Götze und die Suche nach dem Sinn

Mario Götzes Wechsel im Sommer 2013 zum FC Bayern war nicht weniger, als eine Verheißung. Eine Verheißung für den gesamten deutschen Fussball. Guardiola holte ihn nach München, um ihn dem Vernehmen nach zu seinem „neuen Messi“ zu machen. Messi, mutmaßlich der beste Fussballer, den dieser Planet bislang gesehen hat. Hier von einer simplen Drucksituation für Götze zu sprechen wäre eine absurde Untertreibung. Auf ihm lasten die Erwartungen nicht weniger, als ein Weltklasse-Spieler zu werden, der eine ganze Spielergeneration bestimmt. Die Vorzeichen waren schließlich überragend: Profidebüt mit 17, danach ein rasanter Aufstieg zum Leistungsträger und Edeltalent bei Borussia Dortmund. Dann der Wechsel nach München mit viel Getöse. Dass sich Götze bei diesem Transfer nicht korrekt verhalten hat, ist unbestritten. Doch die enormen emotionalen Reaktionen darauf sind eben auch in dem großen Talent von Götze begründet. Bei einem „normalen“ Talent wären die Reaktionen niemals in dieser Intensität ausgeartet. Das alles sind Indizien dafür, dass Götze in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit immer eine Sonderrolle spielt.

Zwei Jahre nach seinem Wechsel zum FCB steht Götze nun am Scheideweg. Er konnte in den vergangenen beiden Spielzeiten nie langfristig überzeugen, zuletzt saß er in den wichtigen Spielen nur noch auf der Bank. Wenn er spielte, wurde er von Guardiola meistens nicht auf seiner Sahneposition (Zehn) eingesetzt, sondern eher auf den Flügeln oder ganz vorne auf der falschen Neun. Dort kam er nie wirklich klar, tauchte oft ab und wirkte sogar lustlos. Immer wieder hörte man aus seinem Umfeld, dass Guardiola selbst wenig mit ihm redet, ihn nicht voll einbindet. Fatal für einen Spieler, wie Götze, der von seinem Naturell her durchaus Streicheleinheiten für das Ego braucht. Nicht zuletzt Löw bewies im WM-Finale mit seinem „Zeig der Welt-Spruch“  wie man ihn bestmöglich mental kitzeln kann.

Es ist nicht zu übersehen, dass von ihm stets erwartet wird, dass er voran geht. Eine Mannschaft mit seinem Können mitzieht. Im Stile eines Pirlos, Zidanes oder eben Messis. Doch diese Rolle passt einfach nicht zu ihm. Götze ist kein Leader. Götze ist ein edler Sidekick. Einer, der neben einer funktionierenden Achse, die das Team zieht, eine hervorragende Ergänzung für die zauberhaften Momente sein kann. In seinen BVB-Jahren wurde das System von Spielern, wie Hummels, Sahin, Piszczek, Kuba, Lewandowski oder Kehl als Gerüst getragen. Neben diesen arbeitenden, antreibenden und ordnenden Kräften hatte Götze die Freiheiten mit seinen enormen technischen Fähigkeiten die besonderen Momente heraufzubeschwören. Diese Rolle war ihm wie auf den Leib geschneidert und er erreichte Leistungshöhen, die ihn zu einem der begehrtesten Talente der Welt machten.

Nichtsdestotrotz entschuldigt das nicht die zweifelsohne vorhandenen lustlosen Auftritte Götzes. Doch die schlichtweg falsch kanalisierten Erwartungen an ihn sind zumindest eine Begründung. Vielleicht erwartet Götze aber auch noch von sich selbst, dass er diese Leader-Rolle spielt, weil es ihm eben immer wieder von Fans, Beratern und auch Trainern eingeredet wird. Und müht sich daran vergebens ab.

Bislang erklärten sowohl Götze selbst, als auch sein Trainer Guardiola immer wieder medienwirksam wie positiv die Zusammenarbeit doch wäre. Besonders Guardiola hatte vor der Presse immer wieder blumige Worte für ihn parat. Wie viel wirklich dahintersteckt, sei dahin gestellt. Während des Audi Cups hörte man nun erstmals in einem Interview Töne heraus, die bedeuten könnten, dass Götze selbst durchaus an einen Wechsel denkt.

„Wir werden sehen, was passiert.“

Und angesprochen auf die Kommunikation mit Guardiola:

„Es wird sich rausstellen, ob er öfter mit mir spricht. Ich lasse das auf mich zukommen, alles weitere wird man sehen.“

Klingt alles andere, als nach einem funktionierenden Spieler-Trainer-Verhältnis. Wie kann also eine Lösung aussehen? Dass Götze unter Guardiola noch glücklich wird, scheint immer unwahrscheinlicher. Dass Guardiola über die kommende Saison hinaus  noch Trainer beim FC Bayern bleibt, aber ebenso. Götze könnte also noch eine Saison „ertragen“, um dann bei einem neuen Trainer unter neuen Bedingungen durchzustarten. Doch ob es dazu kommt oder wer dann nun Guardiola beerben wird ist sehr vage und nichts worauf man sich verlassen kann. Ebenso blieben die riesigen Erwartungen des Bayern-Umfeldes, die ihn weiter als Königstransfer und Verheißung des deutschen Fussballs sehen werden.

Es bleibt die Alternative eines Wechsels. In einem ganz neuen Umfeld, ohne den hochemotionalen Bezug zu seinem Transfer vom BVB damals, kann er vielleicht nochmal neu beginnen und ein anderes Image aufbauen, was ihm eher gerecht wird. Problematisch wird dabei nur, dass der Verein Bayern München sich mit einem Verkauf von Mario Götze einen Fehler eingestehen müsste. Ob man dazu bereit ist, bleibt Stand jetzt fraglich. Letztlich scheint ein Wechsel aber die effektivste Lösung zu sein, um den Spieler Mario Götze wieder in das rechte Licht zu rücken.  Zeit genug bliebe in diesem Transferfenster noch.

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2 Kommentare zu “Götze und die Suche nach dem Sinn”

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