Das Problem der Nachspielzeit und wie wir es lösen könnten

Es gibt wohl keine Sportart auf dieser Welt, die ihre Spielzeit derartig Pi mal Daumen bemisst, wie der Fussball. Die Spielzeit ist eine rein subjektive Einschätzung des Schiedsrichters, der am Ende des Spiels eine Empfehlung (aber nicht bindend) vom Vierten Offiziellen über die nachzuspielende Zeit bekommt. Es ist also nahezu unmöglich für den Zuschauer live einzuschätzen, ob die nachgespielte Zeit wirklich dem Spielverlauf gerecht wird. Schließlich stoppt niemand alle Foul-, Torjubel- oder Auswechslungsunterbrechungen während des Spiels mit.

Genau diese Undurchsichtigkeit ist dem Spiel Hertha BSC – FC Bayern am vergangenen Samstag zum Verhängnis geworden. Fünf Minuten Nachspielzeit wurden vom vierten Schiedsrichter an der Seitenlinie angezeigt. Subjektiv wahrgenommen eine sehr lange Nachspielzeit, verglichen mit dem Durchschnitt, der in der Bundesliga herrscht. Objektiv nachgehalten waren die fünf Minuten aber durch sechs Auswechslungen und diverse Verletzungsunterbrechungen (ob nun gerechtfertigt oder simuliert sei dahingestellt) vertretbar. Laut ZDF gab es in der zweiten Halbzeit handgestoppte neun Minuten Unterbrechungen. Dass dann am Ende sieben Minuten daraus wurden, lag schlicht daran, dass der FCB bei 95:00 am Strafraum der Herthaner war, an dem dann das Foul zum Freistoß passierte. Dass dieser noch ausgeführt wird, ist ebenfalls regelkonform.

Das Problem ist also nicht das Spiel Hertha – Bayern oder ein eventueller Bayernbonus, sondern vielmehr die, teils willkürlich wirkende, Auslegung der Spielzeit. In der Premier League versucht man dieses Problem zu umgehen, indem man einfach pauschal eine höhere Nachspielzeit veranschlagt, unabhängig vom Spielverlauf. Wird dem Kern der Sache sicher etwas gerechter, als das Nachspielzeitmanagement der Bundesliga und spiegelt den Spielverlauf besser wider, doch eine gerechte Spielzeit stellt auch das nicht dar. Die Lösung des Spielzeitproblems müsste man sich also eher aus anderen Sportarten abgucken.

Im Eishockey, Handball oder Football etwa wird die Zeit in bestimmten Situationen angehalten. Wenn der Ball im Aus ist, Verletzungen behandelt werden oder dergleichen. So hat man ein deutlich realitätsnäheres Abbild des Spielverlaufs und weniger Diskussionen. Außerdem wäre die Möglichkeit des Zeitspiels deutlich eingeschränkt. Wir könnten uns folgendes Modell vorstellen, um den Fussball in Sachen Spielzeit gerechter zu gestalten. Und zwar das der Nettospielzeit:

  • Spielzeit auf ~30 Minuten pro Halbzeit verringern
  • Fouls halten die Uhr an
  • wenn der Ball ins Toraus geht, stoppt ebenfalls die Uhr (bei Seitenaus läuft sie weiter)
  • Ausführungszeit von Abstößen oder Freistößen auf ~15 Sekunden begrenzen, bei Überziehen gibt es dann Ballbesitz für den Gegner

All diese Änderungen würden das Spiel natürlich von Grund auf verändern. Es wäre aber auch die Chance den Fussball von sehr vielen regeltechnischen Grauzonen und Manipulationen zu befreien. Die Fakten würden in den Vordergrund rücken, emotional subjektiv wahrgenommene Diskussionen natürlich deutlich zurückgehen.

Live & direkt – Bolz & Grätsch

Kein Scheiß: Wer unseren Podcast mal live erleben will, kann das demnächst tun! Unsere umfangreiche Deutschlandtournee umfasst ganze zwei Gigs, beginnt in Gladbeck und endet in Gelsenkirchen. Euch erwartet der übliche Fussball-Nerd-Schabernack und eine gehörige Portion Kreisligaunterhaltung aus unserem Buch „How To Survive Kreisliga„. Supportet werden wir von zwei Stargästen: Zweitligadinosaurier Willi Landgraf und Schalke-Reporter Jörg Seveneick. Hier die Hardfacts:

HINSPIEL – 13.3.2017
Freiraum, Maria-Theresien-Str. 1, 45964 Gladbeck
19:00-21:00 – Für exakte Infos: Facebook-Veranstaltung
Stargast: Willi Landgraf

RÜCKSPIEL – 30.3.2017
c/o Raum für Kooperation, Bergmannstr. 37, 45886 Gelsenkirchen
19:00-21:00 – Für exakte Infos: Facebook-Veranstaltung
Stargast: Jörg Seveneick

Wir freuen uns über zahlreiches Erscheinen und versprechen mit ganz viel Understatement ein Füllhorn an Gags, Anekdoten und Impro!

