#01 – Welcher Kreisliga-Typ bist du?

In dieser Serie stehen die abertausenden Amateurkicker im Mittelpunkt. Wir erklären die Faszination Kreisliga und warum es sich immer wieder lohnt die Knochen für den Verein hinzuhalten. An jedem verdammten Sonntag.

Der Ewige
Er ist eine treue Socke durch und durch. Denn er ist schon seit vielen Jahren dabei ohne über die Rolle als Ergänzungsspieler hinaus zu kommen. Das liegt nicht zuletzt an seinen sehr limitierten Fähigkeiten am Ball. „Gefriendzoned“ nimmt er aber ohne zum Stich zu kommen seine Rolle an und hadert nicht. Hauptsache dabei sein. Der ewige beste Freund sozusagen.

Der Geheimnisvolle
Er ist das große Rätsel im Team. Man sieht in so gut wie nie beim Training, höchstens sonntags beim Spiel. Über ihn weiß man weniger, als über die Illuminaten. Viele wissen nichtmal wie er heißt, geschweige denn wo er herkommt. Doch wenn er dabei ist, zieht er das Niveau enorm nach oben. So plötzlich wie er erscheint, verschwindet er aber auch wieder und lässt das Team fragend zurück.

Der Massige
Mit dem Ball kann er wesentlich besser umgehen, als mit seinem Kalorienhaushalt. Würde ihm sein massiger Körper nicht im Weg stehen, wäre er tatsächlich ein überdurchschnittlicher Kicker. Doch keine Vorbereitung und kein Trainer konnte ihn bislang in Form bringen. Dafür ist die Currywurst mit großer Pommes Schranke im Vereinsheim einfach zu verführerisch. Schmackofatz.

Der Musterschüler
Auch ihn gibt es in jeder Truppe. Trainers kleiner Liebling. Von den Mannschaftskameraden meistens geächtet, geht es ihm nur darum sich auf dem Platz zu verbessern. Dafür ist er immer der Erste beim Training, läuft bereits Runden während der Rest noch die letzte Kippe vor’m Umziehen raucht und darf dafür jede Übung vormachen. Während der Großteil nach dem Training das wohlverdiente Bier genießt, gibt es für ihn eine kleine Fanta mit Eis.

Das Urgestein
Der Methusalem im Team. Sein Spielerpass ist aus den frühen 90ern und vergilbter, als jede Kettenraucherwohnung. Das Spielerbild wurde zu Zeiten aufgenommen, in denen der Vokuhila noch gesellschaftlich akzeptiert war. An seine Füße kommt nichts anderes, als der Klassiker unter den Schuhen: Kaiser 5. Der Verein war schon immer sein Leben, weshalb sein Zweitwohnsitz auch am Platz ist. Dort trainiert er nebenher noch zwei Juniorenteams und ist Schatzmeister, sowie dritter Vorsitzender in Personalunion. Man munkelt er sei mit dem Verein verheiratet. Sieht auch seine Frau so.

Das Feierbiest
Bei ihm ist das Sportliche eher zweitrangig. Die Highlights des Gründers der studiVZ-Gruppe „Meine Alkoholmannschaft hat ein Fussballproblem“ sind Mannschaftsabende und natürlich die Saisonabschlussfeier. Da ist er, im Gegensatz zum Fussballspielen, voll in seinem Element. Die Spiele sonntags erlebt er grundsätzlich hinter dem Schleier eines soliden Katers. Muss er dann tatsächlich mal auf dem Platz ran, fällt erstmal jeder Meter schwer. Seine Sportgaderobe zeichnet sich vor allem durch diverse Gratis-Shirts von Diskotheken aus.

Der Schweiger
Nein, nicht Til. Auch wenn sie nicht auffallen, hat jedes Team seine Schweiger. Mit grundsolider Einstellung und regelmäßiger Anwesenheit ist ihnen ansonsten eigentlich alles egal. Wo geht die Mannschaftsfahrt hin? Egal. Wer wird Kapitän? Ist mir gleich. Wie soll gespielt werden? Wurscht.
Segen für jeden Trainer, Rätsel für die Mitspieler.

