Mehr Typen, wie Kramer! – Ein Appell

Wenn man ihn rein vom Äußerlichen her betrachtet, geht man davon aus einen unbedarften jungen Mann vor sich zu haben, der „irgendwas mit Medien“ studiert und ansonsten keine nennenswerten Verpflichtungen im Leben hat. Dass er Fussballprofi ist, würde man erstmal nicht vermuten. Zu unscheinbar kommt er daher. Wenn er sich dann aber in der Rolle des Fussballprofis im Interview den Fragen der Journalisten stellt, wird ziemlich schnell klar, warum Christoph Kramer nicht in das Profil eines typischen Profi passt. Der typische Profi zeichnet sich mittlerweile dadurch aus, dass er ziemlich unmündig und von Beratern gesteuert Konflikten aus dem Weg geht und zu erwartete Antworten gibt. Querdenker sind generell nicht gern gesehen in einem Geschäft, in dem Vereine und Verbände in Abhängigkeit von Sponsoren und Geldgebern alles unter ihrer Kontrolle halten wollen, damit am Ende ein stimmiges Produkt dabei herauskommt.

Kramer ist genau solch ein Querdenker. Das beweist er in letzter Zeit immer häufiger. Dass das erst seit seiner aufsehenerregenden Story im WM-Finale der Fall ist, hat nicht, wie von vielen vermutet, damit zu tun, dass er mit dem Weltmeister-Prädikat abgehoben ist. Es ist eher so, dass sein Wort seit diesem Titelgewinn einfach mehr Gewicht hat, man hört ihm eher zu. Wer würde den Worten eines Bochumer Zweitliga-Rookies, der er ein Jahr vor der WM in Brasilien noch war, schon groß Beachtung schenken? Bei denen eines Weltmeisters sieht das schon ganz anders aus. Das ist vielmehr ein logischer Prozess, als ein Abheben seitens Kramers.

Genau so schätzte er es auch in seinem Auftritt im ZDF Sportstudio ein und stellte fest: „Jetzt kann ich endlich den Mund aufmachen.“
Dieses Privileg nutzt er aber nicht aus, wie es vielleicht andere tun würden. Er nutzt seine Erfahrungen und Standing um auf dem Platz den Ton anzugeben. Dass er zusätzlich neben dem Platz noch mit markigen Aussagen, wie der des „modernen Menschenhandels“ oder der Ankündigung ein Buch über seine Erlebnisse bei der WM ohne Ghostwriter schreiben zu wollen auffällt, hat mit seinem Naturell als unkonventioneller Querdenker zu tun.
Aussagen, wie diese, polarisieren. Aber das nimmt er billigend in Kauf und es spricht für seinen Überblick, den er bereits im Fussballgeschäft.

Auf dem Platz hat ihm das alles enorm gut getan. Er ist trotz seiner erst 23 Jahre bereits echter Denker und Lenker im Mittelfeld der Gladbacher Borussia und besticht durch seine sehr unkonventionelle Art der Interpretation eines Sechsers. Eben passend zu seinem Charakter. Oft meint man, dass er selber nicht wisse, was er da tut. Aber auch wenn seine Bewegungen nicht so geschmeidig aussehen, wie die von diversen Mittelfeldkollegen, ist er mit seinem taktischen Verständnis und enormer Laufbereitschaft extrem wertvoll für sein Team. Man könnte ihn da am ehesten mit Thomas Müller vergleichen, wenngleich er eine andere Position spielt.
Das schätzt nicht nur Löw an ihm, sondern auch sein Verein und so machte Max Eberl unlängst klar den von Leverkusen nur ausgeliehenen Kramer für eine Summe an der Schmerzgrenze kaufen zu wollen. Eine ungewohnt offensive Führung eines Wechselpokers, die zeigt wie sehr man ihn halten will. Falls Leverkusen sich dabei quer stellen und auf eine Rückkehr pochen sollte, bleibt zu hoffen, dass Kramer es nicht einem Hakan Calhanoglu gleich tut und den Wechsel erzwingt. Die Menschenhandel-Aussagen lassen zwar eine Gegenwehr Kramers bei einem etwaigen Wechselstreit vermuten. Hier hätte er aber die Chance sich erneut als clevere Persönlichkeit hervorzutun und eben nicht den Weg eines Calhanoglu zu gehen, der seinen Wechsel auf schmutzige Art und Weise unvernünftig erzwungen hat.

Letztlich sollten wir froh sein, dass es Spieler wie Kramer gibt. Unter den vielen weichgespülten Kollegen ist er eine willkommene Abwechslung und vielleicht auch Ansporn für andere aus dem Schatten ihrer Berater zu treten.

 

Beitragsbild: Quelle

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2 Kommentare zu “Mehr Typen, wie Kramer! – Ein Appell”

  1. Kramer ist ein guter Spieler – keine Frage. Aber in meinen Augen hat er mit seinen Aussagen gezeigt, dass er vielleicht hier und da eine schwungvolle Metapher aus dem Hut zaubern kann, letztlich aber genauso wenig Ahnung von einzuhaltenden Verträgen hat, wie Kollege Hakan Calhanoglu…

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