Tradition hin oder her – Die Kunst des Erfolges

Ganz Deutschland wundert sich derzeit über den allgemeinen Abwärtstrend von gleich mehreren langjährigen Bundesligamitgliedern. Sogenannte Traditionsvereine sind im deutschen Fussball ein nahezu heiliges Gut. Man ist im Allgemeinen sehr stolz auf seine Vergangenheit. Das ist zunächst mal nichts Verwerfliches. Doch problematisch wird es, wenn man ausschließlich zurückschaut ohne dabei nach vorne zu sehen. Veränderte Bedingungen werden übersehen oder bewusst ignoriert. Bewusst, weil Veränderungen grundsätzlich gescheut werden. Man möchte nicht, dass sich etwas ändert, sondern würde den Status Quo gerne konservieren. Auch das ist menschlich nachvollziehbar. Das Problem dabei ist jedoch, dass der Fussball sich weiterentwickelt und es nicht zulässt, dass eine Erfolgsformel ewig hält. Passt man die Formel nicht an, geht auch der Erfolg. In welchem Maße man diese Änderungen vornimmt, bleibt jedem selbst überlassen. Beschweren darf man sich bei ausbleibendem Erfolg dann aber nicht.

Die aktuelle Tabellensituation ist eben eine Folge von versäumter Anpassung der Formel. Die Hauptpunkte der Versäumnisse haben wir für euch mal beleuchtet:

Sportliche Ideenlosigkeit

Hierunter fällt natürlich in allererster Linie die Kaderplanung, für die der Trainer zusammen mit der sportlichen Leitung verantwortlich ist. Diese kann selbstverständlich in jedem Club negativ laufen, bei Vereinen mit wenig Veränderungswillen aber ist die Hemmschwelle groß auf alternativ denkendes Personal in verantwortlichen Positionen zu setzen. Etablierte, angepasste Trainer und Sportdirektoren werden bevorzugt, da hier am wenigsten Konfliktpotential mit den alten Werten besteht. Hinterfragen unerwünscht. Dass man mit derlei Besetzung in einem sich schnell ändernden Sport Erfolge einfährt, ist unwahrscheinlich. Frische Ideen haben dann nur die anderen.

Nicht zeitgemäßes Wirtschaften

Dass es im Fussballgeschäft nur um Treue und Vereinsliebe geht, ist ein ebenso hoffnungslos romantischer, wie überholter Ansatz. Sicher würden sich die meisten wünschen, dass es wieder so ist. Eine Rückkehr in Zeiten, wo der Fussball so funktioniert hat, wird es aber nicht geben. Dafür ist er ein viel zu attraktiver Markt geworden. Also bleibt nichts anderes übrig, als sich dem anzupassen. Die 50+1-Regelung ist absolut richtig und wird zurecht vor allem von Traditionsvereinen verteidigt. Ohne einen finanzkräftigen Background aber sind langfristig keine Erfolge mehr zu feiern. Die Waage zwischen finanzieller Unterstützung und Abhängigkeit darf jedoch nie in die falsche Richtung kippen. Komplette Abhängigkeit von einem Großinvestor ist keinesfalls erstrebenswert. Die Entscheidungshoheit muss bei den Vereinen bleiben. Was aber dringend notwendig ist, sind strategische Partner, die finanziell unterstützen ohne die komplette Handlung beeinflussen zu wollen. Vollständige Unabhängigkeit von externen Geldgebern, die oft als wichtigstes Merkmal eines Traditionsclubs genannt wird, ist schlicht nicht mehr möglich.

Festhalten an alten Strukturen

Die Entscheidungen fließen für gewöhnlich vom Vorstand auf den Rest des Vereins hinunter. Die Entscheidungsstrukturen sind hier aber oft sehr eingefahren und kompliziert. Es ist daher teilweise schlichtweg nicht möglich, selbst wenn neue Ideen da sind, diese umzusetzen. Auch wenn eine Kontrolle über das Vereinsvorgehen natürlich notwendig ist, verhindern alteingesessene Gegenstimmen dabei immer wieder Veränderungsprozesse.

Keine Risikobereitschaft

Die Abneigung gegen Veränderungen bringt einen weiteren lähmenden Aspekt mit. Die Bereitschaft Entscheidungen zu treffen, die nicht im vollen Maße abgesichert sind, ist normalerweise wenig bis gar nicht vorhanden. Man hat ja schließlich viel zu verlieren. Dass zu dem Zeitpunkt aber der Abwärtstrend bereits begonnen hat und dem nur mit unter anderem auch risikobehafteten Entscheidungen entgegenzuwirken ist, wird in den Traditionsvereinen lange ignoriert. Im schlimmsten Fall bis es zu spät ist.

 

Die Punkte passen sicher nicht alle auf jeden Verein. Jeder in Schwierigkeiten geratene Traditionsclub sollte sich allerdings mal selbst den Spiegel vorhalten und hinterfragen, ob das eigene Handeln noch mit den aktuellen Gegebenheiten übereinstimmt. Nur so kann ein Prozess angeregt werden, der zum Umdenken führt. Bevor es zu spät ist.

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