Spaniens Selección – Kein Abgesang nötig

Die spanische Selección muss nach der Niederlage im EM-Quali-Spiel gegen die Slowakei erneut heftige Kritik einstecken. Spott kommt von den anderen Nationen, aus der Heimat hört es sich fast schon nach Resignation an. Man habe sich an „das Verlieren gewöhnt“, so die spanische Presse. Das dürfte wohl die Spitze der absurd negativen Wahrnehmung der spanischen Nationalelf derzeit sein. Wenngleich Spaniens Medien natürlich nicht gerade dafür bekannt sind objektiv zu beurteilen. Drama steht meist an erster Stelle.

Die Vorstellung bei der WM in Brasilien war blamabel, das steht außer Frage. Wir bekamen dort eine Mannschaft zu sehen, die ihren Zenit überschritten hatte. Der Kern der Erfolgsjahre 2008 bis 2012, bestehend aus Casillas, Ramos, Puyol, Piqué, Xavi, Iniesta, Alonso, Silva, Fabregas, Villa und Torres war entweder völlig außer Form, nicht mehr dabei oder eben nicht mehr auf der Höhe ihres Schaffens. Eine Verjüngung des Teams wurde zwischen 2012 und 2014 nicht vorangetrieben und dementsprechend traten sie bei diesem Turnier auch gänzlich uninspiriert und träge auf. Überrollt von hungrigen Holländern, hatten sie auch den starken, aufstrebenden Chilenen nichts entgegenzusetzen. Der Sieg gegen die Australier war dann reine Ergebniskosmetik.

Die Kritik kam berechtigterweise prompt von allen Seiten. Schließlich hätte man längst eine Verjüngung des Kaders einleiten können. Aus alter Verbundenheit und vielleicht auch für vergangene Verdienste ließ man aber erneut weitestgehend die Helden der drei Titel weitermachen. Es fällt einfach enorm schwer den Spielern vor den Kopf zu stoßen, die eine einzigartige Ära geprägt haben. Denn eine derartige Dominanz mit drei aufeinander folgenden Titeln gab es noch nie zuvor. Sie haben die vorher oft als untrainierbar und verstritten verschmähte „Furia Roja“ auf den Fussballolymp katapultiert.

Nun scheint die Ära der Rekordmannschaft aber weitestgehend beendet und Trainer del Bosque baut eine Reihe vielversprechender Talente und bereits gefestigter Jungstars ein. Paco Alcácer und Rodrigo von Valencia, Koke von Atletico, Bernat und Thiago vom FC Bayern oder Munir El Haddadi aus Barcelona um mal einige namentlich aufzuführen. Allein nach dieser Gruppe von U23-Spielern leckt sich wohl die gesamte Fussballwelt die Finger. Soll heißen: Um den Nachwuchs muss man sich in Spanien ganz gewiss keine Gedanken machen. Die Generation nach Xavi, Iniesta und Co. ist mindestens genauso talentiert und wird dies in den kommenden Jahren noch unter Beweis stellen.

Dass nun nach der, zugegeben, überraschenden Niederlage gegen die Slowaken erneut ein Abgesang auf das im Umbruch befindliche Team von del Bosque stattfindet, ist völlig realitätsfern und zeigt wie sehr vor allem die Spanier selber durch die Erfolgsära verblendet wurden. Es ist völlig logisch, dass ein Umbruch gewisse Zeit in Anspruch nimmt und niemals reibungslos vonstattengeht. Misserfolge sind dann die natürliche Konsequenz. Nur über diesen Misserfolgen muss man mit dem Selbstvertrauen eines einfachen Weltmeisters und zweifachen Europameisters einfach stehen und nicht in Panik verfallen. Es ist keine gewagte These zu behaupten, dass sich Spanien trotz Niederlage gegen die Slowaken für die EM 2016 qualifizieren wird. Etwas mehr Ruhe und Vertrauen in das enorme Spielerpotential würde allen gut zu Gesicht stehen und die Arbeit der handelnden Personen deutlich erleichtern.

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