Erlösung für Keller – Die Guillotine fällt

Jens Keller ist nicht mehr Trainer des FC Schalke 04. Diese Nachricht wurde heute morgen als der Paukenschlag schlechthin in der Presse verkauft. Doch ist die Entlassung eines Mannes, der quasi seit Beginn seiner Amtszeit auf der Kippe steht, wirklich eine so große Überraschung? Natürlich nicht.

Der ewige „dead man walking“ wurde nun schlussendlich zur Guillotine geführt, wo seine Henker Tönnies und Heldt bereits warten. Seit einer gefühlten Ewigkeit. Man wird in keinem Wildwest-Film einen zäheren Helden finden, als Jens „Frown Lines“ Keller. Es grenzt fast an ein Wunder, wie lange er sich vor diesem Gang drücken konnte. Denn die Tatsache, dass er trotz Verurteilung mit Amtsantritt so lange überleben konnte, ist wesentlich beeindruckender, als die Schmach nun doch erwischt worden zu sein. Die Schmach sollte vielmehr seinen feigen Henkern zugeschrieben werden. Doch das sind nicht nur Heldt und Tönnies, die letztendlich die Guillotine fallen ließen. Auch und vor allem das königsblaue Volk hat großen Anteil an der irrationalen Bewertung und Verurteilung Kellers.

Keller selber ist sicher auch nicht frei von Schuld. Die verlesenen Verurteilungspunkte der fehlenden Konstanz und taktischen Weiterentwicklung der Mannschaft muss er sich anlasten lassen. Das tut er aber auch. Hier zeigt er sich einsichtig. Ausbleibender Erfolg und Begeisterung hingegen sind Punkte, wegen denen er zu Unrecht die Konsequenzen ziehen soll.
So muss man sich den Moment, in dem Keller mit den Händen auf den Rücken gebunden zwischen der johlenden, königsblauen Menge auf das Podest geführt wird, wohl wie folgt vorstellen:

Mit neutraler Mine lässt er sich bereitwillig die Stufen hoch auf das Podest führen. Fest im Griff zweier Vorstandsmitglieder, die ihn lächelnd dort hoch begleiten. Seine Stirnfalten glänzen in der Mittagssonne, auf denen sich kein Schweißtropfen feststellen lässt. Denn „Frown Lines“ Keller ist mit sich im Reinen. Er weiß, dass er diesen Moment nie hätte verhindern können. So blickt er noch einmal über das tobende Volk, was ihm ebenfalls nie eine faire Chance ließ. Gleichgültig empfangen ihn seine Henker Tönnies und Heldt, beugen ihn vor, um ihn zwischen den Brettern zu fixieren.
„Ich hatte nie eine Chance, richtig?“ spricht Keller sie noch einmal trotzig an. Ohne eine Antwort und mit vielsagendem Blick, lassen sie die Guillotine fallen. Diese letzte Genugtuung verschafft ihm die Kraft die öffentliche Verurteilung hinzunehmen.

Klingt martialisch. Ist natürlich auch alles nur Satire. Aber Satire schafft es noch immer am besten einen Spiegel vorzuhalten.

In diesem Sinne: So long, Frown Lines.

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Ein Kommentar zu “Erlösung für Keller – Die Guillotine fällt”

  1. Mir kommen die Tränen….
    Schalke will Klasse, Rasse und Internationalität…und lebt weiter Provinz…
    Vom Fußballsachverstand sind die Herren Heldt und Tönnies befreit…
    Das emotional überhitzte Umfeld , trägt nur bedingt zur sportlichen Entwicklung bei, da ungeduldig und auf schnellen Erfolg abzielend…
    Keller ist ein akribischer Fußballarbeiter ohne Lobby…
    Auf Schalke können sich Talente, Spieler,Trainer nur suboptimal entwickeln, da der Vorstand und das Management an Selbstüberschätzung leiden.
    So wird Schalke nie!!! deutscher Meister….

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