Auftritt im SPORT1-Fantalk

Eine freundliche Einladung zu einem kühlen Pils und einer deftigen Pommes-Schranke können wir natürlich nicht ausschlagen. Daher haben wir auch nicht lange gezögert uns am Dienstag zum SPORT1-Fantalk nach Essen in die 11 Freunde Bar aufzumachen. Doch nicht nur im reichhaltigen Fast-Food-Angebot des liebevoll eingerichteten Fussballschreins in Lebensgröße findet man viel Senf. Den verbalen Senf konnten wir nach bestem Wissen und Gewissen auch am großen Tisch mit einigen Mammuts der Fussballexpertise, wie Mario Basler, Peter Neururer oder Pit Gottschalk unter der angenehmen Leitung von Thomas Helmer, dazugeben.

Alles in allem eine großartige Erfahrung mal solch eine TV-Produktion hautnah mitzuerleben und vor allem daran auch teilhaben zu dürfen. Für ein paar Impressionen haben wir das Ganze natürlich auch bildlich festgehalten.

An dieser Stelle noch einen Gruß an unseren geschätzten Blogger-Kollegen Christian Schätzle von der Seite „Der Fußball-Blogger„, der ebenfalls zu Gast sein durfte.

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Hier noch als Bewegtbilder:

Bolz & Grätsch E002 – Fifty Shades of Grätsch

Die knisternde Erotik der heißen Phase der Saison hat auch Max & Micha gepackt. Die beiden Fussballmasochisten beschäftigen sich in dieser Episoden mit erotischen Stories vom Deadline Day, großer Sehnsucht nach einem Sieg, einem bösen Jungen aus Hoffenheim und fehlender Leidenschaft in der Fussballwerbebranche. Die Pointen knallen bei unserem heißblütigen Verbaldoppel auch diesmal wieder wie Peitschenhiebe auf blanker Haut. Außerdem erklären wir mal, was die Namensfindung dieses leidenschaftlichen Podcasts mit S&M zu tun hat. Rrrrrr.

Früher war alles besser: Fussballwerbespots

Dass der Fussball eine scheinbar niemals versiegende Quelle für generierte Werbeeinnahmen ist, das brauchen wir niemandem verdeutlichen. Längst haben zahlreiche Stars der Branche die Welt der Werbespots erobert. Angefangen bei Suppenkasper Franz Beckenbauer, der für Knorr Kraft auf den Teller brachte oder Gerd Müller, der bereits in den 70er Jahren Werbung für Müllermilch machte. Ja, da hat die jüngere Generation der Fussballfans richtig gehört: Lange bevor der Thomas dafür vor der Linse stand oder man auf die Suche nach dem Muh ging, machte der Gerd schon für des Deutschen liebste Molke Werbung.

Bis die ersten Gehversuche der oft steif wirkenden Topspieler vor der Kamera sich langsam zu echten Fortschritten entwickelten, vergingen einige Jahrzehnte. Als sich dann die großen internationalen Konzerne Ende der 90er, Anfang der 2000er diesem Thema annahmen, wurden die Spots endlich filmreif. Insbesondere Nike, Adidas und Pepsi taten sich positiv hervor und schafften es teilweise mit einer ungezwungenen Lockerheit und Coolness die Ballzauberer formschön in Szene zu setzen.

  • Nike, 1998, Airport

Ein wunderbares Beispiel dafür ist der Nike-Spot von 1998, in dem die damalige brasilianische Nationalelf sich aus Langeweile mit dem Ball am Fuß durch den Flughafen von Rio de Janeiro zaubert.

Untermalt von den Klängen des perfekt passenden Soundtracks Mas Que Nada braucht die Riege um Ronaldo, Romario, Lucio, Cafu, Carlos, Denilson, Leonardo nicht mehr, als eine Pille, um aus den langweiligen Terminalhallen einen Bolzplatz an der Copacabana zu machen. Überflüssig zu erwähnen, dass dieser Spot zu dieser Zeit in vielen Schulen, Bahnhöfen und Einkaufscentern zu Sachbeschädigungen geführt hat. Aber mit 10 ist man halt der Coolste auf dem Schulhof, wenn man den Übersteiger samt Ball mit der Hacke über den Kopf ziehen hinkriegt.

