touristenstadt im östlichen Teil Bulgariens am Schwarzen Meer wird in den Sommermonaten reichlich von der Sonne geküsst. Wenn man hier den zweiten Tag nicht in der Horizontalen verbringen möchte, weil der Sonnenbrand bei jeder Bewegung schmerzt, sollte man unbedingt etwas Sonnencreme an die Haut lassen. Schließlich ist eine typisch englische Hautfarbe bei den Frauen gar nicht mal so angesagt, wie man denkt.

Budget:
Auch hier, ähnlich wie beim Malle-Trip: eher kostenintensiv. Jedoch günstiger, als das „Original“ in Spanien. Wenn man keine zehnstündige Tortur in einem stickigen Reisebus mit nur einer Toilette verbringen will, lässt man sich lieber fliegen. Und das kostet. Vor Ort sind die Preise dann aber verträglicher.

Versorgung:
Je nach Hotelbuchung mit Beanspruchung der täglichen Happy Hour in der Hotelbar. Da wird dem Barkeeper auch mal die Uhr vor die Nase gehalten und wenn der Zeiger rum ist „JETZT“ gebrüllt.
Am Strand gibt es das landestypische Zagorka. Weder weiß irgendwer, wie man das ausspricht, noch kann man genau sagen, ob das geschmacklich nun eher in Richtung Paderborner oder Faxe von der Tankstelle geht. Spielt dann aber keine Rolle, hauptsache es dreht sich. In den Clubs nahe des Strandes wird man zunächst mal von den spottbilligen Longdrink- und Cocktailpreisen umgehauen und meint bereits im Paradies angekommen zu sein. Doch Obacht! Hier sollte man dem Barkeeper besser genauer auf die Finger schauen, denn nicht selten wird hier gepanscht. Im Zweifelsfall lieber die Finger davon lassen, wenn man nicht demnächst mit seiner Horrorstory bei Taff auf Pro7 auftauchen will.
Bei den Mahlzeiten gilt auch hier die Faustregel: Lieber fettig, als flüssig.

Sportliche Aktivitäten:
Der Strand bietet Platz für vorgetäuschte Fussballfähigkeiten, um die Mädels zu beeindrucken. Dass dabei der Ball meist nicht länger als drei Mal hochgehalten werden kann und dann auf den Handtüchern anderer Strandbesucher landet, kann vernachlässigt werden. Man ist ja schließlich im Urlaub. Also lieber auf die Stärken konzentrieren und die umherstehenden Damen mit einem flotten Trinkspiel von der Trinkfestigkeit überzeugen. Denn darauf stehen die Frauen ja!

Ausgehmöglichkeiten:
In den klassischen Großraumdiskotheken mit feinster Musikauswahl irgendwo zwischen 90er-Eurodance und aktuellen Charthits fühlt man sich dann wieder wie zu Hause. Ein besonderes Special findet man in den Clubs am Goldstrand regelmäßig: Die Schaumparty. Das hat nichts mit Schaumwein zu tun, sondern bedeutet tatsächlich, dass die Tanzfläche mit Schaum geflutet wird. Weder will man genau wissen mit welchen chemischen Stoffen dieser Schaum hergestellt wurde, noch ist es daraufhin ein schöner Anblick, wenn die Hälfte aller männlichen Besucher oberkörperfrei und nass weiter tanzt.

Flirtfaktor:
Auch hier absolut vertretbar. Aufgeheizt vom zehnstündigem Sonnenbad am Goldstrand, sind die Damen abends in der Disco bereit ein knapperes Outfit zu präsentieren. Hier kommt dann einer der Vorteile des Schaums zum Tragen: Wet-T-Shirt.
Bleibt festzuhalten: Wer sich auch hier nicht allzu unbeholfen anstellt, hat gute Chancen auf ein kleines Techtelmechtel.

Das Freudenhaus – St. Pauli

Wetter:
Spielt auf St. Pauli auch eher eine untergeordnete Rolle. Schließlich möchte man sich ja hauptsächlich in den zahlreichen Kneipen des Kultstadtteils von Hamburg bewegen. Eine Hafenrundfahrt zum Ausnüchtern am nächsten Morgen geht zur Not auch im Regen, sind ja zumindest überdacht die Boote. Außerdem ist Hamburg ohne Regen auch einfach nicht authentisch!

