Quälix & der nette Herr Magath

Gelassen sitzt er oben auf dem Podium, blickt zufrieden herab auf die Reporterschar, die auf seine Worte wartet. Rührt dabei seelenruhig in seinem Tee. Als wäre er bei Großmutter zur Kuchentafel geladen und nicht als Verantwortlicher im Medienspektakel Fussball.
Wenn er dort sitzt, mit seiner modischen Brille auf der Nase, dem runden Gesicht und den Kulleraugen, dem sanften Lächeln, wirkt er, als könne er keiner Fliege etwas zuleide tun. Bei seinen Antworten, auch auf unangenehme Fragen, bleibt er stets beherrscht. Auch wenn er hin und wieder mal ein wenig Zorn durchblicken lässt, falls man ihn mal wieder etwas in seinen Augen „Dummes“ fragt, schluckt er diesen im selben Moment wieder runter. Pokerface aufsetzen, „der ist es nicht wert“. Dann ist er der nette Herr Magath, der auf seinem Facebook-Profil immer die richtigen lobenden und beschwichtigenden Worte findet.
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Eben so, wie man sich einen Trainer nach außen wünscht: staatsmännisch. Alte Schule eben.

Doch der nette Herr Magath zeigt sich scheinbar ausschließlich nach außen hin. Intern, im Umgang mit seinen Spielern, scheint die Sache ganz anders auszusehen. Dann wird er nämlich schnell zu „Quälix“.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass Magath im Training auf Disziplin setzt und den Spielern körperlich viel abverlangt. Das ist als Fussballtrainer zunächst mal nicht verwerflich. Diese Leidenschaft für konditionsbasiertes Training brachte ihm schließlich seinen Spitznamen ein. In Wolfsburg ließ der bekennende Medizinball-Fetischist sogar eigens einen Hügel aufschütten, der für Laufeinheiten mit Steigung genutzt wurde. Seinem Image entsprechend wurde er passenderweise „Hügel der Leiden“ getauft.

Doch Magath schoss bereits einige Male in seinen Methoden über das Ziel hinaus. Beim VfL Wolfsburg ließ er seine Mannschaft erst durch den Wald hetzen, um bei deren Ankunft dann die Trinkflaschen ausgeleert zu haben. Nicht so nett.
Auch abseits des Trainingsplatzes sind seine Methoden fraglich. So soll er Spieler nach schlechten Leistungen in sein Büro gerufen haben, um diese dann minutenlang grimmig anzustarren. Stare down á la Felix.
Ein wechselwilliger Spieler war ganz schnell Persona non grata. So verbot er beim FC Fulham allen Spielern den Kontakt mit Torwart Stekelenburg, dessen Wechsel nach Monaco bereits fest stand. Quasi als Mahnmal für etwaige weitere Spieler, die weg wollen.
Wenngleich die aktuelle Geschichte um die „Käse-Behandlung“ schon sehr skurril daherkommt und vermutlich nur böse Nachrede des geschassten Ex-Captains Hangeland und gefundenes Fressen für die sensationsgeile englische Yellow Press ist, zeigt sie trotzdem welch extrem negativen Ruf Magath bei vielen seiner Spieler hat.
Lewis Holtby wollte gar zurück zu seinem Stammverein Tottenham flüchten, als kurz nach seiner Leihe zu den Cottagers Magath dort Trainer wurde. Er kannte ihn und seine Methoden ja bereits aus seiner Zeit bei Schalke.

Magaths Methodik basiert also hauptsächlich auf dem Angst-Prinzip. Nach dem Motto: „Ihr bringt Leistung, weil ihr Angst davor habt, was passiert, wenn ihr es nicht tut.“
Dass dieser Ansatz allein von pädagogischen Gesichtspunkten her nicht haltbar ist, sei dahingestellt. Denn der Erfolg gab ihm in seiner Karriere bisher fast immer recht. Drei Meistertitel und zwei Pokalsiege sprechen für sich.

Dieses Angst-Prinzip setzt er aber vor allem in Phasen ein, in denen es sportlich nicht läuft. Häufig bekamen dann vermehrt jüngere Spieler Chancen, auf die Magath ob der geringeren Lebenserfahrung und dem schlechteren Nervenkostüm mehr Druck ausüben konnte.
Überhaupt sind jüngere Spieler natürlich empfänglicher für seine Machtspiele. Erfahrenere, die womöglich Contra bieten, werden kurzerhand zurechtgestutzt und schlimmstenfalls suspendiert. Wer nicht kuscht, fliegt raus. Das musste beispielsweise Diego erleben, der nach Bekanntgabe der Aufstellung (und seiner gleichzeitigen Nicht-Berücksichtigung) das Teamhotel verließ und danach keinen Fuß mehr unter Magath auf die Erde bekam. Man könnte auf die Idee kommen, dass da unter anderem auch ein Expempel statuiert wurde.

Alles in allem sind Magaths Methoden einfach überholt und im modernen Fussball nicht mehr gefragt. Das kann man gut finden oder nicht, Magath selber hingegen wird in der Form im Trainergeschäft auch kein Bein mehr auf den Boden bekommen. Weder der nette Herr Magath, noch Quälix.

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