Erfolg, Treue oder Wahnsinn – Das Phänomen Trikotkauf

Es gibt eine Menge Dinge, die wir in der Sommerpause machen können, um sie zu überbrücken: Bundesliga Pur Classics gucken, die Highlights der WM 2014 genießen, den DFB-U-Mannschaften zujubeln oder am Ende gar Frauenfußball erleben. Währenddessen wird gegrillt und wir spekulieren über Transfers und welcher Trainer als nächstes ausgetauscht wird.

Wofür die Sommerpause allerdings auch herhalten muss: Der Kauf eines neuen Trikots. Neue Saison, neue Trikots. Das ist ein Naturgesetz, so regelmäßig und unverrückbar, wie der Trainerwechsel beim HSV.

Doch, wer kauft sich jede Saison immer wieder das neuste Trikot? Welche Vereine schneiden gut ab, welche hinken hinterher?

Die Blogabteilung unserer Kollegen vom Preisvergleichsportal idealo.de nutzten jüngst ihre Klick- und Verkaufszahlen, um genau das herauszufinden: Welcher Verein ist „Trikotmeister“, wer steigt ab?

Wir haben uns den Artikel einmal angeschaut und folgende Eckpunkte für einen guten Absatz ermittelt:

1. Erfolg – macht sexy

In der Liga und im Laden, immer das gleiche Bild: Alle strengen sich an, am Ende gewinnen die Bayern. Mit Marktanteilen von 50-60% dominiert der Branchenprimus nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Online-Trikotnachfrage den Markt. Bevor jetzt irgendjemand auf die Idee kommt „Erfolgsfans“ zu schreiben: Erfolg ist nicht alles. So sank die Nachfrage nach BVB-Trikots nach der Meistersaison rapide von über 30% auf unter 15%.

2. Tradition – Die Macht der Gewohnheit

Erfolg spült Geld in die Kassen, lässt aber noch lange nicht den Trikotverkauf explodieren. So belegten diese Saison zum Beispiel Wolfsburg und Leverkusen nur die Ränge 9 und 11 im Verkauf, während der Effzeh es zum Beispiel sogar auf Platz 6 schaffte und eine später genannte Überraschungsmannschaft sogar noch höher. Bei BVB und S04 ist es nicht ganz so leicht zwischen Traditionskauf und Erfolgskauf zu unterscheiden. Gut, nehmen wir den S04 diese Saison mal raus, was „Erfolg“ angeht. Aber fest steht: Auch bei diesen Vereinen sinkt die Zahl der Trikots mit Misserfolg oder -management. So kann „Eche Liebe“ schnell zu „nur Freunde“ und „Wir leben dich“ schnell zu „Wir leben uns auseinander“ werden. Der BVB landete diese Saison hinter dem FCB auf dem 2. Platz, während sich Schalke trotz Differenzen zwischen Vereinsführung und Fans noch über den 5. Platz freuen kann.

3. Konstanz – Der Weg der Geduld

Borussia Mönchengladbach zeigt: Wer langsam, aber stetig besser und erfolgreicher wird, dem ist der Fußballdeutsche irgendwann positiv geneigt. Dazu dann ein unaufgeregtes Management – schon brummt der Markt. Das belegt auch ein respektabler vierter Platz im Trikot-Ranking diese Saison. Kurze schnelle Erfolge sorgen nur bei Wenigen für einen nachhaltigen Trikotkauf. So landete der FC Augsburg diese Saison zwar auf dem 5. Platz, reiht sich aber beim Trikotinteresse irgendwo im nirgendwo auf dem 13. Platz ein. Allerdings muss man beachten, dass der Trikotverkauf auch häufiger mal eine Saison versetzt eintritt – also darf der FCA durchaus noch hoffen.

4. Profil – Be yourself

Manschaften ohne Präsenz und Profil ziehen kaum Aufmerksamkeit auf sich. Wenn die eigene Fanbasis relativ klein ist, kann man nur Trikots verkaufen mit Erfolg, oder mit einem guten Marketing. Beides scheinen unsere vier Schlusslichter Hannover, Freiburg, Paderborn und zum Schluss Mainz nicht zu besitzen. Gerade bei Vereinen wie Freiburg und Mainz, die eher zu den sympathischeren Teams gehören, ist das zumindest schade, aber auch nicht völlig abwegig.

5. Chaos – Hamburg, meine Güte

Da es hierfür wirklich absolut keine Erklärung gibt, bekommt der HSV seine eigene Kategorie. Kurzer Rückblick: In der Saison 2013/14 grauenhafter Fußball, seit 2013 (Cardoso und Knäbel mitgezählt) SIEBEN verschiedene Trainer, mehr als schmeichelhaft in der Relegation die Klasse gehalten und in der letzten Saison genau so grauenhaft erneut die Klasse gehalten. Diese beiden Saisons soll man noch mit knapp 90 Tacken pro Trikot (Stutzen und Hosen exklusive) unterstützen!? Offensichtlich beantworten sehr viele Fans diese Frage mit: Ja. Denn dieser HSV schafft es, sich im aktuellen Trikotverkauf auf den dritten Platz hinter Bayern München und dem BVB zu platzieren.

Diese Käufer kann man grob in drei Kategorien einteilen:

1. Hipster SV: Man will sich abheben, um zu provozieren, anders zu sein

2. 50 Shades of Stay (in Liga 1): Man steht darauf, sich selbst finanziell und sozial zu bestrafen

3. Was für’s Seelerheil: Man hat Mitleid mit einem mittellosen Verein und „spendet“ das Geld – dafür gibt es ein Adidas-Shirt

Mal Spaß beiseite: Wahrscheinlich wollten am Ende alle das letzte Erstliga-Trikot des HSV haben- tja Jungs (und Mädels, wollen schließlich keinen #Aufschrei provozieren), Pech gehabt. Aber die nächste Saison kommt bald!

Im Großen und Ganzen sind das für uns die Hauptgründe für den Trikotkauf. Auch wenn die Designer von Adidas, Nike, Kappa, Puma und Erima gerne mal ihren inneren Ed-Hardy rauslassen – gekauft wird trotzdem.

Und absolute Design-Blutgrätschen gab es schon immer.
Ob Regenbogen-Bochum (99/00):

Carmouflage-Knappen (92/93):

oder jedes Torwarttrikot aus den 80ern und 90ern (Repräsentatives Beispiel):

Hauptsache es fällt auf. Apropos Torwarttrikot: Auch in der heutigen Zeit greift der ein oder anderen Trikot Designer, wie man seit Tim Wiese weiß, gern mal in die Trickkiste. Aktuellstes Beispiel: Das Torwarttrikot der TSG aus Hoffenheim. Knallgrün mit „ich schmeiße schwarze Farbe drüber und nenne es Kunst“ -Muster.

Zusammenfassend ist der Trikotverkauf vergleichbar mit zwischenmenschlichen Beziehungen: Es kommt nicht auf das Äußere an, sondern 1. darauf, wer drin steckt und 2. ob er Erfolg hat.

Es sei denn, es geht um Hamburg. Da sind alle verrückt.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Erfolg, Treue oder Wahnsinn – Das Phänomen Trikotkauf”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s