Blinder Aktionismus aus der Dose

Rasierschaum oder Sahne, witzige Synonyme lagen bei dem zur WM neu eingeführten Freistoßspray nah. Schon während der WM fragten sich Spieler, Verantwortliche und nicht zuletzt auch die Fans warum eine solche Neuerung zwingend notwendig sei. Brav zogen die Refferees ihre weißen Linien auf dem Rasen auf, wie von der allwissenden FIFA verordnet. Den Abstand der Mauer zum Ball beim Freistoß, sowie den Ort des Foulspiels, an dem der Ball platziert werden muss, soll damit für alle sichtbar und jegliche Diskussion unterbindend markiert werden. Sicherlich zunächst kein ganz abwegiger Gedanke. Kam es doch in der Vergangenheit in einigen Einzelfällen mal dazu, dass ein besonders gewitzter Spieler den Tatort des Fouls eigenmächtig einen Meter nach vorne verlegte um die Entfernung zum Tor beim folgenden Freistoß zu verkürzen.

Sind die Abweichungen denn ohne das Spray tatsächlich so groß, dass man ein derartiges Mittel einführen muss? Reicht es nicht aus, wenn die Schiedsrichter, oder auch deren Assistenten, einfach etwas genauer hinschauen ob der Ball vom Ort des Foulspiels verändert wird?

Denn die negativen Auswirkungen dieser Methode sind nicht zu verachten. Einige sind subjektiver Natur, wie die optische Irritation durch das Spray, was in seiner Art dreidimensional vor dem Ball liegt und psychologisch eine Mauer für den Freistoßschützen darstellen kann. So angesprochen von Wesley Sneijder während der WM.
Aber auch effektive, messbare Nachteile bringt das Spray mit sich. Der Prozess des Auftragens auf den Rasen, ordnungsgemäße Ausrichtung der Mauer und des Schützen, sowie schlussendliche Freigabe der Situation bringt eine zusätzliche zeitliche Verzögerung im Spiel mit sich. Längere Nachspielzeiten und eventuell sogar eine Störung des Spielflußes sind die Folgen.
Während der Premiere der Markierung aus der Dose bei der WM war sogar mehrmals zu beobachten, dass Spieler die gesprühten Linien nicht ernst genommen haben. So wurde das Spray dann von den Spielern in der Mauer kurzerhand nach vorne übertreten oder auch der Ball vom Schützen eigenmächtig vor der Linie platziert. Ohne, dass dies von Schiedsrichterseite geahndet oder sanktioniert wurde. Es wurde entweder übersehen oder ignoriert.

Warum nun also die DFL nach der WM derart überzeugt von dieser Neuerung ist, erschließt sich zunächst nicht. Es ist vielmehr ein blindes Folgen dem Aktionismus der FIFA.

Ob die FIFA damit von anderen, immensen Problemen, wie den völlig veralteten, korrupten internen Strukturen ablenken will, kann man zumindest vermuten. Nach dem Motto: ‚Schaut her, wir machen was! Und vegesst ganz schnell wieder, warum wir eigentlich in’s Kreuzfeuer geraten sind.‘
Es ist ja schließlich nicht das erste Mal, dass die FIFA mit skurril erscheinenden Neuerungen um die Ecke kommt. Silver und Golden Goal oder Abseitspfiff erst dann wenn der Angreifer den Ball berührt (Die Stürmer haben sich über die zahlreichen sinnlosen Sprints sicher gefreut) um mal einige zu nennen.

Bleibt zu hoffen, dass man sich in Zukunft eher auf wichtigere Neuerungen, wie die einheitliche Einführung der Torlinientechnik konzentriert.

 

Beitragsbild: Quelle

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s