Sehnsucht nach Oenning – Interview aus einer besseren Zeit

Nostalgie. Eins der gleichzeitig schönsten, aber auch wehmütigsten Gefühle. Weil man weiß, dass die gute, alte Zeit nicht mehr wiederkommen wird.

Die Lösung dafür könnte sein, sich einfach stets zu aktuellen Anlässen an die schönen Tage damals mit einem Lächeln zu erinnern. Genau diesen Gedanken hatten auch die, mittlerweile zu mittelstarker Internetberühmtheit gekommener, Jungs vom „Oenning’schen Fußballprinzip„.  Vom Fussballinteresse her groß geworden in den sportlich „rustikaleren“ Jahren  der Bundesliga um die Jahrtausendwende herum.

Warum es auch heute noch erfüllender sein kann die Kader von längst vergessenen Zweitligisten kurz nach dem Millenium auswendig zu lernen, als einem Brausehersteller heute dabei zuzusehen, wie er einen erfunden Club in die Bundesliga führt, haben wir in einem äußerst unterhaltsamen Interview herausfinden wollen.

Aber lest selbst!


DIAGO: Zunächst müssen wir euch die Gretchenfrage stellen: Anstoss 2 Gold mit den voreingestellten Fake-Namen oder mit Originalnamen-Patch?

Oenning’sches Fußballprinzip: Dieses Meisterwerk aus dem Hause Ascaron haben wir tatsächlich mit Fake-Namen gespielt. Namen wie Stefan Apfelberg, Jens Voremies und Hasan Pelihamidzic hatten einfach Stil. Außerdem ist das Downloaden von Originalnamen-Patches doch eh was für ehrenlose Schönwetterzocker: Wenn man schon realitätsgetreue oder aktualisierte Daten haben möchte, dann editiert man sich selbst die Finger wund! Machen wir heute noch so bei der Fußball-Manager-Reihe.
Einer von uns hat Anstoß 2 Gold übrigens im Garten seiner Großeltern gefunden. Komplett verpackt und mit Preisschild. Irgendjemand muss es dahin geschmissen haben. Wer auch immer das war: Danke dafür! Muss wohl eine Oenning’sche Fügung gewesen sein…

Nachdem wir das geklärt hätten, nun zu euch: Von außen betrachtet ist eure Seite ein nerdiges Potpurri aus dem Rezitieren von möglichst unbekannten Fussballern, vorwiegend aus der Bundesliga, zu aktuellen Anlässen und dem Schwelgen in Erinnerungen von dem, wie der Fussball mal vor 10 bis 20 Jahren war. Was ist die Grundidee hinter eurer Seite?

Uns geht einfach regelmäßig das Herz auf, wenn wir uns unsere alten Panini-Sammelalben und die Kicker-Sonderhefte anschauen. Was kann einen Menschen auch glücklicher machen, als die Namen längst in Vergessenheit geratener Spieler, wie Jeff Strasser, Sasa Ciric, Wilfried Sanou oder Bachirou Salou zu lesen? Dieses Gefühl wollen wir auch denjenigen bescheren, deren Mütter die alten Alben versehentlich in den Müll geschmissen haben.
Das waren im Übrigen dieselben Mütter, die auch die Fußballtrikots in Kindergrößen weggeschmissen haben und das damit begründet haben, dass die Trikots einem ja sowieso nicht mehr gepasst hätten…

War der Fussball, damals vor 10 bis 20 Jahren, besser oder sind die Erinnerungen daran nur positivere? Könnt ihr dem aktuellen Fussball noch etwas abgewinnen?

Qualitativ war der Fußball schlechter und langsamer, das lässt sich wohl kaum bestreiten. Aber damals wurde man im Stadion auch nicht von Selfie-Sticks und Klatschpappen belästigt, sondern von Bierduschen und Regenschauern übergossen. Und man musste sich im Internet nicht ständig durchlesen, dass die Bayern die Liga kaputtkaufen. Da hat jede Mannschaft 200% gegen die Münchner gegeben. Und wenn es am Ende 3 Rote Karten und 2 Schienbeinbrüche gab, dann war das halt so. Wie singen die Jungs von 21 Pilots so schön: “Wish we can turn back time; to the good old days“

In einer Zeit, in der es NICHT mehr Usus ist, dass Brasilianer grundsätzlich einige Tage zu spät aus dem Urlaub zur Vorbereitung kommen, weil sie den Flieger verpasst haben (natürlich), haben die medial glattgebügelten Profis heute nur noch sehr selten charakterliche Ecken und Kanten. Was meint ihr, woran das liegt?

Der Fußball mutiert spätestens seit der WM 2006 immer mehr zum Massenevent, in dem es primär nicht mehr um den Sport geht, sondern darum, möglichst viel Profit zu generieren. Spieler bzw. Angestellte, die ihre Meinung offen kundtun, passen da einfach nicht mehr rein. Wenn ein Spieler erst ein Marktwert ist, und dann ein Mensch, dann muss er sich auch einem marktwertorientierten Verhalten unterordnen… Wir vermissen einfach Typen, die ihre Mittelfinger zeigen, die beim Torjubel Botschaften auf ihren Unterhemden präsentieren und die sich im Training prügeln.

Wir als independent, nicht im geringsten Gewinn abwerfender Amateur-Fussballblog kennen das Zeitproblem eines solchen Projekts. Wie schafft ihr es in dieser Frequenz zu posten?