Der Fanboy
Oft fragt man sich wer für diese horrenden Preise eine ganze Trikotmontur samt Hose und Stutzen kauft. Der Fanboy natürlich. Er besticht im Training durch perfekte Ausrüstung, um es seinen Idolen gleichzutun. Zeigt er vor dem Training noch gerne bei YouTube das neuste Zaubertor des Lieblings rum, scheitert er beim Versuch des Nachahmens meist schon an der sauberen Ballannahme. „Cristiano für Arme“ oder „Messi mit Beinamputation“ hört man dann nicht selten.

Der Schönling
Auch ihm ist das Äußere wichtig. Nur blöderweise wichtiger, als alles andere. Bei ihm geht der erste Griff nach einer Aktion auf dem Feld erstmal an die Haare. Prüfen, ob die noch liegen. Gerne aber auch aus der Haarband-Fraktion. Das sind Menschen, die Parfüm vor’m Training auftragen oder die Haare in der Kabine stylen. Wo andere in Joggingbuchse und ausgelatschten Turnschuhen kommen, sieht er aus, als würde er gleich in eine Schickimicki-Disco gehen.
Fussballschuhe sind grundsätzlich so bunt wie möglich und kosten nicht unter 100 Euro. Zum Unmut der Kaiser-5-Jünger.

Der Hobby-Alkoholiker
Nach dem Training oder Spiel direkt nach Hause? Undenkbar für den Hobby-Alkoholiker. Unter zwei bis drei Pullen kommt er in den seltensten Fällen weg. Für ihn ist das Biertrinken elementarer Bestandteil des Fussballspielens. Oder der Fussball ist Vorwand für ein kleines Alkoholproblem. Seine Mitspieler sind sich da nicht einig. Jedenfalls läuft er beim Training nie schneller, als beim Auslaufen, wenn „Rauchwerk und Hopfensaft“ in greifbare Nähe rücken. Wohl bekomm’s!

Der Athlet
Der einzige Spieler, der nach dem ersten Waldlauf der Vorbereitung nicht in Embryostellung um einen schnellen Tod bittet. Der Athlet bringt eine Grundfitness mit, die die restliche Mannschaft nur vom Hörensagen kennt. Denn er tut außerhalb der Trainingseinheiten mehr für seinen Körper, als viele seiner Kollegen in ihrem ganzen Leben. Wenn er dazu noch Fussballspielen könnte, stünde ihm die Tür zum Profibereich sperrangelweit offen. Kann er aber nicht. Er ist im Normalfall nur schnell. Mit dem Ball kann er so viel anfangen, wie sein Körper mit Alkohol. Nichts.

Das Wrack
Sein Körper ist ein einziges Schlachtfeld. Von Bänderriss bis Knorpelschaden, seit Jahren schütteln Mediziner nur noch den Kopf beim Anblick seiner Krankenakte. Er befindet sich in der Kategorie „Mrack“ – menschliches Wrack.
Mindestens die Hälfte der Saisonspiele verpasst er schonmal pauschal wegen Verletzungen. Trainert er mal schmerzfrei, werden mannschaftsintern bereits Wetten abgeschlossen, wann es mal wieder soweit ist. Der Ehrgeiz lässt den Invaliden aber immer weitermachen, gegen jeden ärztlichen Rat. Vor allem in der letzten Liga zählt die Ehre.

Der Star
Einer dieser ominösen Spieler, von denen ehrfürchtig behauptet wird sie hätten schonmal höher gespielt. Wie „hoch“ bleibt dabei meist im Schatten seines Mysteriums.
Jedenfalls reichen meist zwei Ballkontakte aus, um zu erkennen, dass hier jemand auf dem Platz steht, der das besser kann, als alle anderen. Wenn er der Ferrari auf dem Platz ist, sehen seine Mitspieler daneben wie Höhlenmenschen aus, die gerade an der Entdeckung des Rades tüfteln. So gehen am Ende der Saison auch ein Drittel der Tore auf seine Kappe. Ist er einmal nicht dabei, geht meist überhaupt nichts zusammen. Diese Abhängigkeit nutzt er aber gerne aus und lebt seine Allüren offensiver aus, als jeder Millionario aus dem Oberhaus des Fussballs.

Der Organisator
Meistens auch gleichzeitig Kapitän, wird er Jahr für Jahr in seinem Amt bestätigt, weil er der einzige ist, der freiwillig bereit ist den Hobby-Inkassounternehmer zu geben. Akribisch werden Strafen und Beiträge notiert und eingetrieben. Tunnler beim Eckchen? 50 Cent! Schuhe ungeputzt? ’n Euro! Handy klingelt in der Besprechung? Zwei Euro! Alles zum Wohle der Mannschaftskasse, die sich in seiner Obhut befindet. Die genaue Zusammensetzung dieser ist genauso schleierhaft, wie seine Motivation.
Die Mannschaftsfahrten bis ins Jahr 2018 sind bereits verplant und fixiert. Könnte ja was dazwischenkommen!

