Die bedrohte Art – Der positive Effekt eines Trainerwechsels

Der Trainerwechsel: Wenn es für den Verein schlecht läuft ein echter Evergreen, um die Wende zu erzeugen. Doch ist das überhaupt noch so? Wir haben uns einmal mit den Gründen beschäftigt, woran es liegen kann, dass dieser Effekt immer öfter ausbleibt.

Wenn ein Fußballteam im Profibereich seine Leistung nicht mehr abruft, gibt es für die Vereinsführungen diverse Möglichkeiten zu reagieren. Der Klassiker: Trainerwechsel. Die ersten drei bis vier Spiele werden noch aufgrund des neuen Schwungs gewonnen, spätestens beim fünften Spiel greifen schon die ersten Mechanismen des neuen Trainers und die Mannschaft ist wieder obenauf. Zumindest war es eine sehr lange Zeit so. Mittlerweile funktioniert es leider nicht mehr so gut. Die Zeitspanne, in der der neue Schwung für Auftrieb sorgt wird immer kürzer. Konzepte nach Trainerwechseln sind oftmals kaum erkennbar. Dafür kann es unter anderem folgende zwei Erklärungen geben.

Erstens: Der neue Trainer hat noch kein Konzept, welches auf die Mannschaft passt. Jeder Übungsleiter hat so seine taktischen und spielerischen Vorlieben. Fehlt aber das Spielermaterial um es umzusetzen, ist es fast unmöglich, seine Spielphilosophie zu vermitteln. Daher muss erst einmal ein Konzept speziell für die Mannschaft erstellt werden. Oder die Mannschaft muss so umgebaut werden, dass sie auf das Konzept passt. Beides braucht seine Zeit und erklärt womöglich einen ausbleibenden bzw spät einsetzenden Trainerwechsel-Effekt.

Zweitens: Die Mannschaft nimmt den Trainer und/oder seine Form des Spielens nicht an. Zugegeben, das ist noch spekulativer als Punkt 1. Vom Gefühl her hat sich das Machtgefüge in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Was der Trainer sagt und entscheidet ist Gesetz und wird gemacht. So einfach ist das nicht mehr. Gerade erfahrene und erfolgreiche Spieler benötigen einen Trainer, der selbst erfolgreich und erfahren ist, damit sie ihn ernst nehmen. Dadurch, dass bei fehlender Leistung der Trainer verantwortlich gemacht wird und die Mannschaft bleibt, ist der Fußballspieler in einer Position, die in der Welt des Sportes sehr selten ist. Er ist am längeren Hebel. Und wenn ihm das Konzept des neuen Trainers nicht passt und er noch ein paar andere im Team auf seiner Seite hat, dann kann der Trainer arbeiten wie er will, die Mannschaft wird sich nicht grundlegend ändern.

Wie kann ich als neuer Trainer auch Erfolg und Aufschwung erzeugen? Der moderne Trainer muss im Umgang mit der Mannschaft viele Funktionen erfüllen: Er muss Pädagoge, Psychologe, Babysitter, Bespaßer, Vorbild, Kumpel und natürlich Fußballtrainer sein. Er muss die Begeisterung für den Fußball authentisch vermitteln können und gleichzeitig sachlich taktische Feinheiten einstudieren. Diesen Prototypen gibt es nur selten. Gerade junge, neue Trainer scheitern oftmals an den Umständen, unter denen sie geholt werden. Sie werden als Heilsbringer vor die Mannschaft gestellt und müssen das Vertrauen der etablierten Spieler gewinnen. Das ist mit wenig Erfahrung im Profibereich sehr schwierig.

Andersherum haben etablierte Trainer Schwierigkeiten vor allem die jungen Spieler zu erreichen. Altbackene Methoden stoßen auf wenig Gegenliebe und können ebenfalls dazu führen, nicht als Trainer akzeptiert zu werden.

Am Ende ist eine Gratwanderung notwendig zwischen Leidenschaft, Sachverstand, Erfahrung und Innovation. Diese Gratwanderung so gut wie möglich hinzubekommen, das macht einen guten Trainer aus. Wer drei dieser vier Säulen beherrscht, kann eine Mannschaft wieder auf den richtigen Weg führen. Allerdings natürlich nur dann, wenn die Mannschaft das will.

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