Der Fall Calhanoglu – Ein Bauernopfer des Systems

Für viele ist die Situation eindeutig: Der Begriff „Söldner“ bahnt sich wie von selbst aus den Tiefen des Fanherzens an die Oberfläche.

Der (grobe) Hintergrund: Er bekennt sich zum HSV, lässt sich dann krankschreiben, um darauf zu Bayer Leverkusen zu wechseln. Im, von Romantik und Herz dominierten Bereich der Traditionsclubs, ein „Faux-pas“, ein „No-Go“, oder wie man im Ruhrgebiet sagt: „Datt machste einfach nich!“.

Als Fußballspieler darf man so etwas nicht. Aber jeder von uns kennt mindestens eine Person (wenn auch vom Hörensagen), die das schon mal gemacht hat. Und dabei heißt es dann: „Hätte ich wahrscheinlich auch so gemacht!“.

Wischen wir mal die Romantik, den Puderzucker, die Einhörner und Regenbogen beiseite: Der Fußball ist ein Geschäft geworden. Vereine sind Arbeitgeber. Calhanoglu hat seinem Arbeitgeber gekündigt, einen neuen Arbeitgeber gefunden. In den letzten Wochen seines Jobs ging es ihm psychisch schlecht aufgrund der Situation an seinem Arbeitsplatz. Also nimmt er eine Kranschreibung bis zum Ende seines Vertrages. Unter Berücksichtigung, dass da noch ein sehr junger Mensch hinter steckt, wäre das zumindest in der „normalen“ Arbeitswelt nachvollziehbar. Fußballspieler aber heißen, wenn sie sich gegen den eigenen Verein entscheiden und für einen (meistens auch finanziell) besseren Job entscheiden, „Söldner“. Sie sind nur geldgierig und identifizieren sich nicht mit dem Arbeitgeber.  Wenn man mal einen solchen Fall in der Bekanntschaft hat, dann beglückwünscht man Freunden und Kollegen zur gleichen Entscheidung. Wer sich in seinem Job unwohl fühlt und ein besseres Angebot bekommt, der wechselt. Das teilt man seinem aktuellen Arbeitgeber auch erst mit, wenn ich einen neuen Job sicher habe, oder?

Klar, im Endeffekt ist die Reaktion auf seine ungeschickte Außendarstellung nachvollziehbar. Der Fan sieht seinen Verein und damit sich selbst hintergangen. Unprofessionalität gepaart mit unsicheren und ungeschickten Äußerungen führen zwangsläufig zu Schmähungen in diesem Geschäft.

Ist Hakan Calhanoglu dafür verantwortlich?

Bevor jetzt Proteststürme losgehen: Dieses Verhalten ist offiziell im Profifußball unangebracht. Unprofessionell. Doch ich möchte in dieser Situation hinterfragen, ob man die Verantwortung nicht woanders sehen muss: Bei den Verantwortlichen der Vereine und bei sogenannten „Beratern“. Wie man beim ZDF gesehen hat, ist Calhanoglu keine Person, die durch seine verbalen Fähigkeiten glänzt. Das muss bekannt sein. Es liegt also in der Hand des Vereins, diesen Jungen darauf vorzubereiten oder davor zu bewahren.

Abschließend bleibt festzuhalten: Junge Spieler, die limitiert sind in ihren verbalen Möglichkeiten sollten von den Verantwortlichen geschützt werden. Auch die Medien sind in der Verantwortung, Feingefühl zu besitzen und vielleicht zusammen mit den Vereinen zu arbeiten, um solche medialen Desaster zu vermeiden.

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