FIFA Puskás-Award: Die Glück/Können-Analyse

In England nennt man sie „Screamer“, in Spanien sagt man „Golazo“ und hier bei uns einfach „Traumtor“. Die Tore, die noch lange in Erinnerung bleiben, egal wie wichtig sie am Ende für den Spielstand waren. Oder mal gerne mit solchen aus der virtuellen Welt bei FIFA verglichen werden. Gefeiert werden sie immer gleich euphorisch, doch das Verhältnis zwischen Glück und Können ist beileibe nicht bei allen Traumtoren gleich. Wir haben uns mal die zehn Nominierten für den diesjährigen FIFA Puskás-Award angeschaut und analysiert wie viel Glück und wie viel Können in jedem Tor unserer Meinung nach steckt. Wir vergeben für jede Hütte null bis fünf Punkte in jeder der beiden Kategorien. Hier ist unser Ergebnis:

 

1. TIM CAHILL

Im Vorrundenspiel zwischen den Holländern und seinen Australiern feuerte Tim Cahill eine Flanke aus dem Halbfeld per Direktabnahme mit links aus etwa elf Metern unter die Latte.
An diesem Volley sieht man die außergewöhnliche Schusstechnik von Cahill. Einen Ball aus dieser Höhe so perfekt vollspann zu treffen, dass er kontrolliert auf das Tor kommt, erfordert höchste technische Fähigkeiten. Begünstigt wurde dieser Treffer lediglich durch den Stellungsfehler des holländischen Verteidigers.

Glück: 1/5
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Können: 5/5
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2. DIEGO COSTA

Costa setzte diesen herrlichen Fallrückzieher im Ligaspiel gegen Getafe in den rechten Winkel. Die Flanke kam dabei von rechts, während Costa sich seinen Weg in den Sechzehner bahnte. Keine Frage, akrobatisch auf hohem Niveau, wie er den Ball dann mit rechts aus der Luft nimmt. Allerdings geht ein Fallrückzieher auch immer mit einer guten Portion Hoffen einher, da man de facto nichts sieht. Er nimmt den Ball also direkt und hofft, dass er dabei Richtung Tor geht.

Glück: 4/5
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Können: 2/5
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3. MARCO FABIAN

Fabian chippte diesen Ball in einem Spiel der mexikanischen Liga herrlich von der Sechzehner-Kante ins lange Eck. Der Ball kam mit einer unkontrollierten Bogenlampe vorher zu Fabian, der mit einem überragenden First Touch den Ball kontrolliert und den Verteidiger stehen ließ um sich den Platz für den Abschluss zu verschaffen. Bei seinem Chip profitierte er aber auch vom Stellungsfehler des Torwarts, der etwas zu weit vorne steht. Wesentlich eindrucksvoller war vorher allerdings die Ballannahme, die seine starke Technik zeigt.

Glück: 3/5
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Können: 3/5
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4. ZLATAN IBRAHIMOVIC

Zlatan, der Gnadenlose. Titelverteidiger und Spezialist für die besonderen Auftritte. Im Spiel gegen Bastia in der Ligue 1 wurde mal wieder zlataniert. Der Ball kommt dabei eher zufällig zu ihm, nachdem eine Flanke abgefälscht als Kerze am Rande des Fünfmeterraums herunterfällt. Ibrahimovic steht dabei eigentlich schlecht zum Ball und narrt seinen Gegenspieler, der nicht damit rechnen kann, dass er den Ball direkt per Hacke aus der Luft nimmt, anstatt ihn zu kontrollieren. Dass er den Ball dann so perfekt trifft, dass er unhaltbar in den Winkel geht, ist zum einen seinem Instinkt und Ballgefühl zuzurechnen, aber auch einer mittelgroßen Portion Glück. Außerdem begünstigt durch den zögernden Torwart, der genug Zeit hatte den Ball bereits aus der Luft zu holen, bevor er bei Zlatan herunterfällt.

Glück: 3/5
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Können: 4/5
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5. PAJTIM KASAMI

Der Mann vom FC Fulham hatte im Spiel gegen Crystal Palace seine Sternstunde. Einen hohen Ball von Höhe der Mittellinie erahnt er früher, als alle anderen und hat den perfekten Laufweg zum Ball. Kurz vor der Sechzehnerkante nimmt er den Ball zwischen zwei überforderten Verteidigern mit der Brust mit, nimmt diesen dann aus vollem Lauf volley und trifft ins lange Eck. Die Kombination aus Bewegungsdynamik und präzisem Abschluss machen diesen zu einem hochanspruchsvollem Treffer, der von keinem nennenswerten Fehlverhalten des Gegners begünstigt wurde.

