BVB im Herbst – Wie geht eigentlich Krise?

Die Saison begann für die Dortmunder Borussia so schwierig, wie die letzte geendet hatte. Neben dem fast schon absurden Verletzungspech kam der Sonderurlaub diverser WM-Fahrer noch oben drauf. Eine geregelte Vorbereitung war damit kaum bis gar nicht möglich. Dementsprechend holprig startete man auch in die neue Spielzeit. Nach der Auftaktniederlage gegen Leverkusen versuchte man sich erstmal zu ordnen. Zunächst mit Erfolg: Nach zwei Siegen in der Bundesliga gegen Augsburg und Freiburg folgte ein überragender Auftritt in der Champions League gegen Arsenal. Man wähnte sich schon wieder auf gutem Weg zurück zu alter Stärke zu sein. Doch die folgenden Ligapartien sollten den BVB wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Eine unnötige Niederlage in Mainz und ein vollkommen uninspiriertes Remis zu Hause gegen Stuttgart rissen die ansteigende Formkurve sofort wieder herunter.
Neue längerwierige Verletzungen von Reus und Mkhitaryan verschärften auch die Personalsorgen. So musste Coach Klopp zuletzt sogar zwei Perspektivspieler aus der Zwoten hochziehen.

Das prestigeträchtige Revierderby kam also genau zum falschen Zeitpunkt. Oder eben genau zum richtigen Zeitpunkt. Denn ein Derbysieg kann viele faktische Unzulänglichkeiten zuvor mit Emotionen überdecken. Umso bitterer, dass quasi auf den Fehlstart nun auch noch die Derbyniederlage oben drauf kommt. Man schaffte es wieder nicht die defensiven Probleme in den Griff zu kriegen und so kassierte man die beiden Gegentore durch eigene individuelle Fehler nach Standardsituationen. Dass Schalke selber über weite Strecken des Spiels ganz und gar nicht überzeugend spielte, ist umso alarmierender aus Dortmunder Sicht.

Doch was bedeutet diese weitere Niederlage nun für den BVB? Steckt man nun wirklich in einer Krise? Und falls ja, wie geht man mit sowas eigentlich um?
Sieben Punkte aus sechs Spielen in der Bundesliga sprechen eine deutliche Sprache. Natürlich jammert die Borussia da auf hohem Niveau, zumal man ja im Pokal und in der Champions League erfolgreich startete, aber dem gestiegenen Anspruch genügt solch eine Quote nunmal nicht mehr.
Man ist von den vergangenen vier Saisons äußerst erfolgsverwöhnt. Zwei Meisterschaften, ein Pokalsieg, ein CL-Finale, ein verlorenes Pokalfinale und zwei weitere Vize-Meisterschaften. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. In diesen vier Saisons gab es keine einzige Krisensituation. Da es nun aber nach so langer Zeit mal wieder dazu kommt, stellt sich die Frage: Wie geht man eigentlich mit einer Krise um?

Diese Frage mag für andere Vereine absurd klingen, aber wenn man so lange Zeit dem sportlichen Anspruch immer gerecht geworden ist, vergisst man schnell, wie es ist, wenn das nicht mehr gegeben ist. Eine Trainerdiskussion ist zumindest mal ausgeschlossen. Coach Klopp ist nach den Verdiensten der Vergangenheit und der hervorragenden Arbeit unantastbar. Zumal elementare Faktoren des Misserfolgs, wie das enorme Verletzungspech und der WM-Sonderurlaub, gar nicht in seiner Hand liegen. Man könnte lediglich temporäre Entscheidungen in der Aufstellung hinterfragen. Beispielsweise hätten viele gerne Kagawa und Sokratis gestern von Beginn an gesehen. Letztlich wird alles darauf hinauslaufen, dass man sich zunächst mal darauf konzentrieren muss die Defensive zu stabilisieren, bevor man wieder Offensivspektakel zeigen kann. Und dabei die nötigen Punkte mitnimmt. Quasi erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Wenn dann nach und nach die Verletzten zurückkehren, ist es voraussichtlich eine Frage der Zeit, bis wir den alten BVB wieder zu sehen bekommen.

Aber dennoch fühlt sich die aktuelle Situation als Fan komisch an. Man ist im ersten Moment etwas überfordert. Die Jahre des Erfolgs haben die Krisenfähigkeit eingefroren. Das Gute an der Sache ist aber: Wenn alle Beteiligten ruhig und sachlich weiter arbeiten, wird man diese Fähigkeit problemlos wieder auftauen können, um sich aus dem aktuellen Tal wieder herauszumalochen. So, wie man es sich im Pott wünscht.

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