In Vigo veritas?

Trostloses Wetter in der nordwestlichen Hafenstadt. Löw steht im Platzregen von Vigo, wie einst beim Gruppenspiel gegen die USA bei der WM in Brasilien. Skurril, dass man bei Verweisen auf Ereignisse der WM schon das Wort „einst“ benutzt. Klingt, als wäre es in schwarz-weiß und von Ernst Huberty kommentiert gewesen. Dabei ist es in Wirklichkeit nichtmal ein halbes Jahr her. Doch das Weltmeistergefühl ist noch so präsent wie eh und je. Da ändert auch ein relativ trostloses Testspiel vor gelangweiltem Publikum im halbvollen Estadio Balaídos und die Tatsache, dass Löw mittlerweile bei Regen eine schicke Jack-Wolfskin-Jacke trägt, nichts dran. Wet-Hemd-Contest ist nichts mehr für Herrn Löw.

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Das Personal auf dem tiefen Rasen schwankt von der Güte her irgendwo zwischen Resterampe und Kindergarten. Auf beiden Seiten durften fast ausschließlich wenig berücksichtigte Spieler oder Nachwuchstalente ran. Dass bei den beiden bestimmenden Nationen der letzten Turniere dann aber immernoch reichlich namhafte Spieler auf dem Platz stehen, zeigt dass wir natürlich auf hohem Niveau jammern. Schließlich lässt die wahnsinnige Verletzungsflut kein anderes Team derzeit zu. Gründe dafür, haben wir HIER schonmal behandelt.

Der Spielverlauf spiegelte dann auch die angespannten Personalsituationen wieder. Einige interessante Ansätze, aber letztlich ohne die letzte Konsequenz und mit Fehlern behaftet. Volland und erneut Bellarabi konnten aus deutscher Sicht gefallen, während sich bei der Furia Roja vor allem Lokalmatador Nolito bemüht zeigte. Toni Kroos aber darf sich nach seinem Siegtor der Marke „Auf dem Platz musste schießen!“ durchaus den ganz bestimmt FIFA-patentierten Titel „Man of the Match“ ans nasse Revers heften. Die passende Trophäe powered by Coca Cola gibt es diesmal allerdings nicht. Nicht unbedingt tragisch.

Bemerkenswert ist außerdem, dass die defensive Dreierkette offenbar selbst mit unerfahrenen Spielern, wie Mustafi und Rüdiger weitestgehend sattelfest funktioniert. Ein System mit Zukunft.

Leider auch ein System mit Zukunft ist die Kommentatorenbesetzung mit Steffen Simon. Wenn man ihn nicht kennen würde, könnte man auf die Idee kommen, dass man es hier mit einem aufgeregten Greenhorn zu tun hat. Wer kurz vor Anstoß feststellt, dass das Spiel in 90 Minuten vorbei sein wird, der muss sich die Frage gefallen lassen, ob er diese Tätigkeit vorher schon mal ausgeübt hat. Die traurige Antwort: Ja, ganz oft. Besonderer Simon-Klassiker: Favoritenrollen nach Bedarf tauschen. So sprach er zu Beginn des Spiels noch euphorisch vom „Duell der Meister auf Augenhöhe“, irgendwann dazwischen vom übermächtigen deutschen Weltmeister, um am Ende nochmal festzuhalten, dass die DFB-Elf als Außenseiter ins Spiel gegangen sei. Offenbar ist an Simon ein guter Politiker verloren gegangen. Stichwort: Heute so, morgen so.

Letztendlich bleiben nach dem Sieg in vorletzter Minute aber kaum Erkenntnisse für kommende Aufgaben. In Vigo veritas? Nicht wirklich!

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