The Rise and Fall of Lewis Holtby

Besonders spöttische Zeitgenossen konnten sich bezüglich der offiziellen Vorstellung von Lewis Holtby in der Imtech-Arena den Kommentar nicht verkneifen, dass er den Tabellenplatz des HSV am Ende der Saison schon auf dem Rücken trägt. Die Nummer 18 hatte er sich ausgesucht. Wenngleich das natürlich Zufall ist, passt es ein wenig zu der bislang etwas unglücklichen Karriere des Lewis Holtby.

Seine erste Profistation war die Aachener Alemannia. Dort kam er im Sommer 2008 mit gerade einmal 17 Lenzen in die erste Mannschaft des damaligen Zweitligisten und konnte in seiner ersten Saison prompt überzeugen. Auf Anhieb schaffte er es zum Stammspieler und zog sofort den Fokus von vielen Erstligisten auf sich. Man wähnte hier das nächste deutsche Mittelfeldjuwel gefunden zu haben und so bekam letztendlich Schalke den Zuschlag. Dort schien aber auch klar zu sein, dass Holtby noch nicht so weit ist mit realistischen Chancen um einen Stammplatz bei den Knappen zu kämpfen. Daher entschied man sich, ihn langsam an den Spitzenfussball zu gewöhnen. Zunächst lieh man ihn für ein halbes Jahr an den VfL Bochum aus und danach für ein ganzes Jahr an die 05er aus Mainz. Bei letzterer Station gelang ihm dann der Durchbruch im Oberhaus.

Unter dem aufstrebenden Trainer Thomas Tuchel, der mit seiner höchst variablen, offensiven, risikoreichen Spielweise in Holtby einen perfekten Baustein gefunden hatte, entwickelte er sich zum Stammspieler. Mit seinem technisch anspruchsvollem und läuferisch ambitionierten Spiel war er eine feste Stütze im Team der Mainzer, das eine überragende Saison spielte.
Zusammen mit Flügelspieler André Schürrle und Sturmtank Adam Szalai bildete er das berüchtigte Trio „Bruchweg Boys“, was nicht nur für fast alle Scorerpunkte verantwortlich war, sondern auch sinnbildlich für den Aufschwung des FSV durch jugendliche Unbekümmertheit stand.

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Dabei fühlte sich vor allem Holtby sehr wohl in der Rolle des lockeren Sunnyboy, der mit seiner Art zunehmend im Fokus der Öffentlichkeit stand. Nie um einen kessen Spruch verlegen, lächelte er in jede Kamera. Wenn man ihn dabei beobachtet hat, mit seiner Red-Bull-Cap und den blonden Haaren, wäre er auch locker als kalifornischer Surfer durchgegangen. Hang Loose, Lewis!
Die Selbstdarstellung war schon immer ein wichtiger Aspekt bei Holtby und so gehört er bei Facebook und Twitter auch zu den aktivsten und beliebtesten Fussballern. Er gibt dort viel mehr von seinem Privatleben preis, als die meisten seiner Profikollegen.
So erfährt man beispielsweise, dass er regelmäßig bei seinem alten Jugendverein Sparta Gerderath vorbeischaut, um seine Kumpels aus der Heimat zu unterstützen oder dass er ein leidenschaftlicher Hobbygolfer ist.
Selfies aus der Kabine gehören selbstverständlich zum Stamdardrepertoire. Auch als Blogger hat er sich schon bei fussball.de versucht und erklärte dort anschaulich seine Ansichten als Profi zum Amateurfussball.

Als Holtby dann ein Jahr später zu seinem Hauptverein Schalke 04 zurückkehrte, profitierte er von der Erfahrung, die er in Mainz unter Tuchel sammeln konnte. Er war nun bereit sich der wesentlich größeren Konkurrenz bei den Königsblauen zu stellen. Mit Bravour meisterte er diese Herausforderung und setzte sich nun auch dort durch.
Mit starken Leistungen in der Bundesliga, aber auch auf europäischer Bühne in der Champions League, wurde er dann für den DFB interessant. Bei der U21 baute man gar als Captain und Führungspersönlichkeit auf den wendigen Dribbler. Sogar bei der A-Nationalmannschaft durfte er reinschnuppern.

