#05 – Der Kreisliga auf den Grund gegangen

In dieser Serie stehen die abertausenden Amateurkicker im Mittelpunkt. Wir erklären die Faszination Kreisliga und warum es sich immer wieder lohnt die Knochen für den Verein hinzuhalten. An jedem verdammten Sonntag.
In unserem heutigen Teil beschäftigen wir uns mit dem Gegner, den beide Teams einer Begegnung haben: Dem Platz.

Während die Platzverhältnisse in der Bundesliga nur marginalen Schwankungen unterliegen, sieht das in der Kreisliga schon ganz anders aus. Dort ist es an jedem Wochenende eine Lotterie, auf welchem Geläuf man seine Fußballschuhe ausführt.

Wir haben heute mal die gängigsten Platzmodelle zusammengefasst, inklusive ihrer jeweiligen Reaktion auf Änderungen der Witterung, Ballverhalten und Verletzungsgefahr.

Rote Asche

Zeichnet sich dadurch aus, dass sie sehr pflegeleicht ist. Falls er mal abgenutzt aussieht, walzt man kurz drüber und schon ist er wieder glatt.

  • Witterungsverhalten

Sonne (trocken):

Staubt wie Hulle. Im Strafraumgetümmel scheuen die Staubwolken keinen Vergleich mit Sandstürmen in der Sahara. Abgesehen von der trockenen Kehle schnupft man noch tagelang Staubreste ins Taschentuch.

Leichter Regen:

Eigentlich das perfekte Wetter. Wird nicht übermäßig tief, staubt nicht. Bildet nur kleinere Hügel, die Flachpässe, Ballannahmen und Schüsse zur Herausforderung machen.

Starker Regen:

Felix Magath gefällt das. Der Boden wird tief und sickig, es bilden sich meterweite und zentimetertiefe Pfützen. Laufen und Rennen werden zur Qual, der Ball platscht nur noch auf und weigert sich, auch nur ansatzweise zu rollen oder aufzuticken. Ein Fest für Torhüter mit Überwindungsangst.

Frost:

Der Endgegner. Einziger Unterschied zum Parkplatz vor dem Gelände: Der Parkplatz hat keine Hügel, die einem die Gelenke zerreißen. Da hat wirklich keiner Bock.

  • Ballverhalten

Nur für Profis berechenbar. Ballführung, flache Pässe, stoppen, schießen – all das wird zur Herausforderung, da dieser Platz alles ist, außer eben. Selbst gerade gewalzt reichen wenige Spielminuten aus, um unsichtbare aber entscheidende kleine Hügel entstehen zu lassen

  • Verletzungsgefahr

Für die Gelenke noch annehmbar, für Stürze und Grätschen zumindest im trockenen und feuchten Zustand fatal. Die feine Asche ist nur mit Gewalt (Bürste) und auch damit nur sehr schwer aus der Haut zu bekommen. Narben, Haarlosigkeit, eiternde Wunden sind die Folge. Das natürliche Peeling des kleinen Mannes. Kein altgedienter Kreisligaspieler ist glaubwürdig ohne eingewachsene Asche irgendwo im Körper.

  • Weitere Varianten

Rollsplitt:

Die grobere Variante, bei Grätschen bleiben keine Aschekrümel, sondern kleine Steine im Fleisch.

Asche-Wiese-Hybrid:

Meistens im Bereich der Eckfahne und im Strafraum wuchert Unkraut so dicht, dass es zumindest von weitem aussieht wie Rasen.

Rasen

Nicht so pflegeleicht wie Asche. Vor allem bei städtischem Vereinsgelände mit Ascheplatz als Alternative witterungsbedingt regelmäßig gesperrt – zu nass, zu trocken, wird gerade gesät etc. Im Besten Falle schöne ebene Spielgrundlage, im schlimmsten Fall ein Spießrutenlauf für die Gelenke.

  • Witterungsverhalten

Sonne (trocken):

Gut bespielbar, je nach Platz eventuell etwas zu hart. Ansonsten schonend für den Körper. Federt, es wird gerne gegrätscht, staubt nicht.

Leichter Regen:

Ebenfalls gut bespielbar, wird nicht zu tief, federt eher noch etwas besser. Der Platzwart zieht allerdings besorgt die Augenbrauen hoch, denn der Platz fängt im Laufe des Spiels an zu leiden.

Starker Regen:

Je nach Platzqualität reicht es von nur tieferer Boden bis hin zu Schlammschlacht. Der Platzwart sitzt weinend im Vereinsheim. Jeder Ausfallschritt, jede Grätsche reißt Löcher in den Platz.

Frost:

Der Platz wird meistens gesperrt.

  • Ballverhalten

Je nach Qualität meistens berechenbar. Nicht umsonst wird im Profibereich Rasen bevorzugt. Der Ball rollt bei Pässen ohne Umwege von A nach B, tickt berechenbar, bremst (zumindest wenn es trocken ist) kaum ab. Nur bei Regen wird er teilweise sehr schnell, Flachschüsse und Aufsetzer werden vom Trainer angeraten.

  • Verletzungsgefahr

Betrifft eher die Bänder, als die Gelenke. Der Boden federt gut. Bei zu tiefen Rasen besteht die Gefahr auf Bänderdehnungen oder –risse, wenn man steckenbleibt.

  • Weitere Varianten

Wiese:

Nicht nur Rasen, sondern auch Löwenzahn und Gänseblümchen säumen den Platz.

Acker:

Meistens in Kombination mit „Wiese“, der Platz ist uneben bis hügelig, der Strafraumbereich ist vor allem im Fünfmeterraum meistens ein Schlammloch. Bei der Verletzungsgefahr kommt noch das Risiko für die Gelenke dazu, da man öfter und schwerer umknickt, als physiologisch vorgesehen. 

Kunstrasen

Die pflegeleichteste Variante. Unebenheiten wie Hügel und Löcher gibt es nicht. Zwar härter, als der echte Rasen, dafür aber komplett eben. Hier wird jede technische Schwäche offenbart. Zudem ist der Platzwart arbeitslos.

  • Witterungsverhalten

Sonne (trocken):

Aufgrund der nicht natürlichen Herkunft kann man zum Witterungsverhalten bei Sonne nicht viel sagen. Optimales Wetter für Kunstrasen.

Leichter Regen:

Die Tiefe ändert sich nicht, allerdings wird es etwas glatter auf dem Platz. Das richtige Schuhwerk ist schwer zu wählen. Wird meistens durch hinzugeben von Granulat oder Sand künstlich tiefer gemacht, um dem ständigen Ausrutschen entgegenzuwirken.

Starker Regen:

Je nach Einsatz von Granulat/Sand: Glatt wie Hulle. Allerdings meistens doch noch passabel bespielbar, ohne witterungsbedingt die Verletzungsgefahr zu erhöhen. Gutes Drainage-System vorausgesetzt.

  • Ballverhalten

Präzise Pässe und Schüsse möglich. Ball verspringt aus Platzgründen nie. Vor Allem für Techniker der optimale Untergrund. Wird bei Regen spiegelglatt für den Ball. Kurzpassspiel wird dementsprechend anspruchsvoll.

  • Verletzungsgefahr

Belastet anders als bei Asche oder hügeligem Rasen die Gelenke und Bänder nicht aufgrund der Gefahr umzuknicken, sondern aufgrund der künstlichen Federung. Bei Stürzen und Grätschen kann man sich schon mal eine feine Schürfwunde à la Hallenboden zulegen. Kombiniert mit Granulat/Sand immer unangenehm.

  • Weitere Varianten

Nicht vorhanden.

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