Die Elite der Elite – Brauchen wir eine CL-Reform?

Die jüngsten Ergebnisse der laufenden Champions-League-Saison haben mal wieder die Frage nach dem sportlichen Niveau dieses Wettbewerbs aufgeworfen. Besonders Legia Warschau hat sich in dieser Gruppenphase, vor allem mit dem völlig absurden 8:4 gegen den BVB, besonders negativ hervorgetan.

Der ursprüngliche Gedanke des höchstrangigsten Europapokalwettbewerbs impliziert, dass sich alle Landesmeister in einem Turnier miteinander messen. Die Besten der Besten im direkten Wettstreit. Er nannte sich früher „Europapokal der Landesmeister“ und sollte die europäische Elite abbilden. Von 1955 bis 1992 wurde dieses Turnier ausgetragen, bis die UEFA die heutige Champions League etablierte. Der Begriff „Beste der Besten“ definierte sich damals aber noch eher regional, also quasi das Beste aus jedem Land. Der heutige Fussball aber ist strukturell – und damit auch sportlich – stark auseinandergedriftet. Die kleineren Ligen sind weit abgeschlagen von den fünf großen Ligen in Europa. Es stellt sich also die Frage:

Braucht die Champions League heutzutage wirklich die Teams aus den kleineren Ligen, wie Polen, der Schweiz, Bulgarien, Belgien, Kroatien oder Dänemark? Oder wäre der Wettbewerb mittlerweile attraktiver, wenn er nur aus Teams der größten Ligen bestehen würde?

Wir beleuchten diese Frage mal, indem wir Pro und Contra miteinander vergleichen.

CONTRA TEAMS AUS KLEINEN LIGEN

Die strukturellen und damit einhergehenden Verlagerungen der europäischen Ligen haben ein großes Ungleichgewicht erzeugt. Die Topligen aus Spanien, England, Deutschland, Italien und Frankreich arbeiten einfach mit einem vielfach höheren finanziellen Volumen, das alle anderen Ligen im Kampf um gute Spieler so gut wie chancenlos macht. Wenn die Manager aus den Topligen mit der glänzenden Stretchlimousine vorfahren, um neue Spieler zu rekrutieren, kann man in allen anderen Ländern mit der klapprigen Postkutsche nur wieder deprimiert abdrehen. Bedeutet: Die besten Spieler aus den Nicht-Topligen zieht es ohnehin früher oder später in die ganz großen Ligen. Somit ist es den Mannschaften aus kleinen Ligen auch nahezu unmöglich das sportliche Niveau der Topligateams auch nur ansatzweise halten zu können. Die Folge sind dementsprechend klare Ergebnisse in den direkten Duellen.

Legia Warschau präsentiert sich in dieser Saison als Musternegativbeispiel und hat nach fünf Spieltagen gerade mal einen Punkt und ein fast schon absurdes Torverhältnis von 8:24. Legia ist zwar amtierender polnischer Meister, aber anhand dieser Ergebnisse darf die Daseinsberechtigung in der Champions League schon hinterfragt werden. Auch ein  0:0 zwischen Basel und Rasgrad, wie an diesem fünften Spieltag, ist kein Spiel, das einen Fussballgourmet sabbernd vor dem Fernseher sitzen lässt.

Diese klaffende Lücke zwischen Arm und Reich im europäischen Fussball wird sich auch in den kommenden Jahren nicht schließen. Im Gegenteil: Sie wird noch größer werden, da die Kommerzialisierung im Fussball eher noch raumgreifender wird, als abschwächt. Wenn man also die Champions League als Gipfel des europäischen Fussballs definiert, muss man konsequenterweise das Teilnehmerfeld auf die größten Ligen beschränken. Somit wäre ein maximales sportliches Niveau garantiert und das Turnier würde verschlankt werden, was der Attraktivität zugutekommen würde. Die Elite der Elite wäre unter sich.

Alternativ könnte man dann zweit- und drittrangige Europapokalturniere etablieren, die dann unter den schwächeren Ligen ausgespielt werden. Diese hätten damit ebenfalls die realistische Aussicht auf sportliche Erfolge. Erste Gedanken zu solchen Auskopplungen gab es schon von skandinavischen Vereinen, die überlegen einen Wettbewerb untereinander auszuspielen. „Scandinavian Champions League“ würde doch ganz ansprechend klingen, oder?

PRO TEAMS AUS KLEINEN LIGEN

Das vielzitierte Salz in der Suppe unseres Sports sind doch die Sensationen. Wenn der Underdog den haushohen Favoriten ärgert, wenn David sich gegen Goliath auflehnt oder die arme Kirchenmaus plötzlich die Glocken läuten darf. Jüngstes Beispiel dürfte die 3:2-Niederlage des FC Bayern in Rostow gewesen sein. Ein kleiner russischer Club, der gefühlt mitten in der Tundra liegt und mit dem Glanz der Champions League so viel zu tun hat, wie Ribery mit Selbstbeherrschung. Diese Geschichten machen den Fussball gewissermaßen aus.

Außerdem ist es auch die Vielfalt an Teams, Ligen und Ländern, die den Wettbewerb bunt machen. Mannschaften, die sonst nur in ihrem eigenen Land im Fokus stehen, können in der Champions League auch international auf sich aufmerksam machen und so ihren Bekanntheitsgrad steigern. Der Fussball lebt außerdem schon immer auch von der Idee, dass alles jederzeit möglich ist. Grundsätzlich kann auch Legia Warschau das Turnier gewinnen, auch wenn es äußerst unrealistisch ist. Diese Idee von absoluter Gleichberechtigung fasziniert, auch die Fans. Dem Grunde nach sind es ja auch die Einnahmen aus der Champions League, die den Mannschaften aus kleinen Ligen die Möglichkeiten geben ihre Kaufkraft zu erweitern.

FAZIT

Eine Erhöhung der Exklusivität der Champions League würde mehr Vorteile mitbringen, als es beim jetzigen Modus zu belassen. Die kleineren Ligen hätten endlich realistische sportliche Erfolgschancen und könnten ihren Wettbewerb eigens vermarkten. Einen Aufstieg vom kleineren Wettbewerb in den größeren könnte man außerdem auch über die 5-Jahres-Wertung sicherstellen. So wäre auch noch eine Transparenz zwischen den Turnieren gegeben.

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