Angry Aki und das Fiasko

Es sei Watzke zugestanden, dass man als Vertreter einer Aktiengesellschaft auf der Jahreshauptversammlung der Aktionäre sich nun nicht unbedingt kleiner macht, als man ist. Schließlich will man Argumente liefern, weiter in den BVB zu investieren und bestenfalls den aktuellen Kurs noch nach oben zu hieven. Zurückhaltung und Tiefstapelei hat also dementsprechend wohl auch niemand erwartet. Doch was Watzke bei seiner Rede dort zum Besten gab, war nicht weniger, als ein verbaler Rundumschlag gegen alles und jeden, das jemals mit dem BVB in Verbindung stand oder steht. Aus der verbalen Gulaschkanone gab es vor allem für den Rivalen aus Gelsenkirchen Sprüche mit der ganz großen Kelle.

Provokation am Anschlag hatte er direkt mit folgendem Satz parat:

 „Wir sind jetzt der zweitgrößte Verein Deutschlands, wir haben die Blauen abgehängt und die werden uns auch nie wieder erreichen“

Okay, dass Dortmund derzeit der zweitgrößte deutsche Club ist, wird niemand bezweifeln. Aber Schalke für immer und alle Zeiten abgehängt? Darf bezweifelt werden. Nicht nur im blauen Teil des Ruhrgebiets. Die Antwort kam wenig später in Gestalt von Heidel: „Aki Watzke weiß eben, wie er auf einer BVB-Mitgliederversammlung zu Beifallsstürmen kommt: mit dem Thema Schalke 04. Da freue ich mich doch für Ihn“. Ziemlich locker reagiert, alle Achtung. Und wo er schon dabei war, hatte Watzke noch eine kurze Einschätzung zum Schalker Vorstoß im eSports-Bereich:

„Ich finde das komplett scheiße.“

Alles klar, Angry Aki scheint also kein Zocker zu sein. Und auch kein Verständnis für solche zu haben. Ohnehin ist er wohl an einem Stammtisch mit Skatrunde authentischer, als mit Controller in einer Hochglanzlounge.

Aber nicht nur Schalke bekommt sein Fett weg. Auch für andere Traditionsclubs hat Watzke ein paar warme Worte inpetto:

„Ich habe 2006 gesagt: Wir müssen wieder auf Augenhöhe mit Werder Bremen, dem VfB Stuttgart, dem Hamburger SV und Schalke 04 kommen. Klingt im Nachhinein wie Satire, war aber so“

Das ist mal eine klare Art zu sagen, dass diese Vereine heute nur noch ein schlechter Scherz sind. Demut ist in einem Saal voll mit BVB-Aktionären aber auch einfach keine echte Alternative.

Auch zwei „Experten“ waren vor Watzke nicht sicher. Die Kritik von Lehmann und Matthäus daran, dass Hummels nach dem Spiel gegen den FC Bayern noch in der BVB-Kabine vorbeischaute, kommentierte er so:

„Da könnte ich kotzen“

Hier muss man ihm sicherlich mal uneingeschränkt Recht geben. Matthäus und Lehmann fallen nicht zum ersten Mal damit auf, nur um des Kritisierens willens etwas zu kritisieren. Ihre Daseinsberechtigung bei Übertragungen ist mehr als fraglich.

Zum Schluss machte er auch nochmal aus der Abneigung gegen Tabellenführer RB Leipzig keinen Hehl:

„Wir haben wieder deutlich mehr Spannung – auch wenn wir diesen Tabellenführer nicht unbedingt brauchen“

Unlängst betonte Watzke bereits, dass Leipzig der erste Verein sei, bei dem es ohne Fundament ausschließlich darum geht eine Dose zu performen. Watzkes Performance jedenfalls dürfte ähnlich umstritten sein.

Fazit: Dass Watzke den Aktionären nicht erzählt, dass die Lage schlecht sei, ist klar. Dass er aber zu einem derartigen Rundumschlag ausholt, geht weit über die Zwecke einer solchen Versammlung hinaus. Nachdem der BVB nun sportlich wieder vollends in die Spur gefunden hat, hätte man besser weiter Ruhe performt, um die Form nicht zu gefährden. In der Form jedenfalls geriet Akis Rant gegen alles und jeden zu einem ziemlichen medialen Fiasko. Wer polarisieren will, sollte sich jedenfalls nicht außer Sichtweite des anderen Pols bewegen.

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Ein Kommentar zu “Angry Aki und das Fiasko”

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