#07 – Kreisliga, deine Trainertypen

In dieser Serie stehen die abertausenden Amateurkicker im Mittelpunkt. Wir erklären die Faszination Kreisliga und warum es sich immer wieder lohnt die Knochen für den Verein hinzuhalten. An jedem verdammten Sonntag.
Nachdem wir uns im ersten Teil unserer Serie mit den Spielertypen beschäftigt haben, widmen wir uns heute den Männern, ohne die unsere Basis nur halb so unterhaltsam wäre. Denn wer in der Kreisliga das Training leitet und die Mannschaft aufstellt, ist meistens aus besonderem Holz geschnitzt. Auch wenn jede Mannschaft seinen eigenen Trainer hat, so gibt es doch ein paar klassische Trainertypen, die jeder kennt.
Wir haben mal zusammengefasst, wer sich jeden Sonntag bei Wind und Wetter an die Linie stellt.

Der Spielertrainer

Meistens aus der Not geboren. Der Verein kann sich keinen Trainer leisten, also macht es einer der Spieler. Häufig Kapitän und Zehner in Personalunion. Leitet das Training auf einer kumpeligen und halbwegs vernünftigen Ebene und stellt auch nach Leistung auf. Auch. Hauptsächlich aber nach Freundschaft und Sympathie.

Der Professionelle

Er sieht in der Mannschaft mehr, als nur die dickbäuchigen Biertrinker, die sich bis zu drei Mal in der Woche zum kicken treffen. Er will sie besser machen und großes vollbringen. Er kennt jedes Trainingshandbuch auswendig und bereitet einen Trainingsplan vor, der mindestens sechs Wochen in die Zukunft geht. Für ihn ist sein Team eine Schweizer Uhr, die so lange fein justiert werden muss, bis alle kleinen Rädchen ineinander greifen. Seine professionellen Übungen stehen im krassen Kontrast zu den unprofessionellen Beinen, die sie ausführen sollen. Aber daran wird gearbeitet.

Der Väterliche

Für ihn ist der Verein eine Familie und die Spieler sind seine Söhne. Und genau so behandelt er sie auch. Läuft es gut, wird gelobt. Läuft es mal nicht so gut, wird aufgemuntert. Läuft es schlecht, wird er auch mal laut. Aber nie so, dass er nicht trotzdem noch etwas Nettes hinterher sagt, um wieder aufzubauen. Im Training wird gefordert und gefördert und danach gibt’s mit den Söhnen noch ein Bierchen und man redet über Frauen und Autos.

Der Schleifer

Der Felix Magath unter den Kreisliga-Coaches. Ohne nennenswerten Erfahrungsschatz und ohne Kenntnisse gibt es für ihn nur einen Weg zum Sieg: Mehr Kondition und Kraft als der Gegner. Und da hilft nur eins: Waldlauf, Treppenlauf, Steigerungslauf, zwischendurch mal Dehnen und Kraftübungen und natürlich Waldlauf. Die Währung im Strafenkatalog ist nicht „Euro“ sondern „Kilometer“. Tückisch: Man erkennt ihn erst nach der Vorbereitung, wenn die Trainingsintensität nach Saisonstart nicht abnimmt.

Der von der alten Schule

Ist schon seit gefühlt 100 Jahren Trainer. So lässt er auch Fußballspielen. Ohne Rücksicht auf Taktiktrends spielt er immer mit Libero und Manndeckern. Tiki-Taka ist für ihn eine Insel im Pazifik, Catenaccio eine italienische Vorspeise und wenn es eine neun gibt, dann eine Echte. Er erzählt gerne, wie er mal Jugendmannschaften von Bundesligaclubs trainiert hat, meistens mit untrüglichem Gespür für Talente: „Den hab ich mal spielen sehen und hab schon damals gesagt, dass das mal ein Großer wird“. Bier und Kippe gehören für ihn genauso zur Standardausrüstung, wie Eisspray und eine alte Schirmmütze.

Der Geist

Kurz zusammengefasst: Er hat, wenn überhaupt, nur am Wochenende Zeit. Die Mannschaft trainiert sich unter der Woche meist selbst – also Ecke auf zum Warmmachen, ein paar Torschüsse und dann ein Trainingsspiel. Er ist am Wochenende (manchmal) vor Ort, um die Aufstellung mit Hilfe des Kapitäns zu machen und während des Spiels Kommandos zu geben.

Der Resignierte

Er weiß selbst nicht, warum er sich das überhaupt noch antut. Wahrscheinlich, weil es auf dem Platz immer noch besser ist, als zuhause. Meistens stellt er lustlos Hütchen auf, beklagt sich andauernd, dass niemand zum Training kommt und ist immer unzufrieden mit der Trainingsleistung. Spätestens nach dem fünften Training (denn dann war jeder mindestens einmal da) weiß jeder, dass er „nur 60 Minuten in der Stunde verdient“. Eigentlich ist ihm alles egal, aber er kommt trotzdem immer zum Training, um sich zu beklagen.

Der Vulkan

Gegen ihn wirkt Jürgen Klopp wie eine Tasse Kamillentee. Steht immer unter Strom und hat einen Geduldsfaden wie der einer sexuell frustrierten Hausfrau in den Wechseljahren. Zudem meistens starker Raucher. Er behauptet gerne, dass es ihn beruhigt. Die Meisten schaudern bei dem Gedanken, er könnte mal nicht rauchen. Die Spieler auf der Bank haben immer Ersatzkippen dabei, falls er seine Schachteln schon während des Spiels verbraucht. Am Spielfeldrand ist er eine wandelnde Eruption: Schiri pfeift Abseits – Eruption, Ecke für den Gegner – Eruption, Fehlpass – Eruption, Tor für den Gegner – Eruption, Tor für die eigene Mannschaft – Stille, dann Eruption. Das Einzige, was ihn zum Schweigen bringt, ist seine herrische Ehefrau.

Der Pathetische

Wenn er nicht Kreisligatrainer wäre, würde er eine Division Soldaten in einem Hollywoodfilm anführen. Keine Kabinenansprache kommt ohne Appell an das Herz aus. Mit Stolz geschwellter Brust schreitet er durch die Kabine und spricht von Ehre, Kampf und dem Glaube an die Mannschaft. Seine Reden haben zwei Eigenschaften: 1. Sie motivieren die ersten drei Spieltage. 2. Sie machen ab dem vierten Spieltag müde oder betroffen. Oder Beides.

Der Startrainer

Wird vor der Saison vom Vorstand groß angekündigt. Es wurde eine für den Verein nicht unbeträchtliche Summe aufgewandt, um ihn frei zu kaufen und monatlich zu bezahlen. Er hat schon Trainererfahrung jenseits der Landesliga und will mit seinem Konzept den Verein nach ganz oben bringen. Dieser Verein ist seine Herzensangelegenheit. Zumindest, bis kein anderer Verein kommt, der ihm mehr Geld eine bessere Perspektive bietet.

Das Nervenbündel

Er ist, ähnlich wie der Vulkan, nervlich so belastbar, wie ein Beamter vor der Frühstückspause. Unterschied bei ihm ist allerdings, dass seine Emotionen eher in die Richtung von blanker Angst gehen. Er ist zwar nicht aggressiv, dafür aber nervös ohne Ende. Geht ein Zweikampf verloren, ist er gedanklich schon beim Anstoß nach dem folgenden Gegentor. So sieht er grundsätzlich auch alles negativ und geht immer vom Schlimmsten aus, damit er nicht enttäuscht wird. Lieblingsausrufe: „Man man man!“ und „Und ich hab es noch gesagt!“.

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