  • Pepsi, 2003, Wild West

Pepsi hatte im Jahr 2003 eine wunderbare Idee: Lassen wir doch einfach Freistoßgott Beckham gegen Welttorhüter Casillas antreten. Und welches Setting wäre für einen Scharfschützen, wie Becks passender, als der Wilde Westen? Die Story sieht vor, dass San Iker dem guten David im örtlichen Saloon die Pepsiflasche vor der Nase wegschnappt. Logisch, dass er das nicht auf sich sitzen lassen kann. Prompt fordert er Casillas zu einem erbitterten Duell heraus. Natürlich mit Ball und Handschuhen, statt Revolvern. Damit das High-Noon-Duell endgültig episch wird, haben beide jeweils ihre United-Squad und Real-Squad als Unterstützung am Start. Verliebtes Detail am Rande: Die Spieler haben die Rückennummern und Namen in Originalschriftart auf ihren Wild-West-Ledermantel gedruckt. Jedenfalls tritt David mit der geballten Ultra-Coolness einer weltweiten Stilikone auf die staubige Straße und überlistet Casillas, wie es sich für einen Freistoßspezialisten gehört.

  • Nike, 2000, The Mission

2000 heuerte Nike eine Horde schillernder Fussballstars an, um eine große Mission zu erledigen. Es sollte der neue Nike-Ball aus einem Museum entführt werden. Verantwortlich für die Mission ist kein geringerer, als Feierbiest Louis van Gaal, der in bester Hannibal-Manier den A-Team-Van vorfährt. Die Mitglieder dieser Sondereinheit stürmen also das Museum und müssen sich mit krassen Skills am Ball gegen schlecht gelaunte Samurai-Roboter (klar) durchsetzen. Einer fällt aus dieser Gruppe etwas raus: Nämlich Olli Bierhoff. Der wirkt neben den naturlässigen Figo, Davids, Thuram  oder Totti, wie McLovin beim Breakdancen. Eher uncool.

  • Pepsi, 2004, Medieval Fight

Mal wieder gebührt David Beckham die Ehre, das Pepsi-Universum mit seinem rechten Fuß zu retten. Diesmal im Mittelalter. Becks hat einige von seinen Fussballkollegen mitgebracht und zeigt den etwas zurückgebliebenen mittelalterlichen Bewohnern mal wie man den Schweinslederball so richtig schön durch die Gegend drescht. Am Ende schießt Roberto Carlos noch einen Naturgewaltfreistoß und beschert damit allen mittelalterlichen Einwohnern eine Fuhre Gratis-Pepsi. Zwar keine Infrastruktur oder sauberes Wasser, aber immerhin Pepsi.

  • Nike, 2002, The Cage

Bei dieser Spot-Reihe aus dem Jahr 2002 besinnte sich Nike mal wieder auf das Wesentliche. Ein Turnier, ein Käfig, zwei Mini-Tore, Drei gegen Drei. Und diese Drei-Mann-Teams sind bestückt mit allem, was Rang und Namen hat im Fussball Anfang der 2000er. In mehreren Teilen des Spots kämpfen die Starensembles mit teils irrwitzigen Tricks um den Einzug ins Finale. Geleitet wird das Ganze von Eric Cantona, der wie ein irrer Zirkusdompteur auf dem Käfig steht. Den letzten Schliff bekommen die Spots mit dem außergewöhnlich guten Soundtrack, einem Remix von Elvis Presleys „A Little Less Conversation“. Wenn man dieses Lied hört, bekommt man heute noch Bock auf ein mit Tricks überladenes, schnelles Kleinfeldmatch mit seinen Kumpels.

  • Nike, 2004, Portugal vs. Brazil

Nochmal Nike, diesmal in einer realistischen Kulisse im Stadion. Es stehen sich die Nationalteams aus Portugal und Brasilien im Spielertunnel gegenüber. So weit, so normal. Doch als der alte Fuchs Luis Figo meint dem die Schuhe schnürenden Ronaldo (der Echte) den Ball durch die Beine zu spielen – und das auch noch mit einem verhöhnenden „Olé“ zu bestätigen – entbrennt ein einziges Zweikampffestival unter den Spielern, das sich durch das ganze Stadion zieht. Auch hier ist mal wieder viel Witz und Ironie dabei. Genau das macht den Charme dieses Spots aus, der mit den herrlich seichten, südlichen Klängen von Papa Loves Mambo (in der Dean-Martin-Version) untermalt wird.

