#10 – Schiedsrichter in Gefahr

In dieser Serie stehen die abertausenden Amateurkicker im Mittelpunkt. Wir erklären die Faszination Kreisliga und warum es sich immer wieder lohnt die Knochen für den Verein hinzuhalten. An jedem verdammten Sonntag.
Heute setzen wir uns mal mit einem ernsteren Thema auseinander.

Nach den zahlreichen Übergriffen auf Schiedsrichter im Amateurbereich geht gerade folgendes Zitat von Nils-Rene Voigt durch die Medien:

„Wenn ich Trainer wie beispielsweise Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel sehe, wenn sie im Karree springen, dann trifft sie eine Mitschuld. Die Amateure sehen das, es sind ihre Vorbilder, und wenn die das machen, dann glauben sie, dass sie das auch dürfen“, sagte der 31-Jährige in einem Interview mit der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.

Für sich betrachtet ist dieses Zitat sinnvoll. Ja, in der Öffentlichkeit stehende Personen haben Einfluss auf diejenigen, die zu ihnen aufschauen. Ob das Schuhe von Messi oder Tricks von Ronaldinho oder Frisuren von CR7 sind, vor Allem junge Kicker im Amateurbereich schauen ganz genau hin. So ist es auch beim Verhalten auf dem Platz. Jeder halbwegs intelligente fußballinteressierte Mensch weiß: Meckern beim Schiedsrichter bringt nichts. Ob in der Bundesliga oder in der Kreisliga. Sie sind vielleicht beeinflussbar durch theatralische „Sterbender Schwan“-Choreografien und „Abseits“-Rufe, aber einmal gepfiffen ist gepfiffen. Aufbrausendes, drohendes Verhalten und Rumgeschreie galt noch nie als diplomatisch wertvoll. In der Bundesliga hört man auf den Rängen die Spieler kaum, daher sind die Gesten häufig noch theatralischer. Nichts, als die Mischung aus Emotion und Show (je Spieler/Trainer mit unterschiedlichem Verhältnis). Doch je weiter man absteigt im Ligensystem, desto weniger Show und desto mehr Emotion stellt man fest. Und jetzt kommen wir zu dem Punkt, an dem das Zitat von den Medien falsch benutzt/gedeutet wird.

Auch wenn die Vorbilder anteilig Schuld tragen, so sind sie nicht verantwortlich für die steigende Gewalt. Im Endeffekt entsteht diese nur, weil die Spieler unzufrieden sind mit sich, ihrem Leben, ihrem Status, womit auch immer. Wer mit sich selbst im Reinen ist, den tangiert eine Fehlentscheidung kaum. Wer aber schon frustriert zum Training/Spiel kommt, der möchte seinen Frust dort abbauen. Den einen gelingt es, indem sie sich völlig auspowern und Leistung bringen. Die anderen regen sich auf, brüllen oder gehen aggressiv gegen Spieler, Schiedsrichter oder Zuschauer vor. Die soziale Unzufriedenheit führt zu Kontrollverlust auf dem Feld.

Die Konsequenz aus dieser Erkenntnis wäre ein Artikel über soziale Unzufriedenheit, Aufgaben der Verbände und des Staates und hat schlussendlich plötzlich nichts mehr mit dem Sport an sich zu tun. Außerdem geht das viel zu tief in Inhalte. Daher bleibt es einfach bei der Aussage: „Klopp und Tuchel ermutigen junge Menschen, auf Schiedsrichter loszugehen“. Das polarisiert und sorgt für Aufsehen. Lässt nur leider das Problem links liegen.

Schade.

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3 Kommentare zu “#10 – Schiedsrichter in Gefahr”

  1. Also müssen wir davon ausgehen, dass Tuchel und Klopp extrem unzufrieden mit ihrem Leben sind / waren?
    „Die sozialen Verhältnisse“ sind immer ein gern gesehenes Argument, um irgendwas zu begründen. Und natürlich bestimmen die sozialen Verhältnisse unser Verhalten in so ziemlich allen Belangen.
    Allerdings sollte man den Einfluss der Profis nicht unterschätzen. Wieviele Kids imitieren den Torjubel des eigenen Lieblingsspielers, tragen die gleichen Fussballschuhe, tragen die Stutzen auf gleiche Art und Weise und und und… Ich verstehe es immer nicht, wie man davon ausgehen kann, dass immer nur die guten Aspekte imitiert werden… Klopp trägt durch sein m.M.n. mehr als respektloses Verhalten den Schiedsrichern gegenübern auf jeden Fall zu mehr Aggressivität auf den Plätzen bei. In welchen Spielen meckert er denn mal nicht den Schiri an?

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    1. @der gerd Sehe ich ähnlich. Allerdings glaube ich, dass es in der Bundesliga auch sehr viel mit Show zu tun hat. Was die Unzufriedenheit angeht, so ist das meiner Einschätzung nach eher in den unteren Klassen ausschlaggebend. Einfluss und Vorbildfunktion: ja, aber die Problematik allein darauf runter zu brechen ist meiner Meinung nach zu einfach.

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