Gestatten, Mitch der Knotenlöser

Am Ende ließ er sich zusammen mit seinen überaus erleichterten Kollegen vor der noch viel erleichterteren Südtribüne feiern. Die Rede ist von Mitch Langerak. Die Story bis dahin könnte irgendwann mal vielleicht die Wichtigste in seiner ganzen Karriere sein. Vor dem Spiel gegen die TSG aus Hoffenheim entschloss Klopp sich das wohl letzte Register im Kampf gegen den fortwährenden Abwärtstrend zu ziehen. Er nahm das Dortmunder Urgestein Roman Weidenfeller aus dem Tor und brachte Langerak. Doch wie kam es dazu?

Weidenfeller hat sich in den letzten Jahren durchaus den Status einer Vereinslegende erarbeitet. Als maßgeblicher Teil der Truppe, die in den letzten vier Jahren von Erfolg zu Erfolg eilte, war eine Degradierung bislang eigentlich unvorstellbar. Doch seine Leistungen in dieser Saison sind nicht mehr vergleichbar mit denen zuvor. Er wirkte sehr fahrig, darüberhinaus auch durchaus verunsichert. So trug er auch nicht zuletzt mit seiner Slapstick-Einlage featuring Matthias Ginter gegen Frankfurt zum weiteren Absturz des BVB bei. Da Klopp zuvor personell bereits fast alles ausprobiert hatte, ergriff er also diese Maßnahme.

Aber wer ist denn überhaupt der Mann, der nun von Weidenfellers Schwächephase profitiert? Der Sunnyboy aus Down Under wechselte im Sommer 2010 für eine kleine Ablöse in Höhe von 500.000 Euro als Talent aus Melbourne nach Dortmund. Mit dem Ziel sich zunächst mal zu akklimatisieren und an den europäischen Fussball zu gewöhnen, verhielt er sich stets tadellos, obwohl er nur spielen durfte, wenn Weidenfeller verletzt oder gesperrt war. Und dann zeigte der gebürtig aus Emerald, Queensland kommende Australier bislang immer Leistung. Das blieb auch der Nationalmannschaft seines Landes nicht verborgen und so durfte er auch dort schon fünf Mal zwischen den Pfosten stehen, obwohl er aktuell noch die Nummer zwei hinter Matthew Ryan vom FC Brügge ist. Diese Chance, die er nun von Klopp erhält, kommt also nicht von ungefähr. Viele Stimmen im Dortmunder Umfeld sehen in Langerak wegen seiner Loyalität und souveränen Leistungen in den wenigen Spielen schon länger den designierten Nachfolger von Weidenfeller. Ob das heutige Spiel nun tatsächlich der Amtsantritt als Nachfolger war, muss die Zukunft erst zeigen.

Was aber wohl feststeht ist, dass nach dem heutigen Spiel in der nächsten Woche kein erneuter Wechsel stattfinden wird. Auch wenn Langerak fast beschäftigunglos gegen Hoffenheim war, strahlte er Ruhe aus, überzeugte am Ball und mit aktivem Spielaufbau. Rüstzeug eines modernen Torhüters und ewiger Kritikpunkt an Vorgänger Weidenfeller, der in dem Bereich eher von der alten Schule ist. Sofern man es positiv verpacken will. Auch wenn es am Ende nur Langeraks charaktereigene Lockerheit eines australischen Surferboys war, wird man das in Dortmund gerne so zur Kenntnis nehmen.

Zum einen wird es spannend zu sehen sein, ob Langerak auch als Nummer eins der Schwarz-Gelben weiter konstante Leistungen zeigen kann. Vor allem in Spielen, wo er mehr unter Beschuss genommen werden wird. Zum anderen muss man sehen wie Weidenfeller selber auf eine dauerhafte Ausbootung reagieren wird. Wenn er aber seinen Status als Vereinslegende nicht ankratzen will, sollte er die Rolle als zweiter Mann annehmen und Langerak mit seiner Erfahrung zur Seite stehen. Das würde echte Größe zeigen und wäre letztendlich gewinnbringend für alle.

Ob nun letzten Endes Mitch Langerak der Knotenlöser war oder nur ein Teil davon, ist im Prinzip uninteressant. Die Trendwende ist erstmal geschafft und Langerak darf sich beweisen.

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