Auch wenn er immer wieder medienwirksam betonte, wie wohl er sich in Gelsenkirchen fühle, schienen diese Erfolge bei Holtby in der Saison 2012/2013 zu einem Umdenken geführt zu haben. Denn immer häufiger machten Wechselgerüchte um ihn die Runde. Angefeuert durch sein offenkundiges Zögern bei der Verlängerung seines im Sommer 2013 auslaufenden Vertrages.
Immer klarer wurde also, dass Holtby gerne einen weiteren Schritt nach oben machen würde. Die Premier League war dabei sein auserkorenes Ziel. Dort zu spielen, so hatte er es tatsächlich häufiger in der Vergangenheit erwähnt, war schon immer ein Traum von ihm. Nachvollziehbar, ob des starken englischen Einflusses in seiner Familie. Seine Mutter ist zwar Deutsche, sein Vater hingegen ist Engländer und passionierter Fan der Toffees aus Everton.

Zwar hatte er als Stammspieler der Schalker und Captain der U21-Nationalelf ein gewisses Standing erreicht, doch frei von Leistungsschwankungen war er keineswegs. Inkonstanz war nämlich einer der Hauptkritikpunkte, die man ihm immer wieder anlastete.
Ungeachtet dessen drängte er aber weiter auf einen Wechsel, sodass die Schalker Führungsriege um Horst Heldt und Clemens Tönnies schließlich nachgab und ihn im Januar 2013 ziehen ließ. Auch um noch eine kleine Ablöse zu generieren, die im darauffolgenden Sommer entfallen wäre.

Holtbys Wahl fiel auf Tottenham Hotspur, das sich im Werben gegen diverse andere Premier-League-Clubs durchsetzen konnten.
Bei den Spurs startete er mit den Vorschusslorbeeren eines topausgebildeten deutschen Talents. Dieses Vertrauen konnte er in der Folge jedoch nie zurückzahlen und kam bestenfalls als Einwechselspieler zum Einsatz. Oft wirkte er auf dem Platz lethargisch. Mit der Umstellung auf das körperbetonte, typisch englische Spiel kam er nicht zurecht. Um ihm die Umstellung zu vereinfach verliehen ihn die Spurs dann im Januar 2014 an das im Abstiegskampf steckende Fulham. Dort sollte er unter seinem alten Trainer Felix Magath in einer schwächeren Mannschaft Spielpraxis sammeln.
Er kam zwar häufiger zum Einsatz, machte aber keine echten Fortschritte und konnte den Abstieg der Cottagers nicht verhindern.

Als man ihm bei Tottenham dann vor kurzem klarmachte, dass er keinerlei Perspektive habe, musste er sich zwangsläufig nach Alternativen umsehen. Mit dem Image in England gescheitert zu sein, muss er nun leben. Nicht wenige halten ihm jetzt natürlich nochmal vor, wie falsch es war die Zelte bei Schalke damals abgebrochen zu haben. Die Sätze „Der Schritt kam zu früh“ und „Ich hab’s doch gewusst“ hat er in den letzten Monaten sicher öfter gehört, als alles andere.

Dass er sich nun für den krisengeschüttelten HSV entschieden hat, der gerade nach dem erbärmlichen Saisonstart ein Revival der letzten Katastrophensaison erlebt, ist vorsichtig formuliert eine ambitionierte Aufgabe.
Es ist sicher aller Ehren wert, dass er sich dieser Herausforderung annimmt. Aber ob jemand, der in der Vergangenheit vor allem an fehlender Konstanz und Durchsetzungskraft gescheitert ist, in der Lage ist dem chaotischen HSV zu helfen wieder in die Spur zu kommen, darf mindestens bezweifelt werden.

 

Beitragsbild: Quelle

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