Der Hilferuf des Körpers

Mats Hummels und Julian Draxler sind sicherlich die aktuellsten Beispiele dafür, dass etwas im Profifußball nicht stimmt. Hier beziehe ich mich erstmal nur auf Julian Draxler aufgrund der Tatsache, dass er sich ohne Einwirkung des Gegners verletzt hat.

Seit der Weltmeisterschaft im Sommer hören wir von allen Vereinen Klagen, dass die Belastung für die einzelnen Profis zu hoch ist. Als Gegenargument wird von den Nostalgikern proklamiert, dass es immer viele Spiele gab und dass man es früher auch geschafft habe.

Ich beschäftige mich daher in diesem Blog mit der Frage:
Woher kommen die großen Verletzungssorgen der Bundesligisten?

  • Allgemeine These 1: Anzahl der Spiele

Da die Anzahl der Spiele im Vergleich zu früher kaum gestiegen ist, ist dieses Argument zu vernachlässigen.

  • Allgemeine These 2: Ernährung und Lebensweise

Ernährung und Lebensweise eines Fußballprofis sollten tatsächlich auf das Training abgestimmt sein. Jeder Profi sollte sensibilisiert sein darauf, dass die Nahrung nichts anderes ist, als der Treibstoff für den Körper. Ich kann von einem Formel 1 Boliden nicht erwarten, dass er die volle Leistung bringt, wenn ich ihn mit Super E10 tanke.

Im Endeffekt spielt das eher eine zusätzliche, aber untergeordnete Rolle.

Meine Antwort auf die Frage ist im ersten Moment simpel, der Hintergrund aber komplex:

Der Fußballprofi ist einfach ein Mensch.

Der menschliche Körper hat Grenzen in seiner Leistungsfähigkeit. Ein Mario Basler war früher Topspieler mit Laufleistungen im 3-5-Kilometer-Bereich und einer Auswechslung nach 75 Minuten. Heutige Bundesligaprofis laufen grundsätzlich ihre 8-12 Kilometer pro Spiel. Zudem ist das Spiel an sich schneller und variabler geworden. Die kurzen Antritte und häufigen Tempo- und Richtungswechsel stellen für den Körper physiologisch eine enorme Belastung dar. Bänder, Muskeln, Sehnen und Gelenke erfahren eine viel größere Belastung im Bereich der Schnellkraft, Kraftausdauer und Koordination, d.h. der Körper muss mehrfach im Spiel kurzzeitig präzise viel Kraft auf einmal freisetzen (Schnellkraft), gleichzeitig aber auch über lange Zeiträume hohe Laufleistung abrufen (Kraftausdauer). Mit Koordination ist dabei nicht die Fähigkeit gemeint, nicht über beide Beine zu stolpern, sondern dass die Muskeln trainiert sind, angepasst an die Bewegung zu funktionieren. Es erfordert Disziplin und professionelle Betreuung, einen Körper überhaupt auf so ein Level zu bewegen. Da sehe ich im Profifußball nicht das Problem. Eher die mangelnde Möglichkeit der Regeneration.

Der Körper ist keine Maschine, die man 24/7 laufen lassen kann und wenn man regelmäßig Treibstoff nachfüllt und das Öl austauscht, läuft es. Wenn Regenerationsphasen nicht ermöglicht werden, körperlicher und psychischer Art, dann wird der Körper zermürbt.

Ein 21-jähriger Bundesligaspieler, der nach elf Sekunden einen Muskelbündelriss mit Teilsehnenabriss erleidet, das ist kein „Pech“ und er hat auch keine „falsche Bewegung“ gemacht. Das ist die Konsequenz aus zuviel Belastung bzw. zu wenig Regeneration. Ob der Fehler jetzt bei Julian Draxlers Ehrgeiz, der medizinischen Abteilung von Schalke 04 oder der des DFB liegt, lässt sich als Außenstehender kaum sagen.

Physiologischer Fakt ist: Solch schwere Verletzungen, wie Muskelbündelrisse, Kreuzbandrisse, Innenband- und Meniskusrisse können bei gesunden trainierten Menschen nicht durch falsches Auftreten passieren.

Und die Tendenz geht eher in die Richtung „Höher, weiter, schneller“. Mit 16/17 Jahren ist der Körper nicht einmal ausgewachsen. Solche Belastungen führen zwangsläufig zum Aufbrauchen der Ressourcen, wenn man nicht verantwortungsvoll damit umgeht.

Wer glaubt, dass Profis drei Spiele in der Woche aushalten müssen, weil sie genug Geld dafür bekommen, der vergisst, dass Geld leider nicht zur Stabilität und Erholung des Körpers dienen kann.

Der Körper schreit nach Hilfe, eine Antwort wird nicht vom Kontostand kommen.

Ich wünsche Julian Draxler und allen Fußballprofis, die momentan verletzt sind gute Besserung und schnelle Genesung. Nehmt euch die Zeit. Die Vereine sind in der Pflicht und in der Verantwortung, dies zu gewährleisten und zu unterstützen.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Der Hilferuf des Körpers”

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s