Glück: 1/5
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Können: 5/5
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6. STEPHANIE ROCHE

Die einzige Frau im Wettbewerb. Unserer Meinung nach nicht wirklich mit den Toren aus dem Männerfussball vergleichbar. Denn Dynamik und Atheltik sind einfach viel zu unterschiedlich. Dennoch: Die Ballbehandlung kann sich sehen lassen. Roche nimmt eine halbhohe Flanke von rechts zunächst mit dem rechten Fuß an, hält den Ball in der Luft, zieht ihn mit dem Linken nochmal zur anderen Seite und zieht dann volley ab. Der Torhüterin ist aus der Distanz nicht wirklich ein Vorwurf zu machen. Die Verteidigerin hingegen wirkt komplett desorientiert und versäumt es zwei Mal die Schussbahn dicht zu machen.

Glück: 3/5
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Können: 1/5
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7. JAMES RODRIGUEZ

Einer der ganz großen Treffer der WM in Brasilien und der Tag an dem James‘ Stern aufging. Im Achtelfinale gegen Uruguay bekam er den Ball 20 Meter vor dem Tor von Cuadrado per Kopf auf Brusthöhe abgelegt. Wohlgemerkt mit dem Rücken zum Tor. Ballannahme und Abschluss sind bei ihm eine Bewegung und das ganze aus dem Stand. Hier liegt auch der kleine, aber feine Unterschied zum Tor von Kasami, der den Ball ebenfalls mit der Brust mitnahm und dann abschloss. James steht schlechter zum Tor und hat aus dem Stand nicht die Bewegungsdynamik, die er auf den Schuss umsetzen kann. Dennoch trifft er den Ball perfekt, der links an der Unterkante der Latte unhaltbar einschlägt. Glück ist hier keines im Spiel!

Glück: 0/5
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Können: 5/5
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8. CAMILO SANVEZZO

Sanvezzo traf mit einem schönen Seitfallzieher im Spiel der Major League Soccer für Vancouver. Eine halbhohe Flanke von rechts nimmt er aus etwa 14 Metern direkt per Seitfallzieher und trifft flach in die kurze Ecke. Gute Körperbeherrschung und präziser Abschluss, der allerdings auch kaum vom Gegner verteidigt wurde.

Glück: 2/5
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Können: 2/5
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9. HISATO SATO

Der Japaner Sato traf in der japanischen Liga mit dieser herrlichen Bogenlampe. Auf Höhe des Sechzehners wird er flach in den Fuß angespielt, der Ball springt bei seiner Ballannahme hoch und er nimmt ihn dann aus der Luft mit links. Trifft den Ball dann allerdings mit dem Außenrist, sodass der Ball diese ungewöhnliche Flugkurve annimmt uns ins lange Eck fällt. Der First Touch und das Hochspringen des Balls dabei sehen eher ungewollt aus. Was er dann daraus macht, hat allerdings Klasse. Anstatt zu versuchen den Ball im Nachfassen zu kontrollieren, nimmt er sich sofort den Abschluss.

Glück: 5/5
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Können: 2/5
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10.  ROBIN VAN PERSIE

Auch einer der Big Moments des vergangenen Sommers in Brasilien. Das Gruppenspiel zwischen Spanien und den Niederlanden läuft, als Blind einen scheinbar ungefährlichen hohen Ball von der Mittellinie in die Spitze spielt. Doch anstatt, dass die spanische Defensive den Ball abläuft und auf den Linienrichter guckt, ist van Persie nach seinem Antritt weder im Abseits, noch zu halten. Aus etwa 13 Metern nimmt er den schier endlos langen Ball von Blind dann tatsächlich per Flugkopfball und überlupft damit den zögerlich herauskommenden Casillas. Die Körperhaltung beim Flugkopfball ist fantastisch, genau so wie das Ballgefühl. Auch wenn die spanische Defensive hier sehr schlafmützig reagiert hat, ist der Bewegungsablauf von van Persie und sein Instinkt für den Ball beeindruckend.

Glück: 1/5
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Können: 5/5
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Fazit: Unser Favorit kann nach dieser Analyse nur James Rodriguez heißen. Das Können für dieses Tor ist ähnlich, wie die von van Persie, Kasami und Cahill nahezu am Maximum. Was ihn aber noch ein Stück vom Rest abhebt, ist der beinahe nicht vorhandene Einfluss von Glück.

Ergänzung: Die drei Finalisten sind Roche, James und van Persie.
Mit James und van Persie gehen wir laut unserer Analyse absolut konform. Bei Roche schütteln wir etwas ungläubig den Kopf und haben urplötzlich das Wort „Frauenquote“ vor Augen.

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