#03 – Aus gleichem Holz geschnitzt: Schwerter Kreisligaromantik

In dieser Serie stehen die abertausenden Amateurkicker im Mittelpunkt. Wir erklären die Faszination Kreisliga und warum es sich immer wieder lohnt die Knochen für den Verein hinzuhalten. An jedem verdammten Sonntag.
Diesmal hat sich Leon Weiß etwas Zeit für uns genommen, um seinen Verein mal vorzustellen. Warum die Holzpfosten aus Schwerte kein gewöhnlicher Kreisligaclub sind, erfahrt ihr in unserem kleinen Interview.

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Tach, Leon! Erstmal danke, dass du dir einen Moment für unser kleines Interview Zeit nimmst mit investigativen Fragen auf Kreisliga-Niveau. Wir wissen ja schließlich, was „ehrenamtlich“ bedeutet. Wie lief das Wochenende? Gepunktet?

Ganz schlechter Zeitpunkt. Am Wochenende war Derby, wir spielten in Ergste, einem Schwerter Stadtteil. Dass es gegen den Zweiten schwierig wird, wussten wir. Aber ein 0:4 ist dann doch ein bisschen zu krass gewesen. Naja, das Gute bei uns ist, dass es ja immer noch andere Teams gibt, die Niederlagen relativieren. Diesmal waren es unsere Futsaler, die im Topspiel gegen Bayer Uerdingen ein geiles 5:4 erkämpft haben.

Nun kurz zu dir: Wer bist du und was machst du eigentlich hier? Bzw. bei deinem Club?

Ich bin ein Holzpfosten der vierten oder fünften Stunde. Vor drei Jahren bin ich in den Verein eingetreten, der mir schon immer sympathisch war, weil ich auch ein Gros der Aktiven kannte. Ich habe dann die erste A-Jugend des Vereins mitinitiiert, gespielt und bin mittlerweile auch im Vorstand tätig. Das Schönste aber ist, sich jeden Samstag auf den Futsaltribünen des Landes ausleben zu können. Ich bin so schon sieben Tage in der Woche im Holzpfosten-Modus. Und damit sicher nicht alleine.

Ziemlich unkonventioneller Name, den euer Verein trägt. „Holzpfosten“ klingt zunächst mal nach einem Schreinerverein. Woher kommt der ungewöhnliche Name und welche Sportarten kann man bei euch ausüben?

Die wohl meistgestellte Frage… Wie in unverfälschten Erzählungen überliefert, war die Tormarkierung jener Truppe, die sich zur Gründungszeit gerne mal zum Pöhlen traf, ein Holzpfosten. Dem eingetragenen Verein ging eine Hobbytruppe in der Soccerworld voraus. Die hat sich damals so genannt, was zum Glück einfach übernommen wurde. 2006 sind wir mit einem Fußballteam im Ligabetrieb gestartet. Mittlerweile sind es drei. Hinzu kommt eine Futsal-Abteilung, die uns im Frühjahr den größten Vereinserfolg schenkte, den deutschen Vizemeistertitel. Außerdem im Angebot: Basketball und Badminton. Wir sind aber stetig auf weiterer Suche. Boccia, Eishockey, auch eine Schreinerabteilung wäre doch astrein.

Jeder Verein hat ja seine ganz speziellen Lieblingsfeinde. Die Vereine, gegen die man nicht verlieren darf. Weil man sich das sonst jahrzehntelang zu jeder passenden und unpassenden Gelegenheit anhören darf. Welche sind eure?

Das Wort Feind passt zu uns so wenig wie Lothar Matthäus in die katholische Kirche. Klar ist ein Spiel, wie wir es am Wochenende hatten, etwas besonderer, allein wegen des Lokalkolorits. Aber Feinde? Nee. Allenfalls im Futsal gibt es so eine Art Hassliebe. Da gibt es zweimal pro Saison den sogenannten Futsal-Clásico. Da spielen wir gegen den UFC Münster, unseren Erzrivalen. Im Februar haben wir den das erste Mal geschlagen. Und das wurde dementsprechend intensiver gefeiert als ein Sieg in der Kreisliga C. Wobei auch die sehr schön sein können…

Wenn man meint, dass ihr ein gewöhnlicher Amateurclub seid, merkt man schnell, dass man sich auf dem Holzweg befindet (War das letzte Wortspiel, versprochen!). Eure Website verrät dem geübten Auge schnell, dass ihr alles andere, als das seid. Grafisch ist das auf hohem Niveau. Wer kümmert sich bei euch darum und wie aufwändig ist sowas?

Wir haben da ein echt super funktionierendes Team. Die aktuelle Homepage haben die Lauschner-Brüder (Mit-Vereinsgründer), Daniel Otto, selbst Teamchef und Torwart der Futsaler und Torben Krix, Geschäftsführer und Badminton-Trainer, entworfen. Viele bewegen sich auch beruflich in diesem Internet. Und rausgekommen ist ein wirklich sehr ansehnliches Endprodukt aus ganz besonderem Holz (erstes und letztes Wortspiel, versprochen!). Die meiste Reichweite haben wir aber in den sozialen Medien. Das ist simpler und effektiver.

Der Titel „Team des Jahres“, der euch feierlich von der fussball.de-Redaktion virtuell übergeben wurde, war natürlich ein landesweites Ausrufezeichen. Seid ihr nun über die Stadtgrenzen hinaus bekannt?