  • Adidas, 2006, Jose+10

Auch der große Nike-Konkurrent Adidas kann starke Werbespots produzieren. So geschehen, vor der WM 2006.  Dort geht es um einen kleinen Jungen (Jose), der im Clinch mit seinem Kumpel liegt. Um das auszutragen, ruft man sich natürlich die weltweit größten Fussballstars zusammen (inklusive derer, die in ihrer jugendlichen Reinkarnation auftauchen, wie Beckenbauer und Platini) und trägt das in einem wilden Bolzplatzmatch aus. Funfact: Selbst in diesem leichtfüßigen Spaßmatch hat Oliver Kahn noch etwas zu meckern. Der Titan eben.

 

Diese ganzen großartigen Beispiele für wirklich gelungene, witzige und angenehm ironische Werbespots in der Fussballwelt sind alle 10-15 Jahre alt. Betrachtet man die Werbeblocks im TV-Programm heute, findet man keinerlei Spots mehr, die an die Qualität und den Spaß, den sie vermittelten, herankommen. Man hat heute zunehmend de Eindruck, als dürfe man große Fussballspieler in der Werbung nur noch möglichst unnahbar und perfekt darstellen, eher wie Models. Ganze Gruppen von Stars, wie in den alten Spots, bekommt man ebenfalls nicht mehr zu sehen. Wenn dann treten sie eher einzeln auf. Man duldet eben keine Konkurrenz.

Eine Entwicklung, die sehr schade ist. Denn die TV-Spots haben uns damals sehr viel Freude bereitet, vor allem die spöttischen Interaktionen der Stars untereinander. Liebe Werbemacher, stellt die Fussballstars doch mal wieder mit etwas mehr Augenzwinkern dar. Wir wollen lieber selbstironische Superhelden sehen, als unnahbar perfekte Models.

Bolz & Grätsch E001 – Pilotfolge

Die Kapitäne Max & Micha begrüßen ihre Fluggäste auf dem Flug BG2017 zur Pilotfolge des neuen Podcasts Bolz & Grätsch. Wie man die Zeit in der Winterpause mit alternativen Fussballveranstaltungen rumkriegt ist ebenso Thema, wie Trunkenbold Rod Stewart, das allmächtige Eisspray und wir klären welche Regeländerungen die FIFA mal angehen sollte.

(Die ersten 15 Min. sind tonmäßig etwas „anspruchsvoll“, danach ist es normal – ’schuldigung dafür, wir sind ja keine Maschinen.)

Die Elite der Elite – Brauchen wir eine CL-Reform?

Die jüngsten Ergebnisse der laufenden Champions-League-Saison haben mal wieder die Frage nach dem sportlichen Niveau dieses Wettbewerbs aufgeworfen. Besonders Legia Warschau hat sich in dieser Gruppenphase, vor allem mit dem völlig absurden 8:4 gegen den BVB, besonders negativ hervorgetan.

Der ursprüngliche Gedanke des höchstrangigsten Europapokalwettbewerbs impliziert, dass sich alle Landesmeister in einem Turnier miteinander messen. Die Besten der Besten im direkten Wettstreit. Er nannte sich früher „Europapokal der Landesmeister“ und sollte die europäische Elite abbilden. Von 1955 bis 1992 wurde dieses Turnier ausgetragen, bis die UEFA die heutige Champions League etablierte. Der Begriff „Beste der Besten“ definierte sich damals aber noch eher regional, also quasi das Beste aus jedem Land. Der heutige Fussball aber ist strukturell – und damit auch sportlich – stark auseinandergedriftet. Die kleineren Ligen sind weit abgeschlagen von den fünf großen Ligen in Europa. Es stellt sich also die Frage:

Braucht die Champions League heutzutage wirklich die Teams aus den kleineren Ligen, wie Polen, der Schweiz, Bulgarien, Belgien, Kroatien oder Dänemark? Oder wäre der Wettbewerb mittlerweile attraktiver, wenn er nur aus Teams der größten Ligen bestehen würde?

Wir beleuchten diese Frage mal, indem wir Pro und Contra miteinander vergleichen.