Budget:
Das kommt ganz darauf an, was man sich so vornimmt. Ist man kein Fan vom Rotlichtviertel, dann geht die Fahrt auch mit kleinerem Geldbeutel durch. Anreise geht auch hier wieder mit Auto, Zug oder Bus. Je nach dem von wo aus in Deutschland man anreist. Günstiges Hostel wird gemietet und obendrauf kommt Taschengeld für Getränke und Essen.
Ist man jedoch ungebunden und kann den netten Damen am Straßenrand nur schwer einen Wunsch ausschlagen, kann der Trip etwas kostspieliger werden.

Versorgung:
Die Hinfahrt wird ähnlich wie nach Willingen gestaltet. Rucksäcke voll mit Dosenbier, belegte Schnittchen und improvisierte Fangesänge prägen die Fahrt. Vor Ort wird sich ganz klassisch von Kneipe zu Kneipe gehangelt. Auf der Reeperbahn trinkt man dann passenderweise ein gutes Astra aus der Flasche vom Kiosk to go und testet den eigenen „Marktwert“ bei den Bordsteinschwalben. Enttäuschung? Ausgeschlossen!
Als Katerfrühstück darf natürlich ein fettiges Fischbrötchen im Hamburger Hafen nicht fehlen.

Sportliche Aktivitäten:
Am nächsten Morgen versuchen nicht zu sterben. Das ist sportlich genug.

Ausgehmöglichkeiten:
Ü-BER-ALL. An jeder Ecke auf St. Pauli ist auch Platz für eine Eckkneipe. Es bietet sich also eine Kneipentour an, die sich gewaschen hat. In jedem Laden ein, zwei Bier und weiter geht es! Eine schnelle Nummer lässt sich aber nicht nur an den Tresen schieben. Bei Interesse ist die berühmt, berüchtigte Herbertstraße nicht weit. In einer Parallelwelt der Gesellschaft kann man hier für ein paar Scheine die eigene Lust befriedigen lassen. Besonders praktisch: Die Damen sind betrunkenes Eventpublikum gewohnt. Wenn man also seinen Mageninhalt noch bei sich behalten kann, steht der schnellen Nummer nichts im Wege.

Flirtfaktor:
Flirten mit Nutten kann man nicht so ganz als echtes Flirten durchgehen lassen. Das ist so wie, wenn der Autohändler beim Verkaufsgespräch dein Auto lobt: Eigene Interessen und so.
Nichtsdestotrotz gibt es auf der Reeperbahn aber auch genügend weibliches Feierpublikum ohne Bezug zum Rotlichtviertel. Bei einem freundschaftlichen Korn in der Ecke der Kneipe kann man die gegenseitigen Interessen dann durchaus adäquat austauschen.

 

#12 – Liebes EA Sports-Entwickler-Team…

Es war DIE Sensation für alle Jünger des gepflegten virtuellen Kickens: EA Sports wird mit FIFA 16 zum ersten Mal auch Mannschaften aus dem Frauenfussball auf den Bildschirm bringen. Bevor wir jetzt in die gleiche Kerbe schlagen, wie viele Chauvinisten vor uns: Nein, wir glauben nicht, dass man mit der Freestyle-Taste über Gegenspielerinnen lästert. Nein, Schießen, Passen und Flanken werden nicht mit der gleichen Taste ausgeführt und NEIN es wird KEINEN Dessous-Soccer-Modus geben.

Wir gehen den nächsten und längst überfälligen Schritt:

Wir machen uns stark für einen weiteren Modus, der viele Menschen begeistern wird und fordern deshalb für FIFA17 den Modus:

Kreisliga

cover

Um EA Sports ein wenig zu unterstützen, haben wir auch schon Konzeptideen für den neuen Modus:

6 verschiedene Platzarten (Eigenschaften könnt ihr hier nachlesen):

Rasen, Acker, Rote Asche, Schwarze Asche, Asche-Unkraut-Wiese-Mix, Kunstrasen

5 verschiedene Witterungen, die immer direkten Einfluss auf Ball- und Spielerverhalten sowie Verletzungsrisiko haben:

Sonne, Regen, Starkregen, Frost, Nebel, Schnee

Klassische Schiedsrichtertypen:

Zum Beispiel:

– alt, dick und bleiben immer am Mittelkreis (hohe Wahrscheinlichkeit von Fehlentscheidungen)

– jung und dynamisch, aber damit sehr sehr SEHR genau. Es wird alles gepfiffen

Auch was die Spieler angeht, stellen wir uns ein komplett neues System vor:

Die Stärke einzelner Spieler variiert von Spiel zu Spiel sehr stark. Sie kann beeinflusst werden von zufälligen Ereignissen wie:

– Mannschaftsabend vor dem Spiel (Werte fallen)

– Freundin/Familie/ein ominöser Scout guckt zu (Werte steigen)

– usw.

