Free Shinji – Mission complete!

Große Tränen weinte der kleine Mann bei seinem emotionalen Abschied im Sommer 2012. Gerade erst hatte er mit der Dortmunder Borussia das Double geholt. Nach dieser überaus erfolgreichen Saison, die mit der Demontage des großen Rivalen aus München im Pokalfinale über alle Maßen positiv endete, wurde es für Kagawa später auf dem Siegerbankett doch noch zu einer traurigen Angelegenheit. Bitterlich weinte er in den Armen von seinem väterlichen Freund und Förderer Jürgen Klopp. Ihm wurde wohl bewusst, was er hier freiwillig hinter sich ließ: ein perfektes fussballerisches Umfeld mit Status als Publikumsliebling. Er war dem Ruf aus Manchester gefolgt und hatte entschieden sich zur neuen Saison den Red Devils anzuschließen. Dort wollte er sich den Traum erfüllen, in der für Asiaten so wichtigen Premier League, zu spielen.

Begeistert waren die Fans der Borussia über diese Entscheidung selbstredend nicht. Doch verzieh man es ihm eher, als anderen. Seine sympathisch unbedarfte Art, gepaart mit der für Japaner typischen Höflichkeit und Demut, machte ihn neben seinen Verdiensten auf dem Rasen zum echten Liebling der Südtribüne. Auch seine fast schon kindliche Reaktion, als ihm da nach diesem Pokalfinale bewusst wurde wieviel er hier zurücklässt, passte zu ihm. Und dafür liebten sie ihn.

Als absoluter Nobody kam er im Sommer 2010 in den Ruhrpott. Der BVB verpflichtete ihn für eine in der Fussballwelt als läppisches Trinkgeld anzusehenden Ablöse von 350.000 Euro. Diese Ausbildungsentschädigung ging an seinen Verein Cerezo Osaka, bei dem er zuvor mit starken Leistungen für Furore gesorgt hatte. Von Entschädigung kann man bei der geringen Ablöse wohl kaum sprechen. Als Kaderergänzung sollte er in Dortmund behutsam aufgebaut werden um später mal eine echte Alternative zu sein. Dieser Plan sollte als eine der größten Untertreibungen in die Geschichte des Dortmunder Fussballs eingehen. Wenn man bei Kagawas Entwicklung überhaupt von Anlaufzeit sprechen kann, dann betrug diese zeitlich etwa die durchschnittliche Halbwertszeit eines frisch gezapften Pils. Das ist nicht gerade lang.

Er bestach auf dem Rasen sofort durch hervorragende Technik, die er effektiv als Vorbereiter und Vollstrecker nutzte. Bereits nach wenigen Spielen standen die Münder der übrigen Bundesligisten, ob des nahezu absurd guten Preis-Leistungsverhältnisses, weit offen. Für derartige Qualität werden andernorts zweistellige Millionenbeträge gezahlt. Doch das Talent des schnellen Dribblers war dem Rest von Fussballeuropa offenbar verborgen geblieben und so konnte Manager Michael Zorc den japanischen Rohdiamanten in aller Ruhe bergen.

Spätestens nach der Galavorstellung in seinem ersten Revierderby gegen Schalke, lag ihm der gesamte schwarz-gelbe Teil des Ruhrgebiets zu Füßen. Mit zwei Toren entschied er das Spiel fast im Alleingang. An diesem Tag wurde dann auch sein persönlicher Fangesang geboren:

Wer von der Südtribüne persönlich besungen wird, der kann davon ausgehen, dass er einen Platz im Herzen des BVB inne hat.
In der Folge feierte Kagawa mit dem BVB von 2010 bis 2012 zwei Meisterschaften, sowie einen Pokalsieg. Er prägte dabei eine Mannschaft, die mit diesen beiden Saisons die große Renaissance der Borussia einläutete. Vom Verein aus der zweiten Tabellenhälfte bis zur echten Größe in Europa, Kagawa hat einen großen Anteil daran.

Nach seinem Abgang Richtung England überwog im Dortmunder Fanlager natürlich zunächst mal die Enttäuschung darüber einen überragenden Fussballer verloren zu haben. Man kann nie für jeden einzelnen Fan sprechen, wirklich böse auf ihn war man aber nicht. Seine Entscheidung wurde fair akzeptiert. Auch deswegen blickte man ohne Spott nach Manchester, als er dort nie wirklich ankam und hauptsächlich die Bank besetzte.
Im Gegenteil, man hatte eher Mitleid mit dem einstigen Helden.
Die Gerüchte um eine mögliche Rückkehr rissen in der Folge nie gänzlich ab. Immer wieder gingen angebliche Kontakte zwischen Kagawa und seiner alten Heimat durch die Presse. Sicherlich war nicht immer etwas dran, fest steht aber, dass sich beide Seiten nie aus den Augen verloren haben. Auch wenn Kagawa selbst unter anderem Anfragen des BVB ablehnte und seinen Weg bei United weitergehen wollte, verschloß man die Tür für eine Rückkehr nie gänzlich.
Indiz dafür, dass man ihn immer in positiver Erinnerung behielt, ist die Facebook-Initiative „Free Shinji“. Dort taten sich Anhänger der Borussia zusammen und plädierten während seiner ganzen Zeit in Manchester für eine Rückkehr.

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Denn gefühlt gehörte er immernoch dazu. Er sei bei United „gefangen“ gewesen.
Dass diese Initiative nun tatsächlich Erfolg hat und Kagawa wahrhaftig ins Westfalenstadion zurückkehrt, das hätten die Betreiber selber vielleicht nichtmal für möglich gehalten.

Der „gelbe Samurai“, wie sie ihn am Borsigplatz liebevoll nannten, kommt also nach Hause. Wenn man einige gescheiterte Anfragen aus der Vergangenheit ausblendet, eine echte fussballromantische Story, die nicht nur das Team um eine starke Alternative erweitert, sondern auch das Umfeld emotional mitnimmt. Ähnlich wie bei der Rückkehr von Nuri Sahin im Januar 2013 wird es dem Verein nochmal einen Schub geben.

Damit er so schnell nicht wieder weinend in den Armen von Klopp liegen muss, hat man diesmal mit einem Vier-Jahres-Vertrag vorgesorgt.

 

Kleiner Nachtrag:

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In Dortmund-Gartenstadt begrüßt man den kleinen Japaner auf ganz besondere Art und Weise.

 

Beitragsbild: Quelle

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2 Kommentare zu “Free Shinji – Mission complete!”

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