Bodenlos – Schalke ohne Keller

Jetzt ist es also passiert. Jens Keller, der sich einen Namen machte als „Phönix“ und „Stehaufmännchen“, wird von der Vereinsführung des FC Schalke 04 beurlaubt. Zuerst wollte ich hier einen hemmungslosen wütenden Text in die Tasten knüppeln. Das wäre aber weder inhaltlich noch schreib-ästhetisch vertretbar gewesen. Also tief durchatmen, eine Nacht drüber schlafen und dann besonnen ans Werk.

Fakt ist, als ich morgens noch mit halb zugeklebten Augen die Neuigkeit las, dass es gerüchteweise zu einer Entlassung kommen soll, war mein erster Gedanke: „Vorhersehbar, typisch Schalke und wie immer mit bitterem Beigeschmack.“ Dann gingen in meinen blau-weißen Gehirnzellen die Spekulationsmechanismen los: Slomka? Eher nicht! Tuchel? Wird wieder auf Platz 1 der Anwärter stehen, macht aber ein Sabbatjahr. Elgert als Interimslösung? Wahrscheinlich, aber nicht als Dauerlösung, das hat schon beim letzten Mal nicht so gut geklappt.

Im Laufe des Tages kam dann noch der Name Bernd Schuster ins Spiel.

Um es mal zu Schreiben wie reißerische Videotitel, die dringend Klicks brauchen:

Was dann geschah, erwartete niemand…

Die Führungsriege um Schnitzelklopfer Clemens T. und Sportvorstand Horst H. stellten kurz nach den ersten Gerüchten um Kellers Beurlaubung nahezu im gleichen Atemzug mit der Bestätigung den neuen Cheftrainer vor: Roberto di Matteo.

Laut Clemens T. wolle man keinen Schnellschuss, sondern eine langfristige Lösung, daher diese Entscheidung. Da schlackern ja selbst Lucky Luke die Ohren, denn der FC Schalke 04 stellt Trainer schneller vor, als der Schatten. Ich kann nur vermuten, dass man es ähnlich gemacht hat wie letztes Jahr im Winter, als man Thomas Schaaf gefragt hatte. Dort hieß es: „Sagst du zu, ist Keller weg!“ – Schaaf, da ziehe ich meinen Hut vor, sagte unter diesen Umständen ab (Böse Zungen behaupten dies sei nur ein vorgeschobener Grund) und Keller behielt seinen Job. Danach spielt er wie nebenbei die beste Rückrunde der Vereinsgeschichte und erreicht den direkten CL-Platz.

Ein Jahr später, wieder Hinrunde, wieder Krise. Diesmal sagt einer: „Ja!“ und Keller ist Geschichte. Und ein Cheftrainer, der sich 22 Monate lang, nahezu ohne Rückendeckung, Kritik gefallen lässt und einfach seinen Job macht, wird derart respektlos entlassen? Herzlichen Glückwunsch, endlich ist der S04 wieder in den Medien.

Die Medien. Wo ich gerade dabei bin: Liebe Medienvertreter, Sportjournalisten, selbsternannte Experten und wer auch immer seinen Senf öffentlich dazu gibt: Bitte zu dem Thema (verzeiht mir die Ausdrucksweise) FRESSE HALTEN. Der Mann hatte damals noch kein Spiel, da wurde er schon zerrissen. Ohne Grund, ohne Not. Nur um dann, so scheinheilig dass ich kotzen könnte, ein paar Monate später in Interviews zu fragen „Wieso sind Sie eigentlich so umstritten?“. Jetzt werden sie es alle wieder kommentieren mit der Unruhe auf Schalke und dem armen armen geschassten Keller, den sie ZWEIUNDZWANZIG Monate selbst unten gehalten haben.

Lieber Jens Keller, ich ziehe meinen Hut vor deiner ruhigen Art, mit dieser Situation umzugehen. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft. Mach mal richtig schön Urlaub!

Zum Schluss noch ein paar Sätze zum neuen Trainer: Für mich wieder eine halbgare Lösung. Mehr als ein halbes Jahr Trainererfahrung beim FC Chelsea kann er nicht vorweisen. Hat auch seit dem keinen Job mehr gefunden. Erneut also eine Wundertüte. Da er die Champions League mit Chelsea gewonnen hat, wird die Erwartungshaltung im gewohnt wenig objektiven Umfeld unangemessen hoch sein. Mal sehen wie er damit umgeht.

Glück auf.

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