Wir studieren allesamt. Uns seien wir doch mal ehrlich: Bevor man sich mit Theorien von Bourdieu, Foucault oder Adam Smith auseinandersetzt, beschäftigt man sich doch viel lieber mit den Mannschaften von Rot-Weiß Oberhausen, Eintracht Trier und LR Ahlen aus dem Jahr 2003. Trier hatte zum Beispiel damals Milorad Pekovic im Sturm – für uns ein deutlich höherer Erkenntnisgewinn, als ihn uns das Studium jemals bieten könnte!

Besonders auffällig an eurer Seite ist außerdem der ungewöhnliche Name. Bestimmt habt ihr die Story schon drölfzig mal erzählen müssen, aber: Wie kam Michael Oenning zu der Ehre? Hat sein Kommentatoren-Sidekick von der WM 2002 Marcel Reif ihn empfohlen?

Wir saßen mal in gemütlicher Runde vor dem Fernseher und haben uns mit Freunden ein grauenhaftes Fußballspiel zwischen dem HSV und irgendeiner anderen Gurkentruppe angeschaut. In Ermangelung von Unterhaltung durch Bernardo Romeo, begannen wir über diesen emotionslosen Grottenkick zu sinnieren. Die Wurzel alles Bösen wurde ausgemacht und fortan als „Oenning’sches Fußballprinzips“ bezeichnet. Das wurde dann von Zeit zu Zeit zum geflügelten Wort. Dass der gute Mann jetzt Trainer vom zukünftigen Champions-League-Sieger Vasas Budapest ist, brauchen wir wohl nicht extra erwähnen.

Apropos Kommentatoren: Uns graust es ja oft, wenn professionelle (und gut bezahlte) Kommentaroren Spielernamen falsch nennen oder Fakten verdrehen. Kriegt ihr auch die Krise, wenn der Mann am Mikrofon beispielsweise den Vornamen von Sibusiso „The Puma“ Zuma, dem schnellsten Mann aus Bielefeld, nicht mehr kennt?

Bei blondgefärbten 0815-Spielern von Bielefeld kann sich natürlich mal ein Fehler einschleichen. Aber Stars, wie Sebastian Schweinsteiger von den Bayern oder Markus Marin von Gladbach sollte man richtig benennen können. An dieser Stelle würden wir uns übrigens gern als große Thurn-und-Taxis-Fans outen: Gibt’s was Schöneres, als dass er jeden x-beliebigen Spieler als “bulligen Internationalen“ bezeichnet? Egal, ob es sich dabei um Stuttgarts Philipp Lahm oder um Amsterdams Jaap Stam handelt. Erquickend ist es außerdem, wenn Fritz es schafft, Dennis Aogo in einem einzigen Spiel mit Eric-Maxim Choupo-Moting, Felipe Santana, Joel Matip, Gustavo Varela, Raffael, Mineiro, Dario Rodriguez, Orlando Engelaar und Zé Robert II zu verwechseln.

In euren Posts erwähnt ihr ja Massen an vergessenen Ex-Bundesligaprofis. Wenn ihr euch fussball-manager-mäßig einen Traumkader aus sympathischen Underdogs zusammenkaufen könntet, welche drei Spieler wären todsicher dabei?

Schwierige Frage! Cris von Leverkusen hätte auf jeden Fall gute Chancen. Bei Bayer 04 unterirdisch, bei Lyon später absolute Weltklasse. Des Weiteren hätte Francisco Copado gute Karten. Einen Goalgetter, der gleichzeitig der Schwager von Brazzo Salihamidzic ist, braucht man in jedem Team. Als Drittes würden wir jetzt noch einen Mann mit einem schönen Namen auswählen wollen. Unsere Lieblingskongolesen Macchambes Younga-Mouhani, Rolf-Christel Guié-Mien und Jean Tsoumou-Madza kämen da in Betracht. Oder natürlich Ahmed Reda Madouni.

Normal hätten wir ja Pascal Borel, Ingo Hertzsch und Thomas Kläsener aufzählen wollen, aber diese Ganoven meinten ja, ihre hübschen Karrieren bei RB Leipzig ausklingen zu lassen.

Zum Abschluss noch eine der wichtigsten Fragen der Fussballhistorie: Wären wir 2002 in Yokohama Weltmeister geworden, wenn Ballack nicht gesperrt gewesen wäre?

Wer Mannschaften wie Paraguay, die USA und Südkorea geschlagen hat, der hat es auch verdient, Weltmeister zu werden. Dass Ballack im Finale gegen die Brasilianer um Ratinho, Marcelo Pletsch, Tinga und Thiago Neves gesperrt war, war im Prinzip egal. Wären wir in der Position von Tante Käthe gewesen, dann hätten wir den Capitano damals gar nicht erst für das Turnier nominiert, sondern hätten Stefan Beinlich oder Holger Wehlage mitgenommen. Dann hätten die Burschen den Pott mit Sicherheit nach Deutschland gebracht. Aber nach drei Weizenbieren lässt sich das jetzt aus unserem Studio auch leicht sagen…

Gibt’s sonst noch etwas, was ihr loswerden wollt?

Um nochmal explizite Werbung in eigener Sache zu machen: Am 17. September um kurz nach 21 Uhr auf jeden Fall unseren Post zum Oktoberfest lesen!


Und diesen Post findet ihr, wie viele weitere, auf der Facebookseite des Oenning’schen Fußballprinzip. Einfach anklicken:

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