Von Ehebrechern und Masochisten – Sind Erfolgsfans schlimm?

Immer häufiger liest man in Foren und in den sozialen Netzwerken das Wort „Erfolgsfan“, immer mit negativem Unterton. Meistens von Fans, die sich mit Leib und Seele ihrem Verein verschrieben haben (im Folgenden der Einfachheit halber „Herzensfan“ genannt).

Ich möchte mich in diesem Blog mit der Frage beschäftigen, was schlimm daran ist, ein sogenannter Erfolgsfan zu sein.

Um der Frage auf den Grund zu gehen, muss man sich erst einmal anschauen, aus welchen Gründen der Herzensfan bzw. der Erfolgsfan zu einer Mannschaft stehen.

Der „Herzensfan“ ist Fan einer einzigen Mannschaft, meistens seit der Kindheit schon. Er ist mit ihr früh in Berührung gekommen durch Eltern, Freunde oder Geburtsort und damit ist die Entscheidung gefallen. Für immer. Der „eigene“ Fußballclub ist eine Herzensangelegenheit. Es ist für ihn eine Beziehung. Nein, eine Ehe, in guten wie in schlechten Zeiten. Man leidet miteinander, man freut sich miteinander. Eine Scheidung oder gar Untreue kommen für ihn nicht in Frage. Ebenso wenig eine Hochzeit aus rein sachlichen Gründen. Er ist der konservative Traditionalist, der das Fan-Sein als ethische Verantwortung interpretiert. Und so wird derjenige, der seine Vereinszugehörigkeit wechselt, oder einen Verein aus sachlichen Gründen unterstützt, verurteilt. Gleichgesetzt mit einem Ehebrecher.

Dem Gegenüber steht der sogenannte „Erfolgsfan“. Er ist Fan einer Mannschaft, die gerade erfolgreich ist. Er unterstützt Mannschaften aus sportlich-sachlicher Sicht. Gutes Management, gute sportliche Leistung, gute Spieler, Titel. Das sind die Grundlagen für seine Entscheidung. Mannschaften die schlecht sind „gut finden“ macht für ihn keinen Sinn. Er sieht das Fan-Sein nicht als Ehe, sondern mehr als Geschäftsbeziehung. Oder eine Ehe aus steuerlichen Gründen. „Ich jubel euch zu, ihr bringt Leistung.“ Eine Win-Win-Situation. Er ist frei in seiner Entscheidung auch andere Vereine gut zu finden. Fans, die vorsätzlich am Wochenende leiden und darauf stolz sind, sind für ihn Masochisten und hoffnungslose Romantiker.

Hier stoßen zwei Welten aufeinander. Für den einen ist das Fan-Sein eine romantische Ehe, bis das der Tod uns scheidet. Der andere ist Fan, weil es ihm Vorteile bringt. Sobald es aber nicht mehr klappt, sucht man sich einfach einen neuen Partner, oder macht eine Beziehungspause.

  • Fazit:

Was ist im Endeffekt schlimm daran ein „Erfolgsfan“ zu sein?

Objektiv betrachtet: Nichts!

Es ist ein gesundes Verhalten, sich für etwas zu entscheiden, was einen positiven Mehrwert hat. Und es ist nur konsequent sich dagegen zu entscheiden, wenn man dadurch leidet.

Aber: Für Herzensfans ist es eine Untergrabung der Werte, für die sie jedes Wochenende ins Stadion oder in die Kneipe gehen. Und diese Grätsche mitten ins Fußballherz tut weh.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Von Ehebrechern und Masochisten – Sind Erfolgsfans schlimm?”

  1. Viele Herzensfans fangen als Erfolgsfans an. Als in den 90ern fußballerisch sozialisierter Mensch hatte man nur die Wahl zwischen Bayern und Dortmund (und etwaigen regionalen Vereinen) – und viele derer, die sich für Dortmund entschieden haben, haben dann auch die Täler bis heute mitgemacht.

    Schlimm sind nur die Erfolgsfans, die sich mit den Errungenschaften „ihres“ Vereins brüsten; wohingegen Herzensfans u.U. dem aktuellen Erfolg durch ein jahrelanges Tal entgegengefiebert und -gelitten haben. Das macht das Erfolgserleben moralisch nicht besser oder schlechter, es fühlt sich für den Treuen einfach nur komisch/unwahr an. Soll er sich freuen, dass der Erfolgsfan die Vereinseinnahmen erhöht, was das konservieren des Erfolgs wahrscheinlicher macht 😉

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s