Warum Tuchel perfekt gepasst hätte

Knapp ein Jahr lang hatte man beim Deutschen Fussball Bund Zeit den Posten von Hansi Flick als Co-Trainer der A-Nationalmannschaft neu zu besetzen. Denn bereits Mitte Oktober 2013 entschied man sich den damaligen Co-Trainer zum künftigen Sportdirektor zu machen. Die Stelle des Sportdirektors hingegen war vakant geworden, da Robin Dutt, der bis dahin das Amt inne hatte, seine Karriere als Trainer fortsetzen wollte und zur Saison 2013/2014 bei Werder Bremen anheuerte. Eine klassische Kettenreaktion also.

Der Posten des Co-Trainers ist logischerweise eng an den des Bundestrainers gebunden. So musste also zunächst mal geklärt sein, wer nach dem Ende der WM 2014 das Amt des Bundestrainers ausfüllt.
Auf dem Papier ist das ganz klar Jogi Löw, denn seinen Vertrag verlängerte man nicht ohne Grund schon weit vor der WM bis einschließlich EM 2016 in Frankreich.
Allerdings dürfte auch jedem beim DFB klar gewesen sein, dass so eine WM die Planungen und damit auch die bestehenden Verträge durcheinander wirbeln kann. Bei Misserfolg sind Verträge nämlich plötzlich ein ganz vages Stück Papier, was alles andere, als eine Sicherheit darstellt.
Hätte die DFB-Elf bei der WM in Brasilien die Erwartungen nicht erfüllen können, wäre Löw als Bundestrainer nicht mehr tragbar gewesen. Zumal er sich vor dem Turnier ohnehin schon kräftiger Kritik erwehren musste. Um es konkret zu machen: Alles unter Viertelfinale hätte das Aus bedeutet. Ein Ausscheiden im Viertelfinale selber wäre zumindet diskutabel gewesen.

Es kam jedoch alles anders und Löw ließ mit dem Titel alle Kritiker verstummen. Doch selbst der Titel brachte keine absolute Sicherheit um seine Personalie. Denn es bestand durchaus die Möglichkeit, dass Löw auf dem Höhepunkt, trotz Vertrag bis 2016, abtritt. Dies tat er nach etwas Bedenkzeit allerdings nicht und somit stand fest, dass der neue Co-Trainer unter Löw als Bundestrainer arbeiten werde.

Dass es nun also Thomas Schneider wird, kommt augenscheinlich erstmal wenig überraschend. Zwar ist sein Name in den Spekulationen zuvor nie gefallen, aber die Nähe zu Löw macht das Gespann zu einem sinnvollen Duo.
Schneider verbrachte viele Jahre beim VfB aus Stuttgart. Zunächst als Spieler, später als Trainer der Jugend und zuletzt auch der Profis. Zum VfB wird Löw ja schon immer eine besondere Nähe nachgesagt. Von daher hat Löw in Schneider einen loyalen, bundesligaerfahrenen Co gefunden, der ihn bei seiner Arbeit unterstützen wird. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.

Der DFB hatte mit der Besetzung des Co-Trainer jetzt allerdings die Chance die Weichen für die Zukunft zu stellen und langfristig Ruhe um den Posten des Bundestrainers einkehren zu lassen. Denn eine Weiterbeschäftigung von Löw über die kommende EM hinaus scheint nach dem Weltmeistertitel ausgeschlossen. 2016 will er noch versuchen sich mit dem EM-Titel gänzlich unsterblich zu machen, um dann abzutreten. So oder so. Danach gibt es keine Ziele mehr, denn eine Verteidigung des WM-Titels anzustreben wäre vollkommen vermessen. Und das weiß er auch.

Da die Ära Löw also offenbar ein Verfallsdatum hat, könnte man auf die Idee kommen langfristiger zu planen.
Hätte man also jetzt einen Co-Trainer ernannt, der die Qualitäten besitzt in zwei Jahren das Amt des Cheftrainers zu übernehmen, so hätte sich dieser auf dem Weg zur EURO in Frankreich bereits mit allen Gegebenheiten der Nationalmannschaft vertraut machen können, um dann den neuen Posten bestmöglich vorbereitet antreten zu können.
Ein Kandidat dafür war Thomas Tuchel. Der Ex-Mainzer ist ein ausgewiesener Fachmann, Motivator und Vorreiter der modernen Trainingslehre. Fachlich bringt er also alles mit, was man braucht. Lediglich die staatsmännische Verhaltensweise mit der Presse und den Fans, die ein Bundestrainer an den Tag legen muss, hätte er sich aneignen müssen. Das hätte er sich in den zwei Jahren bei Löw abschauen können.

Die Wahl mit Thomas Schneider ist also beileibe keine Schlechte. Mittelfristig macht man damit alles richtig, allerdings hatte man die Chance bereits langfristig alle Posten abzudecken. Denn wer weiß welche Trainer 2016 überhaupt verfügbar sind.

 

Beitragsbild: Quelle

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2 Kommentare zu “Warum Tuchel perfekt gepasst hätte”

  1. Die Ausführungen sind nachvollziehbar, mit einem Knackpunkt.

    Thomas Tuchel wird in diesem Jahr keine Freigabe für eine Beschäftigung erhalten. Das haben die Verantwortlichen des FSV Mainz 05 sehr deutlich klar gemacht. Die Option, Herrn Tuchel das Sabbatical zu ermöglichen, indem das Arbeitsverhältnis nur „ruhend gestellt“ aber nicht aufgelöst wird, liefert da eindeutige Hinweise,

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    1. Letztendlich können wir nur darüber spekulieren.

      Vielleicht aber wäre ja der Posten „Bundestrainer in spe“ ein besseres Druckmittel auf Heidel gewesen und er hätte eingelenkt. Als nationale Aufgabe sozusagen.
      Oder man hätte Tuchel ab 2015 als Co installiert und bis dahin einen Strohmann eingesetzt.

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