Die Derby-Niederlage – Ein Fehler des Systems?

Das Revierderby vom 28.02.2015 – möglicherweise eine Wende für beide betroffenen Mannschaften. Während der BVB mit dem vierten Sieg in Folge wieder auf Europapokalplätze hoffen darf, muss sich die Schalker Führungsriege nach 4 Niederlagen in den letzten 5 Spielen erneut hinterfragen.

Ich persönlich rechnete ehrlich gesagt mit einem völlig unspektakulären 0:0. Konsequenter Mauerfussball in Blau-Weiß trifft auf unkreativen und uninspirierten Offensivfußball in Schwarz-Gelb – Gähn.

Ich irrte mich. Am Ende hat Schalke 04 Glück, nicht schon in der ersten Halbzeit 4:0 zurückzuliegen. An dieser Stelle Dank an Timon Wellenreuther und an die Dortmunder Abschlussschwäche. In der zweiten Halbzeit dann zwar konzentriertere Defensive der Schalker, aber durch ein Billiardtor, eine kollektive Schnarchpartie und einen geistigen Aussetzer des sonst starken Wellenreuther endet das Spiel 3:0 für den BVB. Hochverdient und eventuell zu niedrig.

Ich arbeite das ganze Mal etwas auf und befasse mich mit folgenden Schwerpunkten: Gründe für die Niederlage, Reaktion der Fans und schlussendlich Kritik am System. Oder wie man in der Dönerbude seines Vertrauens sagt: Einmal mit Alles und scharf!

Die Gründe für die Niederlage scheinen auf den ersten Blick offensichtlich. 31:3 Torschüsse für die Borussia aus Dortmund, 65% Ballbesitz und einer Passquote von bemerkenswerten 82% gegenüber nur 68% auf Seiten der Gelsenkirchener. Wer sich keine Chancen erarbeitet, kann keine Tore schießen, wer keine Tore schießt, kann nicht gewinnen. An dieser Stelle lieben Gruß an Jörg Wontorra, schreib mir die 6 Schleifen auf den Deckel. Ich zahl dann, wenn ich das nächste Mal im Doppelpass sitze.

Die Fans gehen jetzt in den sozialen Netzwerken (Anonymität ist was Feines) auf die Barrikaden: Blutleer, leidenschaftslos, unwürdig. Das sind noch die nettesten Beschreibungen des Auftrittes. Abgesehen von der Tatsache, dass das bei einem 0:0 oder gar einem 0:1 scheißegal gewesen wäre, weil man sich über die Doofheit der Borussen gefreut hätte, aus 31 Torschüssen kein Tor zu erzielen – Berücksichtigt bei all eurer Emotion die taktische Ausrichtung. Sie ist nicht auf Lauffreudigkeit, Ballbesitz und Pressing ausgelegt. Und gerade Auswärts gehört es fast schon zum guten Ton, auf Konter zu spielen. Darüberhinaus fehlte es an offensiven Aktionen, diese Kombination erzeugt meines Erachtens der Eindruck des mangelnden Kampfes.

Die Offensivschwäche ist meiner Ansicht nach auch das zentrale Problem in der aktuellen Situation. Es ist entweder das falsche System für die Mannschaft, oder die falsche Mannschaft für das System. Grundsätzlich kann man sagen: Die Defensive der Schalker ist durchaus in der Lage, das taktische System effektiv und konsequent zu spielen, wie man schon einige Male, zum Beispiel gegen Real Madrid gesehen hat. Wenn man aber nach vorne keine Gefahr aufbaut, macht man es dem Gegner leicht.

Was gegen den BVB noch dazu fehlte, war Konsequenz und Laufwillen im Zentrum vor der Abwehr. Dadurch hatte der BVB viele Räume und konnte sich damit auch viele Chancen erarbeiten. Das ist der einzige Punkt, an dem ich bereit bin, auch vorbehaltlos von mangelnder Einstellung zu sprechen.

Der Fehler im System ist die Offensivqualität. Es fehlen kreative Spieler im Mittelfeld und explosive oder zumindest schnelle Spieler im Sturm. Farfan und Draxler verletzt, die Sechser kaum kreativ oder spielgestaltend, Boateng und Huntelaar nicht schnell und explosiv genug. Für so ein System ist ein Stürmer wie Huntelaar verheizte Qualität. Man verlängert seinen Vertrag, zahlt ihm eine Wahnsinnssumme und kann ihn nicht gebrauchen? Da muss sich Horst Heldt Kritik gefallen lassen. Entweder in der Wahl seiner Spieler, oder in der Wahl des Trainers.

Mit schnellen, flexiblen Angreifern und mit einem Sechser mit Spielmacherqualität kann Di Matteo Schalke 04 mit diesem System in die CL führen. Ohne Verstärkung werden sie es, wenn überhaupt auf den CL-Quali-Platz retten. Ein Überholen durch den BVB wäre katastrophal, aber nicht unmöglich.

Schlussendlich kam das Derby genau zur rechten Zeit: Noch hat man die Möglichkeit, oben zu bleiben. Auch die Kaderqualität für einen Platz unter den ersten 4 hat man. Die Frage die bleibt ist: Schafft es Di Matteo, ein System zu spielen, was zur Mannschaft passt? Denn auch so etwas macht einen guten Trainer aus.

Fazit: Schalke 04 hat akut Nachholbedarf. Entweder rüstet Heldt in der Offensive nach und schafft somit die Grundlage für eine erfolgreiche Umsetzung des Systems. Das wird frühestens in der Sommerpause passieren. Die zweite Möglichkeit: Di Matteo passt seine taktische Ausrichtung an das vorhandene Spielermaterial an. Am Ende befürchte ich jedoch, der FC Schalke 04 wird einfach genau so weitermachen und sich mit Ach und Krach auf den vierten Platz mogeln.

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2 Kommentare zu “Die Derby-Niederlage – Ein Fehler des Systems?”

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