Kevin, der Außerirdische

Die Nicht-Nominierung von Kevin Großkreutz für die anstehenden Länderspiele könnte ein Fingerzeig sein. Ein Fingerzeig in Richtung Großkreutz, dass man mit ihm nicht mehr so recht plant. Löw setzt bei der vakanten Rechtsverteidigerposition erstmal weiter auf den umfunktionierten Rudy und nun auch wieder auf Mustafi, der zuletzt fehlte. Rudy machte zwar bei seinem Debüt ein recht ordentliches Spiel, eine dauerhafte Lösung mit ihm auf der rechten Seite erscheint aber wenig sinnvoll, da Rudy bei seinem Verein, der TSG Hoffenheim, weiterhin als Sechser spielen wird. So müsste er sich für die Einsätze im DFB-Team immer wieder umgewöhnen und hätte keine Chance sich außerhalb von Länderspielen an diese Position anzupassen.
Mustafi wird bei seinem neuen Verein Valencia zunächst ebenfalls auf einer anderen Position gesehen. Die ersten beiden Einsätze absolvierte er als Innenverteidiger. Darüberhinaus konnte er rechts hinten in der Nationalelf auch überhaupt nicht überzeugen, wirkte bei der WM überfordert mit dem Niveau in der Weltspitze.

Großkreutz hingegen ist momentan Stammspieler beim BVB und zeigt seit Wochen starke Leistungen. Zwar auf einer offensiveren Position, seine enorme Flexibilität ist aber hinlänglich bekannt. Umso verwunderlicher warum Löw ihn gerade jetzt außen vor lässt. Die Begründung dürfte zwei Aspekte haben:

Zum einen ist Löw dafür bekannt kein Fan von Spielern mit negativen Schlagzeilen zu sein. Disziplin und eine weiße Weste sind bei ihm das A und O. Mit dem Dönerwurf und der Pinkel-Aktion in der Hotellobby hat Großkreutz genau solche Schlagzeilen geschaffen. Dass Löw sowas nicht verzeihen kann, liegt an seinem sturen Naturell. Öffentlich wird behauptet, dass es abgehakt wäre, in Wirklichkeit aber vergisst er nichts davon. Ein weiteres Indiz dafür ist der Fall von Max Kruse. So kostete ihn heimlicher Damenbesuch im Teamhotel vor einem Testspiel gegen England offenbar die WM-Teilnahme. Erst jetzt bekam er überhaupt mal wieder eine Einladung, obwohl schon lange chronische Stürmernot besteht.

Zum anderen scheint Kevin Großkreutz einfach nur in Dortmund so integriert zu sein, dass er sich voll entfalten kann. Beim BVB gehört der Ur-Borusse quasi zum Inventar, dort kennt er jeden Zentimeter des Stadions und ist seit Jahren geschätzter Bestandteil des Teams. In dieser Atmosphäre ruft Großkreutz dann auch regelmäßig starke Leistungen ab. Auch weil Klopp ihm absolut vertraut und private Ausrutscher verzeiht. Allein an seinem Auftreten abseits des Platzes kann man erkennen, wie wohl er sich fühlt. Er redet mit jedem und jeder mit ihm. Immer kumpelig, immer ein Lächeln auf den Lippen.

Ist er dann aber mit der Nationalelf unterwegs, hat man den Eindruck, dass dort ein depressiver Zwillingsbruder von ihm rumläuft. Oft blickt er sehr ernst drein, selten sieht man ihn herumflachsen, wie er es in Dortmund immer tut. Er scheint ein Fremdkörper in der Mannschaft zu sein, wirkt wie ein schwarz-gelber Außerirdischer unter weißen Adlern.
Dies wird dadurch bestätigt, dass Schweinsteiger während der WM in Brasilien die Notwendigkeit sah sich ihm anzunehmen und versuchte ihn zu integrieren. Augenscheinlich mit Erfolg. Auf der Erfolgswelle des Weltmeistertitels schwamm Großkreutz dann mit und feierte zwischen seinen Kollegen. Mit Podolski hatte er dann sogar einen echten Kumpel an seiner Seite. Die Fanfreundschaft zwischen dem BVB und dem FC aus Köln ist bekannt und so kann Großkreutz es von seiner Fan-Seele her verantworten ihn zu mögen. Auch nach der WM hat das noch Bestand und so trafen sich die beiden unter anderem beim Rheinderby zwischen der Gladbacher Borussia und dem FC.

Die Wahrheit über seine Rolle in der DFB-Elf scheint aber unverändert. Nachdem die Euphoriewelle des Weltmeistertitels langsam abflacht, bleiben die spielerischen Unzulänglichkeiten, die Großkreutz leider immer wieder bei seinen Länderspielauftritten zeigte. Er schafft es nicht den bedingunglos kampfstarken Fussball, den er in schwarz-gelb zeigt, dort zu adaptieren. Hinzu kommen immer wieder Unkonzentriertheiten, die ihm bei der Borussia selten passieren. Auch wohl eine Auswirkung des Unwohlseins, was er im Kreise der Nationalelf verspührt.

Es bleibt also abzuwarten, ob Kevin Großkreutz noch einmal die Chance bekommt Löw das Gegenteil zu beweisen. Fraglich ist aber auch, ob er selber das noch will. Vielleicht reicht ihm ja auch sein perfekter BVB-Kosmos, von dem er ein geschätzter und wichtiger Teil ist.

 

Beitragsbild: Quelle

Advertisements

2 Kommentare zu “Kevin, der Außerirdische”

  1. Sieht ziemlich doof aus, wenn man die wahren Gründe kennt.

    Klar ist KG nicht der beste Techniker und auch nicht der bravste Spieler. Der Grund, dass er nicht nominiert wurde ist aber, dass der BVB mit ihm individuell trainieren will und ihm ein wenig Last von den Schultern nehmen will.

    Da der Beitrag NACH dieser Nachricht veröffentlich wurde, nehme ich an, dass du dich einfach überhaupt nicht über dieses Thema informiert hast und einfach mal Lust hattest, Großkreutz ein wenig runterzumachen.

    Gefällt mir

    1. Der Artikel ist, wie du siehst, von gestern Morgen. Die Erklärung von Klopp kam dann gestern im Laufe des Tages.

      Sofern denn Klopps Begründung stimmt, gebe ich dir recht, dass man die Nicht-Berücksichtigung von KG erstmal weniger dramatisch sehen kann.

      Festzuhalten bleibt aber, dass Löw kein Fan von Kevin ist und Kevin selber sich in der Nationalelf völlig anders gibt, als beim BVB.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s