Der Workaholic
Er ist auf dem Papier im Kader. Auf dem Platz jedoch sucht man ihn meist vergebens. Beruflich derart eingespannt, ist er der ewige Spitzenreiter bei Absage-SMS. „Muss länger arbeiten“, „Schaffe es heute nicht“, „Komme später“. Alles bereits als Entwurf im Handy gespeichert.

Der Jüngste
Quasi der Azubi unter den Spielern. Nie passte die Bedeutung „Arsch zum Bierholen“ besser. Gerade frisch aus der A-Jugend in den Seniorenbereich aufgerückt, muss er zunächst mal „noch viel lernen“. Manche entwachsen diesem Status sogar nie. Aber zunächst mal werden alle unangenehmen Aufgaben ihm zuteil. Wer geht beim Eckchen zunächst in die Mitte? Der Jüngste. Wer trägt die Bälle? Der Jüngste. Wer holt Bier an der Tanke? Der Jüngste. Und wenn es darum gehen würde, wer den Weltfrieden erwirken kann oder den Hunger in der Dritten Welt stoppen kann, im Zweifelsfall der Jüngste. Wie eine Aufnahmeprüfung muss er diese Aufgaben alle über sich ergehen lassen um mit „den Großen spielen zu dürfen“.

Der Spaßvogel
Für ihn ist die Fussballmannschaft eher eine Bühne. Keine Aktion im Spiel bleibt unkommentiert. Wo andere noch nach Luft schnappen, ist bei ihm immer noch Zeit für eine humorige Bemerkung. Damit entnervt er nicht nur seine Mit-, sondern auch seine Gegenspieler. „Trash-Talk“ ist sein Metier. Der verbale Vollprofi kompensiert sportliche Unzulänglichkeiten grundsätzlich mit sprachlichen Kuriositäten. Seine Sprüche-Palette basiert dabei auf jahrelanger Schulung am Tresen. Nicht wenige sind der Meinung, dass der Trainer ihn nur spielen lässt, damit er ihm auf der Bank keine Frikadelle ans Ohr quatscht.

Der Entschuldiger
Er ist eine ganz ehrliche Haut und möchte niemandem auf den Schlips treten. Seine eigenen technischen Schwächen sieht er dabei voll und ganz ein. Nach jedem Fehlpass hört man prompt ein „Sorry“ oder „Mein Fehler“. Und davon gibt es reichlich. Selbstreflexion steht bei ihm immer an erster Stelle und so regt er sich die meiste Zeit über sich selbst auf.

Der Simulant
Einer der meistgehassten Typen aller Kreisligen deutschlandweit. Er versucht jede Möglichkeit zu nutzen, um das Spiel zu manipulieren. Streift ihn ein Gegenspieler, geht er schmerverzerrt zu Boden. Ist der Arm eines Gegenspielers in Kopfnähe, werden die Hände vor das Gesicht gehalten. Regelmäßig akustisch untermalt mit Schmerzschreien, wie man sie wahrscheinlich nichtmal in mittelalterlichen Folterkellern zu hören bekam. Da wenden sich sogar die eigenen Mitspieler voller Fremdscham ab. Den Hohn und Spott der Zuschauer hat er ebenfalls für sich gepachtet. Für ihn wurde im übrigen auch der Spruch mit dem Hubschraubereinsatz erfunden.

Der Motivator
Er ist die personifizierte Hoffnung. Kein noch so negativer Spielverlauf kann seinen Optimismus erschüttern. Da kann es 0:7 stehen anfangen zu regnen und nur noch der Platzwart zugucken, der Motivator hat immernoch ein kahnsches „weiter, immer weiter“ auf den Lippen. Wird der Ball auf fünf Metern über das Fangnet gepöhlt, hat er dafür noch ein aufmunterndes „dann halt den Nächsten“ übrig. Von den einen für seine tadellose Einstellung bewundert, von den anderen mitleidig belächelt.

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3 Kommentare zu “#01 – Welcher Kreisliga-Typ bist du?”

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