Audi Cup – Der gelebte Bayern-Bonus

Audi Cup live und in voller Länge im öffentlich rechtlichen Fernsehen. Das hat seit einigen Jahren Tradition in jeder Sommerpause. Nun, zunächst mal etwas ganz Banales: Der Audi Cup in München ist – auch wenn er noch so professionell aufgezogen wird und es einen formschönen Silberpokal zu gewinnen gibt – KEIN offizieller FIFA- oder UEFA-Titel. Nein, es ist auch kein Titel des DFB oder der DFL. Dieser Titel ist ein Erfundener. Er steht in keinem Vereinsbriefkopf und taucht auch (hoffentlich, wir haben es nicht im Einzelnen kontrolliert) in keiner Vita eines Spielers, die man beispielsweise auf deren Homepage lesen kann, auf. Wir haben auch noch nie ein Fanbanner oder ein Siegershirt gesehen, auf dem der Gewinn des Audi Cups verewigt wird. Dieser Titel hat also keine sportliche Bedeutung in der Welt des Fussballs und darf maximal ein kleines Sahnehäubchen auf einer erfolgreichen Vorbereitung sein.

Dass er trotzdem ausgespielt wird, ist aber natürlich vollkommen in Ordnung. Der FC Bayern schafft somit ein kleines Zwischenevent für seine Fans in der langen Sommerpause und gibt seiner Mannschaft eine Möglichkeit unter konstruierten Champions-League-Bedingungen gegen internationale Topgegner zu testen. Das ist wichtig für die sportliche Vorbereitung und andere deutsche Clubs machen es schließlich genauso. Hinzu kommen selbstverständlich auch einige Einnahmen durch Tickets, TV-Rechte und anderen vermarktungsrelevanten Dingen.

Doch was leider vielen Nicht-Bayern-Fans in Deutschland sauer aufstößt, ist die Tatsache, dass dieser Cup in seiner gesamten Länge inklusive Vorberichterstattung von öffentlich-rechtlichen TV-Sendern, diesmal vom ZDF höchstpersönlich und seinem Ableger ZDFinfo, übertragen wird. Und das zur allerbesten Sendezeit. Mit welcher Berechtigung wird ein inoffizielles Vorbereitungsturnier des FC Bayern München live und an zwei Tagen im öffentlich-rechtlichen TV übertragen, während das bei anderen Bundesligavereinen nicht der Fall ist? Denn auch diese haben zahlreiche Testspiele gegen europäische Fussballprominenz bestritten.

Gut, machen wir uns nichts vor: Die Begründung ist natürlich die, dass der FCB deutschlandweit das meiste Interesse auf sich zieht und somit am gewinnbringendsten zu vermarkten ist. Hohe Einschaltquoten sind damit garantiert. Wir hätten an dieser Stelle auch kein Problem, wenn das Turnier von einem privaten Sender übertragen worden wäre. Denn für den sind die Quoten selbstredend überlebenswichtig. Ein öffentlich-rechtlicher Sender, wie das ZDF, unterliegt allerdings einem anderen Reglement. Dieser ist durch Rundfunkgebühren finanziert und hat mit diesen bestimmte Auflagen zu erfüllen. Zum einen sollte ein ausgewogenes Maß an Sportarten gezeigt werden. Dass das bei der übermächtigen Stellung des Fussballs in Deutschland schwer machbar ist, ist schon richtig. Aber ein, wie eingangs erwähnt, inoffizielles Testturnier an zwei Tagen zur Primetime zu zeigen, ist ein Schlag ins Gesicht für alle anderen Sportarten.

Desweiteren wird dem Branchenprimus FC Bayern ein unnötig höheres Maß an Aufmerksamkeit gegenüber den übrigen Bundesligisten entgegengebracht, was logischerweise dazu führt, dass diese Vormachtstellung weiter gestärkt und ausgebaut wird. Hier sollte es eigentlich im Interesse von ARD und ZDF sein eine höchstmögliche Neutralität an den Tag zu legen. Verknüpft mit dieser höheren medialen Aufmerksamkeit ist der finanzielle Aspekt. Der finanzstärkste Verein wird damit noch weiter unterstützt, was die ohnehin weit geöffnete Schere zum Rest des Liga nicht gerade schließt.

Außerdem gilt nach 20 Uhr für die öffentlich-rechtlichen Sender eigentlich zu beachten, dass keinerlei Werbung gemacht werden darf. Da das Turnier aber nun mal Audi Cup heißt und Audi eine Marke ist, kommt man nicht umher das auch zu erwähnen. In den Statuten der Öffentlich-Rechtlichen heißt es zwar:

„Außerhalb dieser Zeit (gemeint ist nach 20 Uhr) ist mit Ausnahme der Übertragung von Großereignissen kein Sponsoring zulässig“

Ob der Audi Cup ein Großereignis ist? Nunja, mindestens diskussionswürdig.

Alles in allem bleibt ein sehr fader Beigeschmack, den das ZDF mit der Übertragung des Audi Cup hinterlässt. Der vielzitierte „Bayern-Bonus“ wird hier offenbar sehr ausgiebig gelebt. Unabhängig davon, dass er auf dem Platz nicht wirklich existiert.

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2 Kommentare zu “Audi Cup – Der gelebte Bayern-Bonus”

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