Der gläserne Profi – Abhängig von Beratern

Das Statement von Marco Reus per Facebook zu seiner aktuellen Vertragssituation sagt eigentlich nichts, aber doch so viel. In allerfeinstem, vom Berater diktiertem Fussballerjargon verfolgt das Statement natürlich nur eine Intention: Man möchte Ruhe um seine Person schaffen. Ruhe, die man braucht, damit die Pläne im Hintergrund nicht gefährdet werden.

Man muss sich nicht besonders weit aus dem Fenster lehnen, um zu behaupten, dass wenn Reus wirklich langfristig beim BVB bleiben wollen würde, er das schon längst fixiert hätte. Doch die zahlreichen Angebote der Borussia lehnte er stets ab. Oder ließ sich gar nicht erst darauf ein.

Es entwickelt sich erneut eine absurde Hängepartie. Erneut, weil speziell Borussia Dortmund in der Vergangenheit Erfahrung mit Hängepartien in Bezug auf Verträge sammeln musste. Bei Lewandowski gingen ebenfalls viele Monate ins Land, bis er schlussendlich mit der Sprache rausrückte und seinen Wechsel verkündete.

Klartext ist ein sehr seltenes Gut im Profifussball geworden. Das Geschäft Fussball verlangt mittlerweile einen hochsensiblen Umgang mit den Medien. Eben diese Medien diktieren unserem Sport die Regeln. Es ist sicherlich faszinierend, wie „nah“ man heutzutage seinen Idolen auf und abseits des Platzes sein kann. Soziale Medien machen es möglich. Der Preis allerdings, den wir dafür zahlen, ist hoch. Ein gläserner Fussballprofi wird sich hüten eine verbindliche Aussage zu geben. Schließlich kann und wird alles gegen ihn verwendet werden. Denn immer ist irgendwo ein Ohr oder eine Handykamera, die dabei ist und Gesehenes bzw. Gehörtes in 140 Zeichen bei Twitter oder auch mehr bei Facebook unwandelt.

Abschreckende Beispiele gibt es genügend. Calhanoglu und Götze sind wohl zwei der bekanntesten Fälle. Beide tätigten klare Bekenntnisse zu ihren Clubs, gewannen damit die Herzen der Fans und entschieden sich dann in kurzer Zeit zum Gegenteil. Entsprechend heftig reagierte die Öffentlichkeit. Selbst wer die ursprünglichen Pro-Interviews der beiden vorher nicht mitbekommen hatte, wird prompt mit Bekanntwerden des Gegenteils daran erinnert.

Denn die sensationsorientierte Presse lauert nur auf genau solche Fehler im Umgang mit den Medien. Nichts verkauft sich besser, als eine öffentliche Vorführung. Den Vorwurf muss man dabei zu weiten Teilen aber auch den Beratern machen. Die Spieler verlassen sich voll und ganz auf diese und folgen meist blind. Sieht der Berater dann aber kurzfristig doch noch eine profitstarke Gelegenheit, werden Faktoren, wie Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit schnell mal ignoriert, die Meinung um 180 Grad gedreht und das Geld mitgenommen. Zum Leidwesen des Spielers, der dann als Heuchler darsteht und gehasst wird.

Das wahre Problem sind nicht die Charakteristika der Spieler, sondern die Ziele der Berater im Hintergrund. Sie sind dafür verantwortlich, dass klare Aussagen möglichst vermieden werden. Anstatt jungen Spielern beratend und erklärend beiseite zu stehen, benutzen sie diese nur als Marionetten. Und im Zweifelsfall sogar Glaubwürdigkeit und Reputation des Spielers in Mitleidenschaft gezogen werden.

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2 Kommentare zu “Der gläserne Profi – Abhängig von Beratern”

  1. Sehr Interressantes Thema, wie eigentlich alles was ihr aufgreift. Der Anfang hier ist vielversprechend, leider fehlt es aber hinterher an Objektivität. Trotzdem Daumen hoch für den Blog.

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