Berlusconis Wunsch – Liga ohne Ausländer denkbar?

Lebemann Silvio Berlusconi sorgte vor einigen Tagen in Italien mal wieder für viel Aufsehen. Zur Abwechslung ging es mal nicht um Frauen, sondern um seine zweite Liebe, den Fussball. In einem Interview sprach er davon, dass es ihm wehtun würde Mannschaften aus der Serie A mit elf Ausländern auf dem Platz zu sehen. Für seinen Club AC Milan wünsche er sich ein Team, ausschließlich bestehend aus jungen Italienern. Hintergrund seien viele Investoren und Clubbesitzer aus ferneren Kulturen, die mit ihrem Einfluss den heimischen Markt durcheinander gebracht hätten und hauptsächlich auf ausländische Spieler setzen würden. Blick auf den Profit geht vor Lokalkolorit.

Dieser sogenannte „Lokalkolorit“ ist ein wichtiger Aspekt für jeden Club. Die Fans brauchen Identifikationsfiguren, die ihre Liebe zum Verein erwidern. Spieler, die wie Fans denken und fühlen. Bestenfalls sogar aus derselben Region stammen. Die Aussage von Berlusconi ist allerdings viel zu pauschal und kommt darüberhinaus mit einem faden politischen Beigeschmack daher. Denn im Umkehrschluss seiner Aussage können nur einheimische Spieler solch eine Identifikation verkörpern.

Ein Szenario: Wäre eine Bundesliga, in der nur Deutsche spielen denkbar? Oder überhaupt erstrebenswert?

Ein klares Nein!

Es ist bewiesenermaßen Unsinn, dass ausschließlich einheimische Spieler Identifikationsfiguren sein können. Gegenbeispiele gibt es viele. Nuri Sahin beispielsweise ist Türke. Er ist jedoch im Dortmunder Einzugsgebiet geboren und von den Fans absolut anerkannter Borusse durch und durch. Doch auch Spieler, die nicht hier geboren sind, können solches verkörpern. David Alaba kam erst in der U19 aus Österreich zum FC Bayern und ist trotz junger Jahre festes Vereinsbestandteil und Liebling der Fans. Noch bessere Beispiele sind Zé Roberto, Claudio Pizarro oder Giovane Elber. Sie kamen alle aus ihren Heimatländern mit fernen Kulturen in die Bundesliga und wurden in ihren Clubs zu Vereinslegenden.
Kein Fan würde ihnen diesen Status aufgrund ihrer Nationalität nicht anerkennen. Werte und Emotionen machen Identifikation aus und das ist sicher keine Frage der Nationalität.

Darüberhinaus profitiert jede Liga von ihren Ausländern. Sie machen den Fussball durch Einflüsse anderer Länder facettenreicher. Auch besonders deutliche Gegensätze bieten immer wieder interessante Geschichten. Außerdem hat man auch immer die Chance voneinander zu lernen und Stärken anderer Kulturen auf sich zu adaptieren.

Die Tatsache, dass in der Serie A mittlerweile ein großer Teil von Ausländern spielt, liegt eher an deren offenbar höheren fussballerischen Qualität. Die unzureichende Jugendarbeit der italienischen Vereine dürfte der Grund dafür sein. Fussballverrückte Kinder und Jugendliche sollte es genügend in Italien geben. Die Förderung dieser liegt aber an den Vereinen. Hier sollte also der Hebel angesetzt werden, anstatt ausländischen Einfluss pauschal als negativ abzutun.

Das stellte vor kurzem auch Paul Breitner fest und bezeichnete den italienischen Fussball im Hinblick auf diese Thematik als „krank“. Da bleibt nichts, als gute Besserung zu wünschen. Auch dir, Silvio.

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