Bundesliga in der Sinnkrise

Die Spannung war einst das höchste Gut unserer Bundesliga. Unter den großen europäischen Ligen sogar zeitweise ein Alleinstellungserkmal. Ja, sogar beneidet hat man uns im Ausland. Für eine ausgesprochen ausgeglichene Liga, die regelmäßig andere Meister hervorbringt.
Legendäre Meisterschaftskämpfe und Spannung bis zum letzten Spieltag waren keine Seltenheit. Ganz oben thront natürlich das Saisonfinale 2001 zwischen dem FC Bayern und Schalke 04. Auch bekannt als „Die Mutter aller Saisonfinals“. Danke an dieser Stelle auch nochmal an Rollo Fuhrmann, der damals behauptete das Spiel in Hamburg sei vorbei.

Schöne Erinnerungen, die aber älter und älter werden. Soll heißen: Neue spannende Meisterschaftskämpfe, neue Kapitel im Buch der Zielgeradenentscheidungen suchen wir seit Jahren vergeblich. Ob das nun an der größer gewordenen Qualität liegt und dem damit einhergehendem größeren Leistungsgefälle, lässt sich abschließend wohl nicht beantworten. Das Ergebnis ist jedenfalls eine völlig unausgeglichene Liga. Zunächst war der BVB unantastbar über allen, ab 2012 übernahm dann der FC Bayern wieder und regiert seitdem in noch beeindruckenderer Art und Weise, als je zuvor. Jahrzehntealte Punkterekorde fielen gleich mehrfach, was spannungstechnisch ein schlechtes Zeichen ist.

Irgendwie hat man sich mittlerweile ja schon halbwegs daran gewöhnt, dass die Meisterfrage in der Bundesliga vor einer Saison gar nicht mehr gestellt wird. Dafür sind die Münchner schlicht und ergreifend viel zu weit vom Rest der Liga entfernt. Selbst eine WM-bedingte Schwächephase zu Beginn der Saison konnte niemand der Herausforderer nutzen und so steuert man wohl auch in dieser Saison wieder auf eine ungefährdete Meisterschaft zu.

Es stellt sich also die Frage: Macht eine Bundesliga ohne Titelkampf überhaupt Sinn?
Auf der einen Seite ja, denn es gibt ja schließlich noch den Abstiegskampf. Der ist auch weiterhin spannend. Sich allerdings am Leid und Elend anderer zu ergötzen ist einfach nicht dasselbe, wie der Wettbewerb um Ruhm und Ehre. Auf Dauer also macht die Bundesliga so keinen Spaß mehr. Das kann man weniger dem FC Bayern vorwerfen, als seinen Verfolgern. Die Tatsache aber bleibt frustrierend. Denn der Status Quo wertet die gesamte Liga trotz gesteigerter fussballerischer Qualität im Vergleich dazu, wie sie vor fünf bis sechs Jahren noch war, immer mehr ab. Das mediale  Interesse im Ausland wird mittelfristig trotz WM-Titel weiter sinken.

Ein Patentrezept dagegen gibt es nicht. Es bleibt zu hoffen, dass die Opposition sich stabilisieren kann, damit sie wieder eine ernste Gefährdung der Bayern darstellen kann. Auch wenn das derzeit schwer vorstellbar erscheint.

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