Ich will nicht nach Berlin?! – Die CL-Prognose

Die große Glitzerbühne der Champions League öffnet mal wieder ihren Vorhang. Das Flaggschiff des europäischen Fussballs wird uns wie immer auf eine mit neuen Schlachten und Geschichten gespickten Reise mitnehmen, die diesmal in Berlin ihr Ende finden wird. In Berlin können sie mal wieder Spitzenfussball zur Abwechslung vertragen, möchte man spöttisch anmerken. „Dit is wohl nicht verkehrt!“ dürfte selbst Frank Zander darauf erwidern. Nur nach Hause gehen wir schließlich nicht.
Doch wer darf am Ende die blaue Tartanbahn des Olympiastadions betreten? Wer will nach Berlin? Ein gewagter Ausblick:

Die üblichen Verdächtigen

Titelverteidiger Real Madrid geht mit nicht weniger, als dem Anspruch als erster Club in der Geschichte des Wettbewerbs den Titel zu verteidigen ins Rennen. Dafür hat man sich zwar mit Stars, wie James und Kroos spektakulär verstärkt, allerdings auch wichtige Stützen der vergangenen Decima-Saison gehen lassen. Nämlich di Maria und Xabi Alonso. Dass diese Personalrotation eventuell ein entscheidender Fehler gewesen sein kann, zeigt der äußerst holprige Saisonstart in La Liga.

Landesrivale Barcelona befindet sich noch mehr im Umbruch. Entscheidende Teile des fast unschlagbaren Barcas der großen Jahre mussten, teils leistungs- und teils altersbedingt, gehen. Xavi, Puyol, Valdes, Sanchez oder Fabregas sind alle Geschichte. Mit neuen Topstars will man wieder zu alter Stärke zurückfinden. Suarez, Rakitic, ter Stegen oder Vermaelen sollen zusammen mit einigen La-Masia-Emporkömmlingen das von Transfersperren gebeutelte Barca wieder in die Spur bringen. Wenngleich sich noch vieles finden muss.

Manchester City hat sich einmal mehr viel vorgenommen. Man möchte endlich zeigen, dass man die nationale Dominanz auch auf europäischer Bühne ausüben kann. Zwar ist der Erfolgskader weitestgehend zusammengeblieben und wurde an einigen Stellen sinnvoll ergänzt, doch dass City auch Champions League kann, müssen sie erst noch beweisen.

Die Blues vom Chelsea FC hingegen können Champions League mit Bravour. Nie zu den absoluten Topfavoriten gehörend zeigten sie in den letzten Jahren, dass sie die Gesetze dieses Pokals perfekt beherrschen und glichen dabei Ungereimtheiten im Kader und weniger individuelle Klasse mit Kampfgeist und Abgezocktheit aus. Mourinho konnte diesen Sommer sogar in Fabregas, Costa oder Courtois echte individuelle Stärke dazuholen. Jetzt müssen sie nur zeigen, dass sie diese auch nutzen können.

Juventus tritt mal wieder mit dem Selbstvertrauen eines Serien-Scudetto-Siegers an und will nach der Stunde Null, dem Zwangsabstieg vor acht Jahren, endlich auch auf internationaler Ebene an alte Erfolge anknüpfen.
Helfen kann dabei, dass der erfolgreiche Kader kaum verändert wurde. Mit Morata holte man ein Toptalent dazu, ansonsten tat sich wenig. Die alte Dame wirkte in der Königsklasse aber oft gehemmt und muss nun zeigen, dass die vielen nationalen Titel nicht ausschließlich an der schwächer gewordenen italienischen Liga liegen.

Guardiola will nun endlich auch mit den Bayern den Henkelpott holen. Nachdem man in der letzten Saison von Real im Halbfinale vorgeführt wurde, brennt man jetzt darauf wieder an die Dominanz der Triple-Saison anzuknüpfen. Und so investierte man auch: In Lewandowski und Alonso holte man echte Weltklasse dazu. Von diesen erhofft man sich die abgewanderten Mandzukic und Kroos nicht nur zu ersetzen, sondern das Spiel sogar noch zu verbessern. Anhaltendes Verletzungspech machte Verpflichtungen von weiteren Alternativen, wie Benatia und Bernat notwendig. Man wird also abwarten müssen, ob die Veränderungen endlich mehr Flexibilität in Guardiolas Fussball bringen oder ob man erneut in Schönheit stirbt.

Die zweite Reihe

Hinter den genannten ganz Großen in Europa lauert eine brandgefährliche „zweite Reihe“ aus Teams, die mit einer Sahnesaison ebenfalls Kandidaten für Berlin sein können. Atletico Madrid und der BVB haben in den vergangenen beiden Saisons bereits gezeigt, dass eine solche Überraschung möglich ist. Diese beiden sind unbedingt auch diesmal wieder zu nennen. Daneben gibt es mit dem unberechenbaren Arsenal, dem Offensivfeuerwerk aus Liverpool, dem aufgerüsteten PSG oder der wiedererstarkten Roma weitere Kandidaten für solch eine Sahnesaison. Damit das klappt, muss allerdings alles passen. Keine entscheidenden Verletzungen oder Sperren und ein Quäntchen Glück sind solche Faktoren.

Das breite Mittelfeld

Hier tummeln sich Vereine, für die zwar ein Titelgewinn utopisch ist, ein Run bis ins Viertelfinale aber bei optimalem Verlauf möglich erscheint. Leverkusen, Bilbao, Monaco und Schalke kommen zwar aus starken Ligen, die Klasse und Konstanz reicht aber für einen ganz großen Wurf unter die letzten vier nicht aus. Porto, Sporting, Donezk, Zenit, ZSKA, Galatasaray, Benfica, Olympiacos, Basel und Ajax sind in ihren heimischen Ligen zwar regelmäßige Titelgewinner, aber werden über die ganze Saison gesehen dort einfach zu wenig gefordert. Dadurch kann sich kein Rhythmus auf allerhöchstem europäischen Niveau einpendeln und man muss sich in der Königsklasse mit weniger begnügen.

Die Underdogs

Sie gehören genauso zu jeder Champions-League-Saison, wie die Schwergewichte. Ihnen wird bestenfalls ein dritter Platz in der Gruppenphase möglich sein, um in der zweiten Saisonhälfte dann als Absteiger in der Europa League weitermachen zu dürfen.
Nikosia, Baryssau, Maribor, Malmö, Ludogorets und Anderlecht kommen aus europäischen dritt- bis viertklassigen Ligen und kämpfen sechs Gruppenspiele lang ums Überleben.

Für Spannung ist damit also reichlich gesorgt. Bei den Schwergewichten tut sich kein Verein signifikant hervor. Alle haben mehr oder weniger große Probleme zwischen Umbrüchen und zu hohen Erwartungen. Bei der zweiten Reihe muss hingegen alles passen für das ganz große Ding. Letztendlich gilt aber:

Doch auch wenn andere Städte schöner sind – ich will nur nach Berlin!

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