In taktischer Schönheit gestorben

„Ein Null-Null der besseren Sorte“ – So könnte man das nun vergangene Pokalfinale in einem Satz zusammenfassen, wenn man es sich ganz einfach machen will. Doch die Torlosigkeit ist eben nur das offensichtliche Merkmal dieser Partie gewesen.

Aus Sicht des FC Bayern war das Finale eine fast komplett runde Sache. Man kann im nachhinein resümieren, dass man in den 120 Minuten von Berlin als Favorit größtenteils spielbestimmend war, nur wenige wirklich gefährliche Konter zugelassen hat und am Ende vom Punkt auch noch die besseren Nerven hatte. Lediglich die Tatsache, dass man aus der Feldüberlegenheit das Spiel hätte eher entscheiden können, das war verbesserungsfähig.

Etwas diffiziler muss man die Leistung des BVB bewerten. Man hat mit den Bayern eine enorm spielstarke und variable Mannschaft sehr diszipliniert und vor allem erfolgreich verteidigt. Taktisch wurden im defensiven Bereich fast keine Fehler gemacht, wodurch die wirklich zwingenden Chancen der Münchner an einer Hand abzählbar waren. Das darf man absolut berechtigt als großes Lob auffassen. Vor allem Trainer Tuchel. Nach vorne hingegen hatten die Schwarz-Gelben selber lediglich einige Konterchancen, die letztlich ungenutzt blieben.

Das wiederum darf man durchaus als Enttäuschung feststellen, denn hier stand immerhin die beste Offensive der abgelaufenen Bundesligasaison auf dem Platz. Echte Druckphasen, in denen man den Gegner mal länger in der eigenen Hälfte beschäftigte, gab es fast gar nicht. Da muss man sich dann schon die Frage stellen, warum die Dortmunder nicht mutiger agierten und die Bayern wenigstens versuchten dauerhaft zu beschäftigen und vor Aufgaben zu stellen. Selbstverständlich ist defensive Disziplin gegen einen so starken Gegner, wie den FCB unabdingbar, um nicht unterzugehen. Doch ohne eben diesen offensiven Mut und die Bereitschaft ins Risiko zu gehen, wartet man als Gegner der Bayern auf einen Tod auf Raten. Spätestens im Elfmeterschießen, denn da wartet eben kein geringerer, als Manuel Neuer, der pauschal bereits die Chancen in der Elfmeterlotterie für den Gegner verkleinert.

Die taktisch so sichere Grundordnung lässt sich nur durch konsequente Provokation des taktischen Chaos ins Wanken bringen. So, wie es Atletico Madrid im Halbfinale der Champions League schaffte. Mit konsequentem Anlaufen, harter Zweikampfführung und Ausnutzen der gesamten Palette des Erlaubten, sowie auch der regeltechnischen Grauzone.  Der BVB hatte emotional anfällige Spieler, wie Ribery und Vidal bereits recht früh in der Partie mit einer gelben Karte belastet. Mit etwas taktisch klugem Sticheln in den Zweikämpfen hätte man hier eventuell einen Platzverweis provozieren können. Ribery hatte man ja bereits schon am Rande eines solchen. Das soll kein Aufruf zur Unfairness sein, doch eine gewisse Cleverness und das Ausnutzen des gesamten Reglements sind auch Mosaiksteine auf dem Weg zu einem Erfolg gegen den FCB. In dem Bereich war Dortmund schlichtweg zu „lieb“ und zurückhaltend.

Es bleibt das Fazit, dass der BVB hätte in dieser Partie öfter das Risiko suchen müssen. Was hatte man schon zu verlieren? Bayern war ohnehin Favorit. Warum also nicht, wie Atletico mutig und selbstbewusst das eigene Spiel aufzwingen? Natürlich hätte das schief gehen können, doch ein Versuch wäre es wert gewesen.

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