El Superplástico

Dass das Duell Hoffenheim gegen Leipzig der „Plástico“ sei, ist natürlich Quatsch. Diesen Namen hat sich die Partie Leverkusen – Wolfsburg schon erarbeitet. Daher müsste man hier wohl folgerichtig vom „Superplástico“ sprechen.

Die Bundesligasaison 2016/2017 ist gerade mal einen einzigen Spieltag alt und wurde bereits Zeuge des ersten Gipfeltreffens. „Was für ein Gipfel denn?“ werden sich viele zurecht fragen. Dortmund und Bayern haben schließlich nicht gegeneinander gespielt. Gemeint ist nicht der sportliche Bundesligagipfel. Sondern vielmehr der „Gipfel der Unsympathen“. Wenn man, wie etwa beim allseits bekannten Familienduell,  100 Leute unabhängig voneinander befragen würde, wer denn die beiden unbeliebtesten Vereine in der Bundesliga sind, würden wohl etwa 99 Antworten: RB Leipzig und die TSG Hoffenheim. Den einen schwarz-gelben Hardliner, der vielleicht „Schalke und nomma‘ Schalke“ geantwortet hätte, können wir mal außen vor lassen. So klar, wie die Meinungen zu den beiden Clubs sind, so wirft es natürlich die Frage auf: Warum konzentriert sich die gesamte Abneigung der Fans auf Leipzig und Hoffenheim?

Tradition ist für weite Teile der Fans das teuerste Gut und Fundament der Identität eines Vereins. Sie unterstellen eine Daseinsberechtigung nur, wenn ein Club eine lange Geschichte vorweisen kann. Vergangene Erfolge, Beständigkeit, ein breites Einzugsgebiet und eine daraus resultierende Fanbasis sind die wichtigsten Faktoren. Neben den sportlichen Aspekten zählen aber auch die monetären. Ein Verein darf niemals das finanzielle Heft des Handelns aus der Hand geben. Geld ist erwünscht, jedoch ohne entscheidende Einflussnahme. Diese Kriterien erfüllen weder die TSG aus Hoffenheim, noch der Leipziger Rasenballsport.

Hoffenheim wird finanziert durch die Millionen von SAP-Mitbegründer Dietmar Hopp, der das Projekt mit seiner TSG stets als Herzensangelegenheit bezeichnete. Er schaffte es seinen Heimatverein quasi aus der Kreisliga bis hoch in die Bundesliga zu katapultieren. Zwar war dies nur mit hohen Investitionen möglich, doch auf den ersten Blick klingt die Geschichte wie die Fussballromantiker-Story schlechthin. Von der harten Asche der Kreisliga, bis auf den federweichen Hightech-Rasen in der Bundesliga.  Und doch wird der TSG seit ihrer Ankunft im Fussballoberhaus viel Hass entgegengebracht. Hauptsächlich, weil der Verein mit Geld arbeiten würde, das man sich nicht selbst erarbeitet hat. Das ist wohl korrekt, jedoch würde kein Bundesligaverein ohne Sponsorengelder überleben. Objektiv betrachtet ist es als Fan doch beruhigender zu wissen, dass der Verein von einem Mäzen finanziert wird, dem dieser am Herzen liegt, als von Sponsoren, die sich eine Marketingplattform erkaufen.

Hier kommt dann RB Leipzig ins Spiel. Auch dieser Verein wurde fremdfinanziert in die  Bundesliga gebracht. Doch steht hier nicht ein emotionaler Mäzen dahinter, sondern mit Red Bull ein Unternehmen, das den Verein quasi aus dem Boden stampfte. Die Vermutung, dass hier eine langfristige Werbeplattform etabliert werden soll liegt nahe. Allerdings ist die argumentative Angriffsfläche auf der sportlichen Ebene deutlich geringer. Hier setzt man fast ausschließlich auf junge, talentierte U23-Spieler, denen man die Möglichkeit bieten will sich zu beweisen. Ebenso wird die Jugendarbeit mit aufwändigen Leistungszentren forciert.

Es lässt sich also erkennen, dass man beide Vereine differenziert voneinander betrachten sollte. Auf der sportlichen Ebene hingegen kann man beiden eigentlich keinen Vorwurf machen. Nachhaltige Arbeit steht über allem. Das dürfte auch der Grund sein, weshalb das direkte Duell der beiden Clubs am vergangenen Sonntag wesentlich mehr Fernsehzuschauer anlockte, als zuvor angenommen. Die TSG-Fans grüßten zwar noch spöttisch die „4 Sky-Zuschauer“, doch die Wahrheit sah anders aus. Mit 460.000 Zuschauern war es die meistgesehenste Partie des Spieltags. Das Interesse ist also sehr wohl da.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass in Leipzig und Hoffenheim sicher nicht alles „plastik“ ist. Eine differenzierte Betrachtung würde vielen traditionsorientierten Fans sehr gut tun.

Advertisements

Ein Kommentar zu “El Superplástico”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s