Breitenreiter auf schmalem Grat

Das Foul von Bakalorz an Reus vom vegangenen Samstag schlägt weiter hohe Wellen. Obwohl man der Meinung sein sollte, dass nun alles zu dem Thema gesagt sei, Bakalorz sich entschuldigt hat und Reus dies akzeptiert hat, wird nochmal eine Aussage oben drauf gesetzt. Paderborn-Coach André Breitenreiter äußerte sich auf einer Pressekonferenz erneut zu diesem Thema. Man müsse Bakalorz nicht so einer Hetzjagd aussetzen, sagte er da. Ist natürlich korrekt. Dass ein Foul dieser Art an einem Starspieler wie Reus mit diesen fatalen Folgen ausführlicher diskutiert wird, als eines an einen eher unbekannten Spieler, ist den Mechanismen der Medien geschuldet und nun mal hinlänglich bekannt. Hierbei wurde kontrovers über Absicht oder nicht diskutiert, mit der angenommenen Entschuldigung durch Reus war das Thema jedoch gefühlt durch. Hier von einer Hetzjagd zu sprechen ist einfach übertrieben, zumal es gegenüber den Kritikern auch reichlich Fürsprecher gab, die ihm nicht die volle Schuld anlasteten. Wie gesagt, kontroverse Diskussion. So weit, so normal. Dass es in einem so emotionalen und viel beachteten Sport auch verbale Ausfälle Einzelner gibt, das lässt sich schlichtweg nicht vermeiden und ist auch Teil des Geschäfts. Für jeden zugängliche soziale Medien sorgen heutzutage dafür, dass solche Aussagen vielleicht eher an die Öffentlichkeit gespült werden, als noch vor einigen Jahren, wo es maximal die Kumpels in der Kneipe mitbekommen haben.

Dem aber nicht genug. Breitenreiter sprach dann im subtilen, aber eigentlich überhaupt nicht subtilen Unterton davon, dass er sich an den Selbstmord von Robert Enke erinnert fühlen würde und, dass die Leute offenbar nichts kapiert hätten. Ein gewagter Vergleich. Dass die Hintergründe des Freitods von Enke wesentlich komplexer und nicht vergleichbar sind und waren, scheint ihm dabei nicht bewusst gewesen zu sein. Enke litt viele Jahre an starken depressiven Episoden mit psychotischen Symptomen, die ihn vor der Entscheidung es wie Deisler öffentlich zu machen oder es geheim zu halten, gepaart mit privaten Einschlägen, wie dem Tod seiner Tochter, irgendwann zerrissen und für ihn nur der Suizid als Ausweg in Frage kam. Nur nochmal zur Erinnerung: Bakalorz wurde wegen einem unglücklichen Foul zum Teil angefeindet.

Ohne die verbalen Entgleisungen Einiger beschönigen oder entschuldigen zu wollen, ein gewisses Maß an Resistenz gegen mediale Kritik oder Äußerungen muss ein Profi heutzutage mitbringen, um in dem Geschäft arbeiten zu können. Darüberhinaus ging die Aktion von Bakalorz selber aus, für die er ja auch öffentlich geradestand. Nur um hier nochmal den Enke-Vergleich ad absurdum zu führen.

Wenn Breitenreiter davon spricht, dass die Leute nichts aus dem Suizid von Robert Enke gelernt hätten, muss er sich auch fragen lassen, ob eine persönliche Tragödie als völlig unverhältnismäßiger Vergleich herhalten muss. Die Intention seiner Aussage war sicherlich, dass er seinen Spieler schützen will. Doch das Worst-Case-Szenario als Beispiel anzuführen, wird weder Bakalorz, noch Enke gerecht.

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