Hakan Calhanoglu, The Expendable

Der Fussball heutzutage ist sicher nicht mehr der, der er vor vielleicht 20 Jahren noch war. Der Einfluss des Geldes hat dramatisch zugenommen. Diese Entwicklung kann man auf der einen Seite als Kompliment verstehen, denn nur in Märkte mit hohem Entwicklungspotenzial und dem entsprechendem Wiederverkaufswert wird derartig viel Geld investiert. Und der Fussball ist zweifelsohne so einer. Keine Sportart genießt weltweit mehr Aufmerksamkeit, keine Sportart generiert derartig hohe Werbewerte.

All das klingt nach einer großen Erfolgsstory. In Wirklichkeit aber wandelt der Fussball seit einigen Jahren auf einem schmalen Grat. Denn er spielt mit dem, was ihn erst zu dieser Marketingmaschienerie hat werden lassen: seine wahren Fans.
Sie lassen sich zweifelsohne als Herz und Seele des Fussballs beschreiben und machen ihn letztendlich aus. Und die sind, anders als die eventorientierten Semi-Fans, wenig interessiert an der Show um den Sport herum, die aber für die Veranstalter das meiste Geld generiert.

Eine weitere Auswirkung der Kommerzialisierung sind die immer höheren Summen, die der einzelne Spieler damit verdienen kann. Getrieben durch profitwütige Berater werden die Profis heute mehr und mehr zu schnellen Wechseln gedrängt. Diese Profitgier der drahtziehenden Personen bewirkt natürlich starke Veränderungen in den Köpfen der Spieler. Meistens sind es die jungen Spieler, die charakterlich noch nicht so gefestigt sind, dass sie dem Einfluss der Berater widerstehen können. So kommt es seit geraumer Zeit immer wieder dazu, dass junge, aufstrebende Talente bei der nächstbesten Gelegenheit den Verein verlassen um dorthin zu ziehen, wo das meiste Geld geboten wird. Schmackhaft gemacht durch Berater, die eine satte Provision wittern.
Konsequenz dieser Entwicklung sind fehlende Vereinsidentifikation und zunehmendes Söldnertum.

Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung stellt die Wechselposse um Hakan Calhanoglu dar. Und das ist nicht irgendein Beispiel, es ist die aktuelle Spitze, eine neue Dimension in der Entwicklung des Fussballs. Noch nie zuvor stellte ein Spieler sich in aller Öffentlichkeit derart profitorientiert und skrupellos dar. Er machte keinerlei Hehl daraus, dass ihn Identifikation mit dem HSV oder die Gefühle der Fans nicht interessieren. Er suchte in seiner Argumentation sogar den Weg nach vorne: Warf den HSV-Fans Verständnislosigkeit in Bezug darauf vor, dass ihm sich ja die vielleicht einmalige Gelegenheit bieten würde in Leverkusen Champions League zu spielen und sich bestmöglich für die türkische Nationalelf auf dem Weg zur EM 2016 zu empfehlen.
Scheinheilige Argumente auf der Suche nach moralischer Unterstützung um einen Wechsel nach Leverkusen zu erzwingen. Aber das war noch nicht genug. Als letzten Trumpf zog Calhanoglu die Streik-Karte aus dem Ärmel und verweigerte unter dem Vorwand einer angeblichen psychologischen Angststörung in Bezug auf den aufgebrachten Hamburger Mob das Training. Mit offizieller Krankschreibung, man möchte ja von allen Seiten abgesichert sein.
Schlussendlich gab der HSV dem Laientheater des Jungprofis nach und ließ ihn ziehen.

Wie Sylvester Stallone und seine Mannen im Film „The Expendables“ geht auch Calhanoglu, wie ein Söldner seinen Weg ohne Rücksicht auf Verluste dorthin, wo ihm aktuell das meiste Geld geboten wird. Natürlich verstößt die Grundidee des Söldnertums gegen keine Gesetze. Es sei denn man tötet dabei Menschen. Your choice, Stallone! Wenn man aber nur gegen Geld kickt, ist das gesetzlich unbedenklich.

Dennoch, die moralischen Vorstellungen eines leidenschaftlichen Fussballfans tritt es mit Füßen. Und der ist schließlich immernoch Herz und Seele des Fussballs. Typen, wie Calhanoglu sind in unserem Fussball mehr als entbehrlich!

 

Beitragsbild: Quelle

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