Peterchens Himmelfahrtskommando

Peter, der Große und sein VfL. Eine emotionale Achterbahnfahrt sondergleichen. Eine dieser sagenhaften Geschichten aus dem Ruhrpott von echten Kerlen und authentischer Leidenschaft unter dem Deckmantel des Fussballs, der Emotionalität im eher nüchternen Pott erlaubt. Neururer, der mit seinem losen Mundwerk perfekt in die Attitüde des rustikalen Ruhrgebiets passt, eroberte die Herzen der Bochumer während seiner ersten Amtszeit beim VfL zwischen 2001 und 2005. Immer etwas unnahbar, aber niemals die eigene Meinung für sich behalten. So haben sie ihn in Bochum kennen und lieben gelernt. Natürlich auch, weil er sportlichen Erfolg tief in den Westen brachte.

Als er den VfL im Dezember 2001 übernahm, war man mal wieder in Liga zwei gestrandet. Der Begriff „Fahrstuhlmannschaft“ wurde wohl für Clubs, wie Bochum erfunden. Doch Neururer führte den Club postwendend zurück in die Bundesliga. Zwischen 2002 und 2005 hielt Neururer den VfL im Oberhaus und prägte in diesen drei Saisons eine der erfolgreichsten Perioden der Vereinsgeschichte. Gekrönt mit der Saison 03/04, in der man einen überragenden fünften Platz einfuhr und sich für den UEFA-Cup qualifizierte. Die Gruppenphase erreichte man jedoch nicht und scheiterte in der Qualifikation. Damit begann auch Neururers Abschwung und in der darauffolgenden Saison stiegen die selbsternannten „Unabsteigbaren“ mal wieder in die zweite Liga ab. Gleichbedeutend mit dem Ende seiner ersten Amtszeit.

Genie und Wahnsinn lagen bei „Metaxa-Peter“, wie er ob seiner angeblichen Leidenschaft für das Feuerwasser einst genannt wurde, schon immer näher beieinander, als die Stadien beim Straßenbahn-Derby gegen Dortmund. Neben seinen sportlichen Verdiensten fiel er immer wieder mit seinem manchmal etwas verblendet wirkenden Auftreten auf. So gab er mal sinngemäß zum Besten, dass „wenn die Trainerjobs nach Fachwissen verteilt würden, er Real Madrid trainieren würde“. Mutige Einschätzung von jemandem, der nie einen großen Verein trainierte, geschweige denn Titel holte. Solche Sprüche führten auch dazu, dass er gerne mal als Running Gag herhalten muss, wenn es darum geht, dass ein Trainerstuhl vakant wird und die Kandidatenvorschläge möglichst abwegig sein sollen. Wie beim Autoquartett wird sich dann an Absurdität überboten. Neururer wird dabei grundsätzlich nur von Lothar „Ich gebs langsam auf“ Matthäus geschlagen. Oder Werner Lorant.

Doch bei aller Kritik, die er für seine markigen Sprüche immer wieder einstecken musste, blieb er in seinem Bochum stets der Moonwalk-Peter, der vor der Tribüne im alten Ruhrstadion eine heiße Sohle auf den Rasen legt und seinen Schnäuzer verwettet. Auch deswegen erinnerte man sich am Ende der Saison 12/13 noch einmal an ihn und heuerte ihn in seiner Paraderolle, dem Feuerwehrmann, an. Dieses Vertrauen zahlte er sofort zurück und rettete den akut abstiegsgefährdeten VfL. Auch in der darauffolgenden Saison konnte man die Klasse unter dem nun wieder dauerhaft beschäftigten Neururer halten. Dass das untere Tabellendrittel der zweiten Liga den Ansprüchen der Bochumer nicht genügt, spürte man zu Beginn dieser Spielzeit deutlich. Es sollte endlich wieder aufwärts, Richtung Bundesliga gehen. Prompt startete Bochum auch beinah perfekt in die Saison, war zwischenzeitlich sogar Tabellenführer und wähnte sich bereits wieder auf bessere Tage zuzusteuern, in denen man mit ’nem Doppelpass jeden Gegner nass macht. Herbert Grönemeyer wurde schon nostalgisch.

Konstant blieb man jedoch nicht. Der deutliche Abschwung folgte und so sah sich Neururer zuletzt zunehmend in der Kritik. Nicht nur wegen sportlichen Angelegenheiten. Torwart Andreas Luthe entgegnete kritischen Worten aus dem Vorstand zuletzt etwas frech, dass man Dinge nicht bewerten soll, von denen man keine Ahnung habe. Anstatt dem zu widersprechen schlug sich Neururer in bekannt trotziger Manier auf Luthes Seite. Das reichte dem Vorstand offenbar um Neururer ab sofort zu beurlauben. Die Begründung sei „vereinsschädigendes Verhalten“ von Neururer. Die Vermutung, dass dies nur die Spitze des Eisberges sei und intern bereits viel mehr vorgefallen ist, liegt nahe. Ob sich nun ein juristischer Prozess und eine öffentliche Schlammschlacht anschließen, wird man sehen müssen. Bei Neururers stoischer Art aber wahrscheinlich.

So zeigt dies erneut gut, dass bei Neururer aus Peterchens Mondfahrt ganz schnell Peterchens Himmelfahrtskommando werden kann.

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