Zinnbauer und die Duplizität der Ereignisse

Wenn man die Aussagen von Dietmar Beiersdorfer auf der offiziellen Pressekonferenz zur Verkündung des neuen Cheftrainers Joe Zinnbauer hört, hat man unweigerlich Tönnies und Heldt vor Augen, die anno 2012 über den damals neuen Trainer Jens Keller sprechen.

„In den U-Teams gezeigt, dass er es kann.“
„Kann ein Team mitreißen.“
„Strukturelle Arbeit.“
„Werden ihn mit allen Mitteln unterstützen.“

Auch Schalke steckte damals in der Krise und trennte sich nach einer Niederlagenserie vom altehrwürdigen Huub Stevens. Die Ausgangslage war also ganz ähnlich: Traditionsverein in der Krise heißt es da als Arbeitsplatzbeschreibung in der Stellenanzeige. Wenngleich sich die Krise des HSV gut zehn Tabellenplätze weiter unten abspielt, als die der Königsblauen damals.
Aber auch auf Schalke dauerte es nach der offziellen Meldung des Vereins keine zehn frustrierte Twitterposts lang, bis die traditionell skeptisch bis destruktive Stimmung in der Fanbasis angekommen war. Nur die allerwenigsten trauten Keller auch nur irgendetwas zu. Ein Nobody soll das emotional geprägte Pulverfass und Kulturgut Schalke wieder nach oben führen? Biste bekloppt oder wat?

Und so wurde Keller in der Folge zum wahrscheinlich am häufigsten fast-gefeuerten Trainer in der Geschichte der Bundesliga. Selbst in Phasen, wo es sportlich lief, wie der abgelaufenen Rückrunde, verstummten die Kritiker nie. Ein Spießrutenlauf sonders gleichen. Doch in der Führungsriege der Schalker hielt man an Keller fest. Bisher zumindest.
Es scheint wohl so, als würde er die aktuelle Krise nicht nochmal im Amt überleben. Die etwaige Entlassung könnte aber fast schon eine Erleichterung für Keller selber sein. Oft merkte er in ruhigen Momenten mal an, was das für ein Wahnsinn ist, den man mit ihm seit seiner Einstellung im Dezember 2012 veranstaltet. Das wurde von Fanseite aber gerne überhört und prompt mit neuer Kritik niedergeschlagen. Natürlich kann sich Keller nicht von Fehlern freisprechen, aber unter dem medialen Druck fällt es auch enorm schwer konzentriert zu arbeiten. Ihm droht mal wieder der viel zitierte Satz mit der Reißleine.

Dasselbe Schicksal könnte nun auch Zinnbauer beim HSV ereilen. Der sportliche Druck ist ob der heiklen Tabellensituation sogar noch höher. Der mediale Druck hingegen ähnlich hoch wie in Gelsenkirchen. In Hamburg hat man einfach den Anspruch zum oberen Drittel der Liga zu gehören, das lässt sich dort auch nicht austreiben.
Ob Zinnbauer sich mit dem Job einen Gefallen getan hat, wird sich zeigen. Er muss als Trainerneuling einen unausgeglichenen Kader mit vielen Pflegefällen in die Spur bringen. Und dabei gleichzeitig selber reifen. Sehr schwer vorstellbar, dass das gelingt.

In jedem Fall kann er sich von Jens Keller schonmal erzählen lassen, was da auf ihn wartet.

 

Beitragsbild: Quelle

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