Die Spieler haben neue, auf die Kreisliga zugeschnittene klassische Spezialattribute (eine kleine Hilfe, welche Spielertypen es in der Kreisliga gibt, findet ihr hier:

– Raucher

– Trinker

– hat schon Mal höher gespielt

– Schönling

– Kampfmaschine/Zerstörer

Optisch warten die Spieler mit allem auf, was das Kreisliga-Herz begehrt: Bierplautze, Schnurrbart (auch Schnubbi oder Schnörres genannt), Halbglatze, Minipli und Vokuhila im Manta-Stil

Auch die Steuerung im Spiel wird komplett neu gestaltet. Je nach Spielerstärke haben einzelne Controllertasten keine feste Funktion. Je schlechter der Spieler ist, desto stärker rotiert die Funktion. Man weiß also (am Beispiel der Playstation) nicht, ob wirklich ein Pass erfolgt, wenn man X drückt. Und so kann es sein, dass man bei einem Pass einen Steilpass spielt, statt Schuss ein Pass erfolgt oder man stattdessen eine Flanke schlägt.

Die Sprinttaste kann man bei den meisten Spielern wenn überhaupt nur in den ersten 30 Minuten einsetzen. Danach kann man die Taste benutzen, um an der Seitenlinie zu trinken oder zu rauchen.

Mit der Speedcontrol und Dribblingfunktion kann man kleinere Slapstickeinlagen, wie Bogenlampen, über den Ball stolpern, über Platzfehler stolpern usw. kontrollieren. Außer der Spieler hat einen hohen Technikwert oder befindet sich im (nachfolgend beschriebenen) Goldener-Bierkasten-Modus.

Der Goldene-Bierkasten-Modus

Ein Zufallsgenerator ermöglicht jedem Spieler einmal im Spiel eine Super-Fähigkeit. Im Laufe des Spiels hat man die Möglichkeit, dann einmal einen unhaltbaren Schuss abzufeuern, einen genialen Pass zu spielen oder ein unwiderstehliches Dribbling anzusetzen. Entsteht pro Spieler maximal ein Mal pro Spiel, allerdings sehr selten. Erscheint über einem Spieler ein Goldener Bierkasten, hat er gerade seinen lichten Moment – diesen Spieler sofort anspielen und alles tun, was man sich vorstellt.

Um das Kreisligaerlebnis perfekt abzurunden, werden die Spiele in der deutschen Version von Hans Sarpei und Ralf Richter kommentiert.

Abgespalten davon soll der Fußball Manager 2017 entstehen. Da sind wir allerdings noch in der Konzeption. So soll es zum Beispiel mehrere Zahlungsmöglichkeiten geben. Aktuell im Gespräch: Bierkästen und Grillgutscheine. Verträge werden als Bierdeckel dargestellt, das Büro ist entweder ein kleines Kabuff im Vereinsheim, der erste Tisch in der Kneipe des Vereins, oder eine rauchige Ecke einer lokalen Kneipe.

Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich! Uns juckt es verdammtnochmal in den Fingern!

EA Sports – Ihr seid am Zug!

#11 – Homophobie im Fußball – Alltag in der Kreisliga

Im Zuge der Themenwoche „Homophobie & Fußball“ beschäftigen wir uns ebenfalls mit diesem kontroversen und schwierigen Thema.

Fußball und Homosexualität, das sind keine Gegensätze. So zumindest die offiziellen Verlautbarungen von Funktionären und Vertretern des Profifussballbereiches. Es müsse mehr Mutige geben wie Thomas Hitzlsperger, der sich nach seiner Karriere geoutet hat. Er sei ein Vorbild und man hoffe, dass es ihm viele nachmachen. Ja, das ist lobenswert und erstrebenswert, aber nicht realistisch.

Der Fußball sieht sich selbst als „Männersport“. Und da Homosexuelle mit dem Vorurteil zu kämpfen haben, weiblicher zu sein als ihre Mitstreiter, haben sie keinen Platz in diesem patriarchalischen Mikrokosmos. Wir schreiben jetzt allerdings nicht über die Parallelwelt der Bundesligaprofis und setzen uns mit Spielerfrauen aus Agenturen auseinander, sondern gehen dahin, wo die Bekundungen der Funktionäre nicht mehr sind, als leere Worthülsen. Wir gehen mal wieder an die Basis.