CONTRA TEAMS AUS KLEINEN LIGEN

Die strukturellen und damit einhergehenden Verlagerungen der europäischen Ligen haben ein großes Ungleichgewicht erzeugt. Die Topligen aus Spanien, England, Deutschland, Italien und Frankreich arbeiten einfach mit einem vielfach höheren finanziellen Volumen, das alle anderen Ligen im Kampf um gute Spieler so gut wie chancenlos macht. Wenn die Manager aus den Topligen mit der glänzenden Stretchlimousine vorfahren, um neue Spieler zu rekrutieren, kann man in allen anderen Ländern mit der klapprigen Postkutsche nur wieder deprimiert abdrehen. Bedeutet: Die besten Spieler aus den Nicht-Topligen zieht es ohnehin früher oder später in die ganz großen Ligen. Somit ist es den Mannschaften aus kleinen Ligen auch nahezu unmöglich das sportliche Niveau der Topligateams auch nur ansatzweise halten zu können. Die Folge sind dementsprechend klare Ergebnisse in den direkten Duellen.

Legia Warschau präsentiert sich in dieser Saison als Musternegativbeispiel und hat nach fünf Spieltagen gerade mal einen Punkt und ein fast schon absurdes Torverhältnis von 8:24. Legia ist zwar amtierender polnischer Meister, aber anhand dieser Ergebnisse darf die Daseinsberechtigung in der Champions League schon hinterfragt werden. Auch ein  0:0 zwischen Basel und Rasgrad, wie an diesem fünften Spieltag, ist kein Spiel, das einen Fussballgourmet sabbernd vor dem Fernseher sitzen lässt.

Diese klaffende Lücke zwischen Arm und Reich im europäischen Fussball wird sich auch in den kommenden Jahren nicht schließen. Im Gegenteil: Sie wird noch größer werden, da die Kommerzialisierung im Fussball eher noch raumgreifender wird, als abschwächt. Wenn man also die Champions League als Gipfel des europäischen Fussballs definiert, muss man konsequenterweise das Teilnehmerfeld auf die größten Ligen beschränken. Somit wäre ein maximales sportliches Niveau garantiert und das Turnier würde verschlankt werden, was der Attraktivität zugutekommen würde. Die Elite der Elite wäre unter sich.

Alternativ könnte man dann zweit- und drittrangige Europapokalturniere etablieren, die dann unter den schwächeren Ligen ausgespielt werden. Diese hätten damit ebenfalls die realistische Aussicht auf sportliche Erfolge. Erste Gedanken zu solchen Auskopplungen gab es schon von skandinavischen Vereinen, die überlegen einen Wettbewerb untereinander auszuspielen. „Scandinavian Champions League“ würde doch ganz ansprechend klingen, oder?

PRO TEAMS AUS KLEINEN LIGEN

Das vielzitierte Salz in der Suppe unseres Sports sind doch die Sensationen. Wenn der Underdog den haushohen Favoriten ärgert, wenn David sich gegen Goliath auflehnt oder die arme Kirchenmaus plötzlich die Glocken läuten darf. Jüngstes Beispiel dürfte die 3:2-Niederlage des FC Bayern in Rostow gewesen sein. Ein kleiner russischer Club, der gefühlt mitten in der Tundra liegt und mit dem Glanz der Champions League so viel zu tun hat, wie Ribery mit Selbstbeherrschung. Diese Geschichten machen den Fussball gewissermaßen aus.

Außerdem ist es auch die Vielfalt an Teams, Ligen und Ländern, die den Wettbewerb bunt machen. Mannschaften, die sonst nur in ihrem eigenen Land im Fokus stehen, können in der Champions League auch international auf sich aufmerksam machen und so ihren Bekanntheitsgrad steigern. Der Fussball lebt außerdem schon immer auch von der Idee, dass alles jederzeit möglich ist. Grundsätzlich kann auch Legia Warschau das Turnier gewinnen, auch wenn es äußerst unrealistisch ist. Diese Idee von absoluter Gleichberechtigung fasziniert, auch die Fans. Dem Grunde nach sind es ja auch die Einnahmen aus der Champions League, die den Mannschaften aus kleinen Ligen die Möglichkeiten geben ihre Kaufkraft zu erweitern.

FAZIT

Eine Erhöhung der Exklusivität der Champions League würde mehr Vorteile mitbringen, als es beim jetzigen Modus zu belassen. Die kleineren Ligen hätten endlich realistische sportliche Erfolgschancen und könnten ihren Wettbewerb eigens vermarkten. Einen Aufstieg vom kleineren Wettbewerb in den größeren könnte man außerdem auch über die 5-Jahres-Wertung sicherstellen. So wäre auch noch eine Transparenz zwischen den Turnieren gegeben.