Ich hoffe doch, dass die Menschen in Peru schon heftigst bei der Sportschau fordern, endlich Holzpfosten-Spiele zu senden. Im Ernst: Diese Wahnsinnszeit im Frühjahr, als die Futsaler ins Finale eingezogen sind, hat unseren Bekanntheitsgrad total erhöht. Das merkt man am ehesten bei Facebook. Aber auch durch die weltweite Aufkleber-Aktion unserer Hoolzpfosten kann man uns zum Beispiel vor dem Opernhaus in Sydney, am Kap der guten Hoffnung oder am Machu Picchu sehen. Wo wir wieder in Peru wären…

Du sprichst sie gerade schon an. Bemerkenswert ist außerdem, dass ihr eine eigene Ultra-Gruppierung habt, die sich „Hoolzpfosten“ schimpft. Das können wohl die wenigsten Amateurclubs von sich behaupten. Wie kann man sich das vorstellen? Taucht ihr mit grimmigem Blick und schwarzen Hoodies auf den Plätzen der Umgebung auf?

Das haben wir anfangs mal versucht, hat aber wenig Eindruck hinterlassen. Nein: In der Hoolz-Satzung ist unmissverständlich festgehalten, dass es einzig um die Unterstützung des eigenen Teams geht. Und daran halten wir uns auch in den meisten Fällen. Pöbeln ist doch Kacke. Ich erinnere mich noch gerne an das Futsal-Viertelfinale in Chemnitz. Da hat der örtliche Verein Sekunden vor dem Ende eine Auszeit genommen – direkt vor unserem Block. Da haben wir mit 25 Frauen und Männern dermaßen laut gesungen, dass der Trainer zur Hälfte kapitulierte, es aufgab weiter zu reden. Wir haben das Spiel 3:2 gewonnen.

Achja, hätte ich fast vergessen zu fragen, weil ich das kaum glaube, konnte: Ihr habt ’nen eigenen Fanshop? Ernsthaft?

Klar, das macht wiederum wieder unser Kleinunternehmer und Badmintonspieler Torben Krix. Geile Sache: Vom Einkaufsbeutel für hippe Großmütter bis zur Tasse für den spießigen Versicherungsvertreter ist alles dabei. Reinschauen lohnt sich. Mir persönlich fehlt noch die Holzpfosten-Bettwäsche.

Auch eure Facebook-Seite wird professionell geführt. Hier findet man u.a. auch echte Liveticker á la 11Freunde. Wird man eigentlich angepöbelt, wenn man schreibend mit dem Smartphone am Spielfeldrand steht?

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Nein. Man bekommt nur nicht so viel mit, wenn man die ganze Zeit tippt. Aber um 1291 Followern konstante Aktualität bieten zu können, machen wir das sehr gerne. Bei uns ist das Spielfeld vielleicht nicht nur 90×50 groß, wir haben eben ein weiteres, unlimitiertes im Internet. Das ist unser Vorteil. Wir sind schlicht ein junger Verein mit jungen Leuten im Aktivenbereich und Umfeld. Wenn wir auf ein Futsal-Heimspiel aufmerksam machen möchten, hilft es uns deutlich mehr, es bei Facebook zu tun, als ein Plakat an Schwertes Litfaßsäulen zu zimmern. Facebook und die anderen sozialen Medien helfen uns ungemein. Und man kann Holzpfosten jederzeit und überall erleben.

Apropos Spielfeld, welcher Kreisliga-Typ bist du eigentlich?

Für den Musterschüler bin ich wohl zu schnell eingeschnappt, für den Massigen zu schmächtig. Vermutlich bin ich ganz unspektakulär: der Jüngste. Ich bin ja gerade erst in meinem ersten Seniorenjahr. Und habe in vier Spielen schon mehr erlebt als Christian Wörns in seiner Gesamtkarriere. Tor in der C-Liga, 0:5-Klatsche gegen den Letzten und zuletzt sogar eine Rote Karte in der A-Liga. Wegen einer angeblichen Notbremse. Ich kann hier aber versichern: Das war die größte Fehlentscheidung seit Helmers und Kießlings Phantomtoren…

Zu guter Letzt darfst du noch ein klein wenig aus dem Nähkästchen plaudern und deine allerbeeindruckendste Kreisliga-Anekdote erzählen. Wir setzen uns in einen Kreis, machen das Lagerfeuer an und lauschen.

Da fällt mir auf Anhieb die ein: Als wir vor zwei Jahren unser erstes A-Jugend-Heimspiel im Holzpfosten-Dress hatten, kamen morgens um elf mehr als hundert Unterstützer zum Platz. Ich war eh schon stolz wie Oskar, und dann so ’ne Kulisse. Auf dem Platz standen elf eingeschworene Freunde, die mehr oder minder mit einem Fussball umgehen konnten, drumherum die anderen Verrückten aus dem Verein. In der 71. Und 74. Minuten hat Daniel Schedel dann einen Doppelpack erzielt. 2:0-Sieg gegen den FC Iserlohn 2. Es war unser erster – und ich werde ihn nie vergessen. Wo sonst wird man mit einer Laola-Welle und Vereinsgesängen in die Kabine verabschiedet, wo der 26-jährige Präsident mit den ersten zwei Kisten wartet (eine Fassbrause war auch dabei)? Das ist Holzpfosten!

Wer mehr über die Schwerter Holzpfosten erfahren will, ist auf der Homepage genau richtig. Hier findet ihr ohne Ende Inhalt!
Und um immer auf dem Laufenden zu bleiben, empfiehlt es sich einen blauen, nach oben gerichteten Daumen hier zu hinterlassen.

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