Die Kreisliga ist eigentlich ungewollt ein Spiegel der Gesellschaft, denn dort sind alle Schichten Selbiger vertreten. Von Arbeitslosen über Studenten, Büroangestellte, Handwerker, Akademiker und Beamte: Sie alle stehen regelmäßig zusammen auf dem Platz und kicken miteinander. Das heißt, im Nachfolgenden geht es nicht um Sozialschwache, sondern Menschen „wie du und ich“. In diesem Fall beziehen wir uns ausschließlich auf die Herren-Mannschaften.

Die Wahrheit ist: Homophobie ist in vielen Vereinen in den unteren Ligen weniger ein Problem, sondern eher Normalität. „Schwul“ ist keine Bezeichnung für eine sexuelle Ausrichtung, sondern eine Beleidigung, beziehungsweise ein Synonym für „scheisse“ oder vorallem für „unmännlich“ (abgeschwächt). Wenn zum Beispiel jemand einen „schwulen Pass“ spielt, sich mit „Was war das denn Du Homo?“ beschwert, oder bei Strafraumsituationen mit viel Körperkontakt „Bist du schwul oder was?“ brüllt. Es ist analog zum Alltagsrassismus zu betrachten. Alltagshomophobie. Sprüche, die nicht gezielt Homosexuelle diffamieren, aber in ihrer Grundlage homophob sind und implizieren, es sei was Schlechtes, Schlimmes oder Falsches, schwul zu sein. Dabei ist der Umgang miteinander durchaus widersprüchlich. Griffe an nackte Körperteile und Schläge aufs Gesäß sind selbstverständlich, unverbindlich und gelten als Zeichen von Kameradschaft und Zusammenhalt. Diese Unverbindlichkeit entfällt, wenn derjenige offen und offiziell homosexuell ist. Denn die Unsicherheit, mit der Situation umzugehen führt zu Misstrauen, Ablehnung und Aggression. Je nachdem welches Ansehen der Spieler in der Mannschaft hat, wird er mehr oder weniger psychisches und physisches Mobbing erfahren. Bei Sprüchen mit homosexuell-sexistischem Hintergrund gibt es fantasietechnisch keine Grenzen. Wir verzichten aus Jugendschutzgründen auf Beispiele.

Wie kann man das ändern? Kann man das überhaupt ändern?

Wir sind der Meinung: Jein. Grundsätzlich ja, aber nicht in absehbarer Zeit.

Es braucht sehr sehr viel Zeit und noch mehr Aufklärung, um diese Angst und Ablehnung vor bzw. von Homosexuellen aus den Köpfen der Männer und Jungen zu bekommen. Zudem braucht es mutige Spieler, die bereit sind, ein komplettes soziales Umfeld zu verlieren, für den Fall, nicht akzeptiert zu werden. Spieler, die bereit sind, sich psychischem und physischem Mobbing auszusetzen. Auf keinen Fall wollen wir uns anmaßen, über jeden Verein und jede Mannschaft Bescheid zu wissen. Es ist mehr eine Einschätzung der Lage auf den Plätzen und in den Kabinen. Viele, die man fragt, werden erstmal antworten, dass sie kein Problem mit Schwulen haben. Wenn es aber um die eigene Mannschaft geht und mit ihnen zusammen zu duschen, das geht dann doch wieder zu weit.

Wenn Profis sich outen, ist das ein guter Anfang. Wenn nicht nur ein Thomas Hitzlsperger sich outet, sondern auch aktive Profis, die eventuell noch über jeden Zweifel erhaben sind. Je mehr, desto besser. Werden homosexuelle Fußballprofis zur Normalität, so wird es leichter, diese auch im Amateurbereich zu akzeptieren.

Bis dahin wird noch sehr viel Zeit vergehen und es ist noch viel Arbeit nötig. Die Verbände und Vereine konzentrieren sich momentan auf das Thema Rassismus. Wenn man bedenkt, wie lange man schon dagegen kämpft und es immer noch nicht aus den Köpfen der Menschen ist, dann hat man eine ungefähre Ahnung davon, wie lange es dauern wird, bis Homosexualität im Fußball selbstverständlich wird.